Religionsunterricht am Beruflichen Schulzentrum vom Isalm bis zur katholischen Kirche
Kopftuch aus Überzeugung

"Einen etwas anderen Religionsunterricht" erlebten die Schüler an der Berufsschule unter Federführung von Gerhard Pöpperl (Mitte), Direktor der Diözesanstelle für Berufungspastoral; rechts im Bild Schulleiter Bernhard Kleierl, links Schülersprecher Sebastian Kunze. Bild: bba
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Sulzbach-Rosenberg
08.02.2016
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Dieses Angebot hatte großen Vorlauf. Schon im August wurden die Weichen gestellt: Vier Klassen aus dem Beruflichen Schulzentrum sammelten im Religionsunterricht vielfältige Fragen rund um Religionen: So kam eine bunte Palette von Fragen von Religionen über spezifisch den Islam bis hin zur katholischen Kirche unter dem Motto "Religion(en) - Segen oder (Ohn)macht zustande.

Oberstudiendirektor Bernhard Kleierl begrüßte den Referenten und die jungen Erwachsenen. Er freute sich auf einen etwas anderen Religionsunterricht mit interessanten Fragen. Danach gab Gerhard Pöpperl, Direktor der Diözesanstelle für Berufungspastoral, den bei der Moderation Schülersprecher Sebastian Kunze unterstützte, zunächst einen Einblick in seine eigene Vita:

Jugendliche Schwärmerei


1983 in Regensburg geboren, ging Pöpperl in Niederbayern auf das Gymnasium und hatte, durch seine Aktivitäten bei den Ministranten, intensivere Kontakte zu seiner Pfarrgemeinde. Bald tauchte die Frage auf, ob er Priester oder Pastoralreferent werden wolle und welchen Stellenwert der Wunsch hatte, eine eigene Familie zu gründen.

Eine jugendliche Schwärmerei für eine drei Jahre ältere Messdienerin motivierte Pöpperl zusätzlich zu zahlreichen, ehrenamtlichen kirchlichen Einsätzen, die ihm viele liturgische Erfahrungen brachten. Schließlich stand es für den jungen Mann fest, Priester werden zu wollen.

2009 wurde Pöpperl vom damaligen Diözesanbischof Dr. Gerhard Ludwig Müller zum Priester geweiht. In der Region ist er durch sein segensreiches Wirken als Kaplan in der Pfarrei Heilige Dreifaltigkeit in Amberg sowie als BDKJ-Stadtjugendseelsorger bekannt. Seit über drei Jahren ist Pöpperl nun als Direktor der Diözesanstelle für Berufungspastoral ebenso aktiv wie als Präfekt für das Priesterseminar sowie als Diözesankurat der Pfadfinderinnen St. Georg und im Arbeitskreis Ministranten auf Diözesanebene.

Danach stellte der Referent seinen Tagesablauf ebenso vor wie seine Hobbys - vom Schafkopfen bis zur Musik. Er erläuterte, warum er seine Entscheidung für diese Berufs- und Lebensform bejahe: "Man kann lernen, nicht jedem Bedürfnis nachzurennen und ich erlebe auch unterschiedliche Situationen und Erfahrungen, die ich als Verheirateter so nicht erleben würde. Dazu spielen natürlich die eigene Familie sowie der Freundeskreis eine ganz besondere Rolle", so der Direktor. Die Regel der Ehelosigkeit habe durchaus Sinn. Pöpperl bedauerte, dass sich manche Denkweisen auf einzelne Aspekt reduzieren würden.

"Die Entstehung der Religionen hängt mit den Grundeigenschaften des Menschen zusammen, an etwas zu glauben", blätterte Pöpperl im Fragenkatalog der Schüler. "Wenn Menschen behaupten, sie würden an gar nichts glauben, stimmt das so nicht, denn sie glauben zumindest an ihre eigenen Vorstellungen." Im Glauben sei der Mensch nicht alleine, sondern er spreche darüber und auch daraus hätten sich Religionen gegründet und entwickelt.

