Reformations-Festgottesdienst in der Christuskirche
Noch heute wichtige Anstöße

Sulzbach-Rosenberg. (cog) Das volle Geläut der Glocken verband sich mit den kraftvollen Weisen des Bergknappenorchesters, als die evangelischen Christen im langen Festzug von der Bastei zur Christuskirche gingen, um das Reformationsfest zu feiern. Die Musiker unter der Leitung von Johannes Mühldorfer zogen voran, gefolgt von Festprediger Dekan Eckhard Herrmann, Dekan Karlhermann Schötz und Pfarrer Dr. Roland Kurz. Hinter ihnen schritten Bundesbrüder aus Sulzbach und Rosenberg sowie zahlreiche Gläubige, d

Als Martin Luther vor 499 Jahren seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg schlug, ging es ihm um die Rechtfertigung durch den Glauben und damit um die Befreiung von der Angst. Daran erinnerte in der Christuskirche der Festgottesdienst zum Reformationsfest.

"Gott ist unsere Zuversicht und Stärke", beginnt Psalm 46. Mit diesen Worten, die Martin Luther in seinem Lied "Ein feste Burg ist unser Gott" aufnimmt, begrüßte Dekan Karlhermann Schötz in der Christuskirche eine große Gemeinde zum Reformationsfestgottesdienst. "Die Kirche muss sich immer wieder erneuern und sich auf ihr Fundament, auf Jesus Christus, besinnen."

Achtung geschenkt


Dekan Eckhard Herrmann aus dem Donaudekanat Regensburg hielt die Festpredigt über das Luther-Lied "Nun freut euch, lieben Christen g'mein" (EG 341). Luther ruft die Menschen hier auf, sich zu freuen, weil Gott ihnen Achtung und Wertschätzung schenkt, sie sich diese also nicht verdienen müssen: "Denn wir sind Gott recht, allein durch unseren Glauben."

In der menschlichen Gesellschaft hingegen müsse man Leistungen und Erfolge vorweisen, um Bestätigung zu erfahren. Vor knapp 500 Jahren war Luthers These revolutionär. Er befreite die einfachen Menschen vom unerträglichen Druck des bedingungslosen Gehorsams und der Angst, sich nicht nur den Zorn des Machthabers, sondern auch Gottes zuzuziehen. Die Unterdrückten begannen, für ihre Freiheit zu kämpfen. Die Mächtigen gewannen bald wieder die Oberhand. Aber das Streben nach Freiheit, auch nach Meinungs- und Gewissensfreiheit, blieb lebendig, führte der Prediger aus, "aus einem zunächst religiösen Anstoß entwickelte sich politische Reaktion."

Heute würde Luther mit seinen Worten wohl keine Revolution mehr heraufbeschwören, wohl aber wichtige Anstöße geben. Auch heute noch wird das Menschenrecht auf Freiheit immer wieder missachtet. Es sei ein Ausdruck von Freiheit, so Herrmann, dass heute viele Menschen Antworten auf die Frage nach dem Sinn des Lebens nicht mehr in der Kirche suchen. Um wieder anerkannt zu werden, erklärte Herrmann, müsse die Kirche "Gott konkret und glaubwürdig zur Sprache bringen - in Worten und in Taten."

Die Freiheit des Christen bestehe darin, seine guten Werke den Menschen zukommen zu lassen, die sie brauchen, "weil wir selbst sie vor Gott nicht brauchen". Der Anstoß Luthers könne helfen, "den Blick auf den von Gott geliebten Menschen neben uns zu richten, nicht, um Macht zu mehren, sondern um Ohnmacht zu mindern", schloss Dekan Herrmann. Vor der Festpredigt hatte die Gemeinde die ersten Strophen von "Nun freut euch" gesungen.

Gemeinsam feiern


Dekan Schötz lud die Gemeinde zum Abendmahl, um gemeinsam zu feiern, dass Gott die Menschen bedingungslos annimmt. Das Bergknappenorchester unter Leitung von Johannes Mühldorfer und der Kirchenchor der Christuskirche mit Dekanatskantor Gerd Hennecke gaben dem Festgottesdienst eine besonders feierliche musikalische Gestaltung.
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