Rosenberger Kirwaleut demonstrieren an ihren Nationalfeiertagen Selbstbewusstsein
Kräftige Boum und fesche Moila

Moritz und Charly, zwei vierjährige Percheron-Kaltblüter, zogen den Kirwabaum vom Kettelerhaus zum Rosenberger Ortszentrum.
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
04.09.2016
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Die Schwalben haben die Rosenberger Kirwaleut kürzlich der Sulzbacher Kirchweihgesellschaft geklaut und dafür reichlich Löse-Bier verlangt. Jetzt sind sie im Nachbarort pleite, und die Rosenberger "hom a nou a Geld": Das Austanzen geriet bei ihnen zeitweise zum Aussingen.

Zwei PS, die pechschwarzen Percheron-Kaltblüter Moritz und Charly, beförderten am Samstag den gut 33 Meter hohen Baum vom Kettelerhaus zum Rosenberger Kirwa-Platz. Recht viel höher dürfte er nicht sein, denn sonst käme das Gespann in Rosenberg nicht mehr um die Ecken.

Begleitet wurde der Zug der Kirwa-Leut von Bürgermeister Michael Göth, seinem Vize Günther Koller und einigen Stadträten. Einige der Burschen und Moila versteckten ihre Augen hinter mächtigen Sonnenbrillen, um die Folgen des Schlachtschüsselessens beim Kreiner in Siebeneichen zu kaschieren. Was der Wirt da an Blut- und Leberwürsten, Wammerl, Herz und Kraut aufgetischt hatte, brauchte schon seine Zeit, um weggeputzt zu werden - Gerüchten zufolge fast bis zum Sonnenaufgang.

Den Takt für den Baum-Zug gaben die Hoglbouchan vor. Ein Leckerbissen sind die Gstanzl der Kirwaleut auf jene, die daran zweifeln, dass es in Rosenberg die kräftigsten Burschen und die feschesten Moidln gibt.

Glücklich und ohne Schaden war das Wahrzeichen am Festplatz eingetroffen, und dann hieß es "Ärmel hochkrempeln", denn der Baum springt nicht von alleine in die Aussparung im Boden. Zimmerermeister Christian Weiß hat hier sei einigen Jahren das Kommando und damit auch die Verantwortung, dass das Aufstellen klappt. Reine Sicherungsarbeit leistete die Rosenberger Feuerwehr, arbeiten mussten die Burschen schon selbst. Nach dem x-ten Hauruck und gut einer Stunde stand der Baum aufrecht, wurde verkeilt, um sicher die Rosenberger Kirwa zu überstehen.

Am Sonntag galt es dann für die Burschen, ihre Moidln abzuholen, die sich bei der Rosenberger Feuerwehr, im Fischer-Bäcker und in der Hölle auf den Höhepunkt der Kirwa, das Austanzen, einstimmten. Nur widerwillig wollten sie diese Lokalitäten verlassen. Wer nicht freiwillig mitging, wurde rausgetragen. Jedenfalls eine Mordsgaudi und vor jedem Lokal spielten die Birgländer Musikanten auf, die auch das Austanzen begleiteten.

Da wurde von einem Naturschauspiel gesungen, bei dem Schwalben aus Sulzbach nach Rosenberg flogen: keine Zugvögel, sondern lange hölzerne Schwalben, die die Sulzbacher mit Bier auslösten mussten, sonst hätten sie ohne aufgestellten Baum feiern müssen. "Oh Kirwa lou niad nou" schallte es noch oft durch Rosenberg. Abends spielten dazu die Alfelder Musikanten auf.

Bei der Noukirwa sind heute wieder die Birgländer Musikanten dran, wenn die Alten den Baum austanzen. Am Dienstag kann so mancher Geldbeutel gewaschen werden, da eh nichts mehr drin ist.
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