Die katholische Kirche sei hierarchisch strukturiert. In diesem Feld tauchten immer wieder Spannungen auf, die von Solidarität bis "Vetternwirtschaft", von Transparenz bis zu Daten- und Opferschutz reichten.

Die sogenannten Gottesbeweise seien keine "kriminalistischen Belege", wie es auch andererseits keinen Beweis dafür gebe, dass Gott nicht existiere. Pöpperl zeigte diese religiös-philosophischen Ansätze anhand der Theorie von Thomas von Aquin mit einem unbewegten Erstbeweger als Ausgangspunkt auf: Die Wissenschaften erforschten bestimmte Themen, aber außerhalb dieser eigenen Rahmen könne eine Wissenschaft nichts beweisen. So sei die Frage nach Gott keine naturwissenschaftliche Frage, ergänzte der Sprecher.

Breiten Raum nahm die Diskussion um den muslimischen Glauben ein. Der sogenannte "Islamische Staat" benutze und verwende eine Weltreligion, um sich weltliche Macht zu sichern. Diese Macht beziehe sich auf das Öl, und wenn es kein Öl mehr gebe, verschwinde der "IS". Die Übersetzungen des Koran gingen weit auseinander, so Pöpperl weiter. So werde aktuell eine Übersetzung aus dem 19. Jahrhundert für fünf Euro vertrieben.

Der Referent erläuterte den Zuhörern die Unterschiede durch seine Zitation der Suren fünf und neun: Zwei Stellen aus dem gleichen Koran sagten Gegensätzliches aus. Nun komme es darauf an, was der Mensch daraus mache. Aber auch in der Heiligen Schrift finde man durchaus große Unterschiede, denn während gerade im Alten Testament das eine oder andere "Gemetzel" vorkomme, folge später der entscheidende Auftrag, die Feinde zu lieben. Das fuße darauf, dass diese ersten Schriften aus einer Zeit stammten, die später negativ bewertet wurde.

Liberal und militant


Der Islam selbst habe verschiedene Ausrichtungen. So gebe es eine liberale Linie ebenso wie eine militante. Wichtig sei, mit Muslimen in Kontakt zu treten, denn der Dialog helfe gegen Vorurteile und auch gegen Ängste. Pöpperl zeigte die Unterschiede zwischen der Religion des Islam und dem extremistischen Islamismus auf. Dieser sei keine Bezeichnung für die Anhänger der muslimischen Religion. Der Nährboden für den Islamismus sei, wie bei jedem Extremismus, Unzufriedenheit, Arbeitslosigkeit oder eine gewisse Sinnlosigkeit in den Systemen - gepaart mit einfachsten "Schwarz-Weiß-Denkstrukturen". Das Horrorszenario eines Glaubenskrieges sei aber trotz aller Sorgen und Probleme nicht vorstellbar, so der Regensburger.

"Kopftuch als Dresscode oder Kleiderordnung?" - Wenn es freiwillig getragen werde, sei es als Ausdruck von Glaubensüberzeugung anzuerkennen. Er selbst, so Pöpperl, trage als Ausdruck seiner Überzeugung auch ein Kreuz am Revers. Das Kopftuch sei nicht nur für den Islam reserviert, und der Schleier lenke durch seine Funktion auch den Blick auf ältere Traditionen. Die räumliche Trennung zwischen Mann und Frau sei ebenfalls nicht nur aus den Moscheen bekannt.

Eigene Kirchenstiftung


Mit aktuellen Zahlen leitete der Direktor auf die Kirchensteuer über, von der 20 Prozent in soziale Einrichtungen fließe. Die schwierige Transparenz resultiere nicht nur aus der großen Zahl von 22 Millionen Katholiken, sondern auch durch das System, dass jede Pfarrei eine eigene Kirchenstiftung unterhalte. Viel Geld gehe aus der Kirchensteuer in Richtung Mitarbeiter. Die Kirche sei nach dem Staat zweitgrößter Arbeitgeber. So beschäftige alleine die Caritas fast 600 000 Menschen. "Überzeugte Christen sind die beste Werbung für die Kirchen", schloss der Referent.
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