Prozess wegen Betrügereien im Internet
Beschuldigter ist weiter aktiv

Der Staatsanwalt hatte sechs Anklageschriften dabei. Sie enthielten eine schier endlos lange Liste von Computer-Betrügereien. Doch nach wenigen Minuten war der Prozess beendet. "Es gibt schon wieder neue Straftaten", führte der Anklagevertreter ins Feld.

Ein 24-Jähriger saß monatelang an seinem PC und bot über eine Internetplattform Waren an, die er nicht besaß. Leute aus dem gesamten Bundesgebiet ersteigerten sie und zahlten auf das Konto des Sulzbach-Rosenbergers. Als ihm jetzt vor dem Amberger Schöffengericht der Prozess gemacht werden sollte, hatte Staatsanwalt Oliver Wagner sechs Anklageschriften dabei. Darin befanden sich 40 einzelne Fälle mit einem Gesamtschaden von rund 10 000 Euro.

Als Richter Markus Sand die Verhandlung eröffnet hatte, bat der Staatsanwalt ums Wort und berichtete Erstaunliches. Er habe, ließ Oliver Wagner anklingen, am Vortag mit einem Sachbearbeiter der Polizei gesprochen und erfahren, dass es unterdessen zu einer Reihe neuer und ähnlich gelagerter Straftaten gekommen sei. Deshalb, so empfahl er, sollte man den weiteren Fortgang der Nachforschungen abwarten und das Verfahren bis zum Abschluss aller Ermittlungen aussetzen.

Nach einen Gespräch mit seinem Anwalt räumte der 24-Jährige ein, dass es möglicherweise zu neuen Betrügereien gekommen sei - allerdings nur, um bereits angerichtete finanzielle Schäden zu tilgen. "Ich will nun einen Schlussstrich ziehen", sagte der Mann und bekam eine Retourkutsche vom Staatsanwalt: "Sie haben Geschädigte so dreist belogen, wie ich es noch nie erlebt habe."

Das Schöffengericht entschied sich nach kurzer Beratung für eine Aussetzung des Verfahrens. "Das wird wohl drei bis vier Monate dauern", stellte Richter Sand in Aussicht. Bis dahin, so riet er dem Angeklagten, könne er etwas für sich tun: "Nutzen Sie die Zeit, um offene Rückzahlungen zu begleichen."
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