Repaircafé in der Kritik der Elektro-Branche
Gefährliche Bastelstunde

Wir Meisterbetriebe erwarten nun schon eine Reaktion von den zuständigen Behörden und der Kommunalpolitik.
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
25.05.2016
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Wegwerfen? Denkste! Die Repaircafé-Bewegung soll sich auch in unserem Landkreis heimisch machen. Gemeinsam setzt man bei Kaffee und Kuchen Sachen aus dem Haushalt wieder instand: Textilien, Fahrräder, Möbel, aber eben auch Elektrogeräte. Doch hier schlägt die Branche jetzt Alarm: Sicherheit vor Umweltschutz!

Zugegeben, die Idee ist gut: Das Zentrum für Erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit (ZEN) bietet am Samstag, 25. Juni, in der Hängematte mit einem sogenannten Repaircafé die Möglichkeit, gemeinsam Geräte selbst instand zu setzen. Doch bei der Ankündigung in der SRZ, dass auch Elektro-Kleingeräte dazugehören, wurden die Experten hellhörig: Roland Biesler, selbst Elektro-Meister in der Herzogstadt, brachte unserer Zeitung die Bedenken der Branche näher. Er sprach auch im Namen der anderen Elektro-/IT-Unternehmen Kassevics, Teka, Erras und Best-Systeme.

Herr Biesler, was haben Sie und Ihre Kollegen sich gedacht, als Sie die Meldung lasen?

Roland Biesler: Dieses Angebot verwundert uns Fachbetriebe, die jedes Jahr sehr viel Geld in Weiterbildung und Sicherheit in ihren Betrieb stecken müssen, doch sehr. Auch ist es den Organisatoren sicher nicht bewusst, dass sie damit gefährliche Schwarzarbeit unterstützen.

Ihre Begründung?

Wir Meisterfachbetriebe müssen laufend in die Ausbildung investieren, um alle Sicherheitsvorschriften zu beachten, und nun darf eine Gruppe Reparaturen durchführen, ohne sich im Klaren zu sein, was alles passieren kann, wenn Laien an Elektrogeräten basteln. Es stellt sich hier die Frage: Was passiert bei einem Unfall oder wenn gar ein Menschenleben gefährdet wird?

Wie beurteilen Sie die Aktion?

Diese Aktion muss man als grob fahrlässig und lebensgefährlich betrachten, wenn folgende Sicherheitsaspekte nicht beachtet werden:

Wer haftet für Personen- und Sachschäden?

Werden die Geräte nur von geschultem Fachpersonal geöffnet und geschlossen ?

Werden während der Reparatur sogenannte Trenntransformatoren für die Netztrennung verwendet?

Wird das Gerät nach der Reparatur einer VDE-Prüfung unterzogen?

Werden für die Instandsetzung der Geräte nur Originalersatzteile verwendet? Wenn nicht, erlischt die Betriebserlaubnis der Geräte.

Es geht den Veranstaltern ja auch um die Umwelt.

Was den Umweltgedanken betrifft, so weisen wir unsere Kunden seit Jahrzehnten darauf hin, beim Kauf nicht nur auf den Preis zu schauen, sondern auch die Möglichkeit einer Reparatur des Gerätes zu beachten. Wer weiter denkt, kauft im Fachgeschäft vor Ort, das auch für die sichere Instandsetzung des Geräte sorgt.

Der Umweltgedanke ist den Veranstaltern hoch anzurechnen, aber die Verantwortlichen sollten sich auch im Klaren sein, dass sie damit eine Konkurrenz für die Fachbetriebe aufbauen. Wir Meisterbetriebe erwarten nun schon eine Reaktion von den zuständigen Behörden und der Kommunalpolitik.
Wir Meisterbetriebe erwarten nun schon eine Reaktion von den zuständigen Behörden und der Kommunalpolitik.Roland Biesler
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