Sechs Monate Bewährung für 20-jährigen Herzogstädter
Von früheren Einsätzen bekannt

Symbolbild. (Foto: dpa)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
21.11.2016
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Amberg/Sulzbach-Rosenberg. Es regnete, und der Uhrzeiger rückte auf die fünfte Morgenstunde vor. Über Notruf erfuhr die Polizei von einem Raubüberfall und hörte ferner, dass vier Männer nicht gerade zimperlich mit ihrem Opfer umgesprungen seien. Daraufhin gab es einen größeren Einsatz.

"Mir kam das alles von Beginn an sehr merkwürdig vor", berichtete ein Uniformierter als Zeuge dem Jugendschöffengericht in Amberg. Als die alarmierte Funkstreifenbesatzung auf dem Sulzbach-Rosenberger Luitpoldplatz eintraf, stand bereits ein Rettungswagen da. Dort befand sich der angeblich bei einem Raubüberfall übel misshandelte junge Mann. Damals 19 Jahre alt, den Ordnungshütern bekannt von früheren Einsätzen. Er selbst hatte die Alarmmeldung abgesetzt. Das vermeintliche Opfer schilderte eine heftige Story: von vier Tätern angegriffen, zu Boden gebracht und seiner Geldbörse beraubt. Die Polizisten hakten nach, bekamen zunächst eine Bestätigung und einige Zeit später das von ihnen eigentlich schon erwartete Dementi.

Doch da war es zu spät für den 19-Jährigen. Er wurde wegen Vortäuschung einer Straftat angezeigt. "Warum erfindet man so etwas?", fragte der Schöffengerichts-Vorsitzende Peter Jung und hörte: "Kann ich mir selbst nicht erklären." Aus den Akten wusste Jung, dass der Arbeitslose von seiner Mutter wohl Geld erhalten hatte und es in dieser Novembernacht letzten Jahres buchstäblich versoff. Das, rückte der Angeklagte frühere Angaben zurecht, sei wohl so nicht der Fall gewesen. Also blieb der eigentliche Grund für die Falschalarmierung im Prozess offen. Gewiss war allerdings: Der heute 20-Jährige, mit fünf Vorstrafen vor die Richter geladen, hat ein latentes Alkoholproblem. Er selbst räumte es ein, legte zudem ein Geständnis ab und ließ erkennen, dass er mit einer vom Gericht angeordneten Entzugsmaßnahme durchaus einverstanden wäre.

100 Arbeitsstunden


In ihrem Plädoyer wog Staatsanwältin Jennifer Jäger sorgsam ab. Sie lenkte einerseits den Blick auf die Vorstrafenliste, zog aber andererseits auch die Alkoholabhängigkeit in Betracht. Die Anklagevertreterin beantragte sechs Monate Haft zur Bewährung, 100 für die Allgemeinheit zu leistende Arbeitsstunden und die Weisung, in eine Therapie zu gehen. Verteidiger Werner Greißinger hielt die Verhängung sogenannter Zuchtmittel für ausreichend. Auflagen in Richtung Alkoholabstinenz erschienen auch ihm angebracht.

UrteilDas Jugendschöffengericht verhängte ein halbes Jahr Haft mit Bewährung, unterstellte den jungen Mann einem Bewährungshelfer, schickte ihn zu 80 unentgeltlichen Arbeitsstunden und in eine Alkoholtherapie. "Sie müssen da etwas tun", empfahl Richter Jung dringend, nachdem er vernommen hatte, dass Bemühungen um eine Berufslaufbahn bisher stets am Alkohol gescheitert waren. (hwo)
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