Seit 1. März Alkoholverbot im Rohrwerk Maxhütte
Letztes Seidel ausgetrunken

Brotzeitplatz im Werk Rosenberg der Maxhütte um 1960. Weil der Bierkonsum verboten werden sollte, kam es am 3. März 1960 zum Streik.
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
04.03.2016
1340
0
 
Mit den sogenannten "Maoußflaschen" waren die Bierholer in der Hütte unterwegs. Die Befestigung an Lederriemen ermöglichte einen effektiveren Transport zu den Hitzearbeitern, die einen Flüssigkeitsbedarf von sechs bis sieben Litern pro Schicht hatten. Bilder: Archiv/Stadtmuseum (2)

"Wenn wir kein Bier mehr im Betrieb trinken dürfen, dann wird gestreikt!" Auf dieser nüchternen Formel fußte am 3. März 1960 eine wilde Arbeitsniederlegung in der Maxhütte - die als Bierstreik in die Geschichte einging. Erinnert wird man daran aktuell durch eine Betriebsvereinbarung im Rohrwerk: Dort gilt seit 1. März ein Alkoholverbot, das durchaus gemischt aufgenommen wird.

Während es vor 56 Jahren um eine Beschränkung des Bierkonsums im Eisenwerk auf einen halben Liter pro Mitarbeiter und Schicht ging, muss im Rohrwerk Maxhütte künftig gänzlich auf Alkohol und demnach auch auf Gerstensaft verzichtet werden. Dieser in der Streikgeschichte einmalige Vorgang zog sich damals über zwei Tage hin. Diesem Ereignis widmete das Stadtmuseum eine Sonderausstellung.

Beim Alkoholverbot im Rohrwerk geht es aber nicht alleine um das Bier als gewichtigen Teil der oberpfälzischen Stahlarbeiterkultur, sondern um generell alle alkoholhaltigen Getränke. Wie Norbert Scharf als stellvertretender Betriebsratsvorsitzender erklärte, hätte man sich nach mehrmonatigen Verhandlungen mit der Geschäftsführung auf die nun seit Dienstag geltende Betriebsvereinbarung geeinigt.

Gründe dafür seien wie in vielen anderen Betrieben auch in erster Linie in der Arbeitssicherheit zu sehen, aber genauso hätten Kundenwünsche zum Unternehmens-Audit im Raum gestanden. "Mir ist seit Jahren im Rohrwerk kein Arbeitsunfall bekannt, der auf Alkoholkonsum zurückzuführen war", so Scharf, der ergänzt, dass es im Rohrwerk schon immer Richtlinien gegeben habe, die beispielsweise das Führen von Maschinen in alkoholisiertem Zustand untersagten. "Das ist alles ganz klar geregelt."

Andere Probleme


Wie der Arbeitnehmervertreter weiter informierte, sei sehr lange über verschiedene Vertragsinhalte verhandelt worden. Schließlich hätte ein Einigungsstellenverfahren den Abschluss möglich gemacht. Obwohl die Belegschaft das Verbot unterschiedlich aufnehme, sei ein Streik wie im Jahr 1960 ausgeschlossen.

"Das Rohrwerk hat momentan ganz andere Probleme", reagiert Norbert Scharf auf SRZ-Nachfrage. Wie in jeder Belegschaft gibt es völlige Abstinenzler, oder Kollegen, die Wert auf ein Brotzeit-Seidel legen. Bei Suchtkranken müssten natürlich andere Maßnahmen gelten. Hier bestehe auch vom Betrieb her eine gewisse Fürsorgepflicht. Deshalb solle die Vereinbarung zu einem späteren Zeitpunkt um entsprechende Passagen ergänzt werden. Der Betriebsrat denkt hier unter anderem an die Möglichkeit, für Betroffene Hilfs- und Förderprogramme anzubieten.

Paroli geboten


Wie der Bierstreik zeigte, hätten die Stahlkocher solchem Ansinnen zur besten Maxhütten-Blüte vehement Paroli geboten. Wie der frühere Arbeitsdirektor Manfred Leiss im Büchlein "Der Bierstreik in der Maxhütte 1960" (Band 26 der Schriftenreihe des Stadtmuseums) erwähnt, war der Streik "die Reaktion auf ein berechtigtes Bemühen der Unternehmensleitung, den Bierkonsum im Werk wegen nachgewiesener Arbeits- und Wegunfälle einzuschränken oder zu untersagen".

In der Vorgeschichte der Streikereignisse gab es arbeitsmedizinische Untersuchungen, die belegten, dass 20 Prozent der Hitze-Arbeiter im Werk Haidhof nach Beendigung der Schicht einen erhöhten Blutalkoholgehalt aufwiesen. In Rosenberg trank im Jahr 1956/57 ein MH-Arbeiter pro Monat 17,16 Liter Bier, im Werk Haidhof sogar 33,10 Liter. Dies hatte natürlich Auswirkungen auf die Unfallzahlen in beiden Werken.

Das Alkoholverbot im Rohrwerk wird sicher keinen Streik zur Folge haben, aber beim Thema Bier schwingt aufgrund der Traditionen und Ereignisse im Jahr 1960 immer etwas Nostalgie mit. Jetzt ist das Thema auch im letzten verbliebenen Maxhütten-Betrieb endgültig passé.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.