Schrebergärtner suchen Hilfe bei Politikern
Gelebte Integration in Gefahr

In der Schrebergartenanlage "Fuchsengarten" haben sich Pächter und Besitzer kleine Paradiese geschaffen. Dieser Zustand soll so bleiben. Bilder: Royer (3)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
10.07.2016
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Auf einer Schautafel dokumentierte ein Pächter die Urbarmachung einer der verwilderten Gartenparzellen. Dass dafür enormer Arbeitseinsatz notwendig war, wurde so eindrucksvoll belegt.

Der erste Schock ist zwar vorüber, aber von Ruhe und Gelassenheit ist in den Schrebergärten unterhalb des Annabergs noch nichts zu spüren. Die Pächter sehen ihre grünen Reiche vom Verkauf durch die Immobilien Bayern bedroht. Deshalb wollen sie ein Vorkaufsrecht erwirken. Helfen sollen jetzt namhafte Mitstreiter mit Einfluss.

Nach einem ersten Treffen mit der Regionalvertretung der Immobilien Bayern vor wenigen Tagen (SRZ berichtete) formierte sich umgehend die "Pächtergemeinschaft Schrebergartenanlage Fuchsengarten am Annaberg". Neben der Abstimmung ihrer konkreten Forderung, richtete sie einen Brief an Bürgermeister Michael Göth, um ihre prekäre Situation an höchster Stelle in der Stadt kundzutun und einen starken Fürsprecher zu finden.

Im Schreiben an das Stadtoberhaupt, das der SRZ-Redaktion vorliegt, heißt es unter anderem: "Wir, die Pächtergemeinschaft der Schrebergartenanlage, möchten Sie bitten, persönlich oder mit einem Schreiben an die Immobilien Freistaat Bayern für Folgendes einzutreten: Das angestrebte Bietungsverfahren empfinden wir als höchst sozial ungerecht. Viele Pächter haben seit Jahrzehnten die Gärten in Familienbesitz und es besteht eine tief verwurzelte emotionale Bindung zu ,ihrem' Garten."

"Darüber hinaus wurden viele dieser Pachtparzellen von deutschstämmigen Spätaussiedlern nach vielen Jahren der Wildnis wieder in ansehnliche Form gebracht. Das gute Verhältnis zwischen angestammten und neuen Pächtern bedeutet für uns ein gutes Beispiel gelebter Integration. Deshalb sind die meisten Pächter bereit, ihren Garten zu kaufen."

Vorkaufsrecht einräumen


"Wir bitten die Immobilien Freistaat Bayern, das für landwirtschaftliche Flächen übliche Bietungsverfahren im Falle unserer Schrebergartenanlage zu überdenken und auszusetzen und stattdessen den Pächtern ein Vorkaufsrecht zum ortsüblichen Quadratmeterverkehrswert einzuräumen bzw. anzubieten." Mit einer beigefügten Pächter- und Interessensliste untermauerte die Pächtergemeinschaft ihr Anliegen.

Bürgermeister Michael Göth und Liegenschaftsverwalter Hans-Jürgen Winter kamen daraufhin am Freitag in die Laubenkolonie, um sich auf dem Grundstück der Familie Hausner die Sorgen der betroffenen Pächter anzuhören. Das Stadtoberhaupt machte dabei deutlich, dass er umgehend an den bayerischen Finanzstaatssekretär Albert Füracker in der Landeshauptstadt schreiben werde, um in Sachen Vorkaufsrecht für die betroffenen Gartenfreunde Positives zu erreichen. "Wir werden auf der politischen Schiene alles versuchen, auch mit Hilfe unserer zuständigen Stimmkreisabgeordneten und mit Unterstützung von Landrat Richard Reisinger", betonte der Bürgermeister. Göth will zusätzlich im Ratsgremium weitere Optionen für die Stadt beim angedachten Verkauf durch die Immo Bayern ausloten lassen. SPD-Stadtrat Hermann Völlger sicherte die Unterstützung aller Fraktionen im Rathaus zu.

Echtes Vorbild


Eindringlich mahnten die Pächter der Schrebergärten abschließend, dass es hier um Menschen gehe, denen ihre kleinen grünen Flecken sehr ans Herz gewachsen sind. Darüber hinaus sei das gute Verhältnis zwischen angestammten Pächtern und hinzugekommenen deutschstämmigen Spätaussiedlern in diesem Bereich ein echtes Vorbild von gelebter Integration, das man durch Verkauf an den Höchstbietenden hier ernsthaft in Gefahr sehe.
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