Referentin Ina Susanne Willax referiert beim Landfrauentag über die Bedeutung der Sprache
Die Macht der Worte

Rund 200 Landfrauen und Prominenz aus Politik, Landwirtschaft und Wirtschaft waren beim Landfrauentag in Großenfalz. Bilder: Kamm (2)
 
Worte können wie Homöopathie wirken.

"Lingva Eterna" - das bedeutet Ewige Sprache. Diesem Thema widmete sich Referentin Ina Susanne Willax beim Landfrauentag. Mit den Frauen und Gästen aus Politik und Wirtschaft erörterte sie, welche Macht Worte haben und warum sie mit Bedacht gewählt werden sollten.

Sulzbach-Rosenberg/Großenfalz. "Wenn die Worte nicht stimmen, dann ist das Gesagte nicht das Gemeinte". Das Morgenstern-Zitat, mit dem Kreisbäuerin Brigitte Trummer den Landfrauentag eröffnete, sagt genau das, was das Konzept "Lingva Eterna" ausdrücken will: "Eine gezielte Änderung der gewohnten Ausdrucksweise, die eine nachhaltige und positive Wirkung auf das Denken und Handeln hat."

"Sprache wirkt. Immer." Eine zierliche Frau mit einer angenehmen Stimme spricht zwei Stunden lang beim Landfrauentag über ihr Metier. Ina Susanne Willax aus Berching ist selbstständige Dozentin für das Lingva Eterna Sprach- und Kommunikationskonzept. Im Wagner-Saal in Großenfalz hören ihr rund 200 Frauen aufmerksam zu. Auch die - teils männlichen - Gäste aus Politik, Landwirtschaft und Wirtschaft lassen sich für eine eventuelle Verbesserung ihrer Rhetorik zu Wortproben und kleinen Partnerübungen animieren.

Es geht um Worte, Sätze, Satzmelodie und Grammatik an diesem Nachmittag. "Worte machen etwas mit uns", erklärt die Referentin, "sie bewirken etwas bei unserem Gesprächspartner und bei uns selbst". An einer Fülle von Beispielen zeigt sie auf, wie viele Verneinungen in der Alltagssprache verwendet werden. "Kein Problem" solle zum Beispiel Zustimmung zum Ausdruck bringen, beinhalte aber das negative Wort Problem. Der Satz: "Das ist in Ordnung" dagegen sei eine klare und positive Aussage. "Deutlich sagen, um was es uns geht", fordert Ina Susanne Willax. Ein Kind könne nichts anfangen mit dem Verbot: "Geh nicht auf die Straße", wohl aber mit dem Rat: "Geh auf dem Gehweg".

Vielen Zuhörern wird dabei erstmals ihre gewohnte Sprechweise bewusst. Wer verwendet sie nicht, die Füllwörter wie "quasi", "vielleicht" oder "sag ich mal"? Wer weiß, dass Worte wie "eigentlich" Zweifel offen lassen, wer nimmt nicht ständig "ich muss" in den Mund statt anzukündigen "ich werde"? Den anderen mit seinem Namen ansprechen, so Willax, drückt Wertschätzung aus und fordert seine Aufmerksamkeit. Eine Brücke zwischen zwei Gesprächspartnern könne der Satz "Ich danke dir" schlagen statt des unverbindlichen "herzlichen Dank". Auch kriegerische Begriffe wie "Bombenwetter" oder "Auf die Folter spannen" werden im alltäglichen Wortschatz verwendet. "So etwas sollte vermieden werden."

Arbeit wertschätzen


"Worte können wie Homöopathie wirken", versichert die Rednerin und fordert die Hausfrauen auf, sich und ihre Arbeit, die "mit Geld nicht zu bezahlen ist", wertzuschätzen. Für die musikalische Begleitung des Landfrauentages wurden die "Böhmischen Oberpfälzer" mit Hans Dittrich aus Sulzbach-Rosenberg und Josef Ertl aus Hahnbach engagiert. Sie spielten mit Akkordeon, Klarinette und Saxofon bodenständige Stücke und sangen ihre gefühlvollen Lieder.

Der Landfrauentag ist alle Jahre ein Pflichttermin für Vertreter des öffentlichen Lebens. Kreisbäuerin Brigitte Trummer begrüßte auch heuer eine stattliche Gästeschar, allen voran die Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger und Landtagsabgeordneten Dr. Harald Schwartz. Den Landrat vertrat sein Stellvertreter Franz Birkl, auch Sulzbach-Rosenbergs Bürgermeister Michael Göth war zu Gast. Die Politiker würdigten die Arbeit der Landfrauen und dankten ihnen, dass sie "die Tradition aufrechterhalten". Lanzinger verband das Thema Sprache mit der Warnung, in der Flüchtlings-Debatte zu überlegen, "was, wie und wann wir etwas sagen". Schwartz erntete Beifall für seine kurze Ansprache und das Zitat:"In der Kürze liegt die Würze".

Bezirksbäuerin Stilla Klein verwies auf zahlreiche Medienbeiträge über landwirtschaftliche Produktchecks und Tierhaltung. Da diese zum Teil unausgewogene Berichterstattung viele Verbraucher verunsichere, gelte es für die Landwirtschaft, sich stärker zu Wort zu melden. "Es fehlt an Wertschätzung für unsere Produkte und die Arbeit, die dahinter steckt", beklagte Klein. Sie forderte die Bäuerinnen auf, auf Märkten Verbraucher aufzuklären und als Werbung Menschen in die bäuerlichen Betriebe einzuladen.
Worte können wie Homöopathie wirken.Ina Susanne Willax
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