Schwester Gerlinde Fuchs arbeitete 34 Jahre als Missionarin in Japan
Die Missionarin und Fukushima

Die japanische Kultur begleitete die gebürtige Rosenbergerin in ihre Heimat. In ihrem Schlafzimmer hängt ein Bild mit Pinselschrift. Gerlinde Fuchs ließ sich zur Lehrerin für dieses Handwerk ausbilden.
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Sulzbach-Rosenberg
08.03.2016
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Schwester Gerlinde Fuchs war für den Bau einer Kirche verantwortlich - eine große Herausforderung.

Als Schwester Gerlinde Fuchs in der Silvesternacht 1980/81 aus dem Flugzeug stieg, fand sie sich in einer anderen Welt wieder. Eine neue Sprache, eine fremde Kultur. 34 Jahre in Japan folgten, in denen sie Menschen missionierte und Gemeinden gründete. Auch in Situationen, in denen sie um ihr Leben fürchtete, blieb Fuchs an deren Seite.

Schwester Gerlinde Fuchs traf im Alter von 32 Jahren eine Entscheidung, die ihr Leben grundlegend verändern sollte. 1981 flog sie nach Japan, um dort Missionsarbeit für die evangelisch-lutherische Kirche zu leisten. 34 Jahre später kehrt sie nun in ihre Heimat Sulzbach-Rosenberg zurück. "Das war am Anfang ein kleiner Kulturschock, als ich wieder hier war", erinnert sich Fuchs und lächelt.

"Kurz nach meiner Ankunft bin ich tanken gefahren. In Japan kommt ein Angestellter und füllt Benzin ein, kassiert dann gleich - in der Zwischenzeit putzt ein anderer die Scheiben." Also blieb Fuchs an der Tankstelle in Rosenberg in ihrem Auto sitzen und wunderte sich, warum niemand kommt, um für sie zu tanken. Irgendwann habe sie die lange Schlange hinter sich an der Zapfsäule bemerkt. "Ein Mann stieg aus und fragte mich, ob ich vom Mond komme. Da habe ich gemerkt, dass es hier anders läuft. Ich habe ihn angelächelt und gesagt, nicht ganz vom Mond, aber fast."

Fuchs fasste schon früh den Entschluss, ihr Leben Gott zu widmen und Diakonisse zu werden. "Der Auslöser war mein Konfirmationsspruch ,Wer mir dienen will, der folge mir nach und wo ich bin, da soll mein Diener auch sein'", betont die gebürtige Sulzbach-Rosenbergerin. Schon während ihrer Ausbildung zur Missionarin wusste Schwester Gerlinde Fuchs, wohin sie ihre Arbeit führen würde. "Japan ist eines der Länder, das als am wenigsten missioniert gilt." Der Ferne Osten war Fuchs zu diesem Zeitpunkt völlig unbekannt. "Doch ich habe gewusst, dass Gott will, dass ich nach Japan gehe, also habe ich es gemacht."

"Alles hat eine Seele"


Bevor sich Fuchs ihren missionarischen Tätigkeiten widmen konnte, hieß es für sie "Japanisch pauken". Zwei Jahre lang lernte sie im Fernen Osten Buchstaben, Grammatik und Aussprache. "Wenn man 1200 Schriftzeichen kann, kann man eine Zeitung lesen. Um die Bibel zu verstehen, braucht man 32 000 Zeichen - die konnte ich am Ende." Auch kulturelle Gewohnheiten musste Fuchs erst lernen. "In Japan gibt es zwei Hauptreligionen - den Shintoismus und den Buddhismus. Die Menschen glauben, dass alles eine Seele hat, auch Gegenstände."

So werde beispielsweise eine Nähnadel nicht einfach weggeworfen, sondern in einen Shintu-Tempel gebracht und in warmen Tofu gesteckt - "damit sie sich von den Strapazen der vergangenen Jahre erholen kann". Gewohnheiten, die Fuchs ihre Arbeit als Missionarin oft erschwerten. "Japaner glauben an mehrere Götter. Es ist sehr schwer, ihnen begreiflich zu machen, dass es im Christentum nur einen gibt. Dabei war uns wichtig, dass wir ihnen zwar unseren Glauben vermitteln, sie aber ihre Kultur beibehalten können." Auf der Insel Shiroku, nahe Tokio und am Rande der Stadt Osaka, gründete sie Gemeinden, in denen Menschen der christliche Glaube gelehrt werden sollte. Oft wurde die Missionierung nicht oder nur kaum angenommen. "Das ist verständlich. Wenn in Rosenberg eine Moschee gebaut wird, würden wir auch nicht hingehen - weil es etwas Fremdes ist."

Deshalb begann Fuchs, an einer kleinen Volkshochschule Deutsch und Englisch zu unterrichten und Backkurse anzubieten. "Nach jedem Kurs gab es eine kurze christliche Andacht. So kamen sie in Kontakt mit dem Glauben." Nach einem Jahr begannen die Messen - die Gemeinden wuchsen. "Sobald eine Gemeinschaft groß genug war, übergaben wir sie an einen japanischen Pfarrer und zogen weiter", erklärt die Missionarin.

Eine Herausforderung sei der Kirchenbau gewesen, für den die Rosenbergerin alleine verantwortlich war. "Ich habe der Mission den Bau vorgeschlagen, sie hat zugestimmt - mit der Voraussetzung, dass keine Schulden entstehen." Die Suche nach einem Grundstück sei schwierig gewesen - auch das Verwalten der Spendengelder. "Ich kannte bestimmte Fachbegriffe der Bauarbeiter nicht. Aber da wusste ich mir zu helfen", lacht Fuchs und holt ein Smartphone aus ihrer Tasche. "Darauf habe ich mir ein Wörterbuch installiert."

Gewisse Dinge fehlten


Fuchs faszinierte die japanische Kultur, das Essen und die Menschen. Die Entscheidung, nach Japan zu gehen, würde sie immer wieder treffen. "Es war absolut erfüllend, zu sehen, dass man Menschen den Glauben an Gott vermittelt hat. Dafür habe ich das alles gemacht." Doch gewisse Dinge aus ihrer Heimat fehlten ihr in Japan: "Schweinebraten und Kartoffelknödel. Und Schwarzbrot - das gibt es in Japan nicht", lacht die Missionarin. "Das hatte ich immer nur, wenn ich alle fünf Jahre die Heimat besuchte."

Heute lebt sie in einem Haus mit ihrem Bruder, der Schwägerin und ihrer Mutter. "Sie hat mich immer bei meinen Entscheidungen unterstützt. Nun geht sie auf die 90 zu und ich kann ihr helfen und ihr etwas zurückgeben. Dafür bin ich sehr dankbar." Seit Februar leitet sie zudem einen Seniorenkreis in Wöhrd bei Nürnberg.

Der Weg zur MissionarinNach ihrem Schulabschluss trat Schwester Gerlinde Fuchs in das Evangelisch-Lutherische Diakonissen-Mutterhaus in Gunzenhausen ein und absolvierte eine zweijährige Ausbildung zur Diakonisse. "Danach studierte ich, um als Erzieherin arbeiten zu können." Zehn Jahre war sie in diversen Kindergärten sowie in der Jugendschar- und Jugendarbeit tätig. Dann erhielt sie die Möglichkeit, sich im Bibelseminar Marburg zur Missionarin ausbilden zu lassen. "Ich belegte unter anderem Kurse an der Missionsakademie Korntal und an der Wiliam-Carray-Universität in Los Angeles - das waren gute Erfahrungen." (juh)
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