Sonderausstellung in Synagoge
Große Ehre für die Torarolle

Ein wertvolles Stück ist die Torarolle, die einst in der Sulzbacher Synagoge war und im Jahr 1793 geweiht wurde. Für eine Sonderausstellung kehrt sie am Sonntag, 17. April, dorthin zurück. Gezeigt wird sie ein Jahr lang, ehe sie dann dauerhaft in einer eigenen Vitrine in der israelitischen Kultusgemeinde in Amberg aufbewahrt wird. Bild: Steinbacher
 
Doron Burstein.
 
Ezra Meyer.

Die jüdische Gemeinde in Sulzbach war einst eine bedeutende. Vor 350 Jahren wurde sie gegründet. Dies wird gebührend gefeiert, mit einer Sonderausstellung in Sulzbach-Rosenberg und einem abendlichen Konzert mit synagogaler Musik im Gemeindesaal in Amberg.

Amberg/Sulzbach-Rosenberg. Eine historische Torarolle, die auf wundersame Weise sowohl den großen Brand der Synagoge in Sulzbach als auch die Reichspogromnacht und den Zweiten Weltkrieg in Amberg unbeschadet überstanden hat, steht am Sonntag, 17. April, im Mittelpunkt. Rabbiner Elias Dray hatte in der Amberger Synagoge diese Torarolle, die aus dem Jahr 1792/93 stammt und für die Sulzbacher Synagoge geschrieben wurde, wiederentdeckt. Er wollte sie eigentlich restaurieren lassen und nahm sie deshalb im vergangenen Jahr nach Israel mit. Ein Sofer, wie der Tora-Schreiber genannt wird, begutachtete das wertvolle Stück und ermittelte die Kosten für eine Restaurierung: rund 40 000 bis 50 000 Euro.

Angesichts dieser Summe entschied sich die israelitische Kultusgemeinde in Amberg gegen das Vorhaben. Stattdessen soll die Rolle künftig in einer Vitrine präsentiert werden. Doch zunächst einmal geht sie auf Reise - kehrt dorthin zurück, wo sie ursprünglich herkommt. In der ehemaligen Sulzbacher Synagoge, die inzwischen ein Museum ist, wird am Sonntag, 17. April, um 13.30 Uhr die ihr gewidmete Sonderausstellung eröffnet. Zuvor werden Mitglieder der israelitischen Kultusgemeinde Amberg die Torarolle in die Nachbarstadt bringen. Beim Festakt geht Rabbiner Elias Dray auf die Bedeutung der Tora im Judentum ein, ehe Professor Dr. Michael Brenner aus München den Festvortrag über jüdisches Leben in der Oberpfalz hält.

Halbes Jahr in den USA


Rabbiner Elias Dray und Johannes Hartmann, der das Stadtarchiv Sulzbach-Rosenberg leitet, freuen sich, dass sie Brenner, Lehrstuhlinhaber für jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München (Fakultät für Geschichts- und Kunstwissenschaften), gewinnen konnten. Der gebürtige Weidener war erst für ein halbes Jahr in den USA, erklärt Hartmann. Besagte Torarolle ist nicht nur ob ihres Alters (normalerweise werden nicht mehr brauchbare religiöse Schriften auf einem jüdischen Friedhof bestattet) eine Rarität. Eine weitere Besonderheit ist ihre Beschriftung ("Sulzbach" und die hebräische Jahreszahl 5553). "Viele Torarollen sind nicht groß beschriftet", sagt Rabbiner Drey.

Ein wertvolles Kulturgut


Er weiß um die geschichtliche Bedeutung dieses Stücks. "Für die Torarolle ist es eine Ehre, ausgestellt zu werden." Ein Jahr lang soll sie in der ehemaligen Sulzbacher Synagoge zu sehen sein. Danach wird sie nach Amberg zurückkehren und in der israelitischen Kultusgemeinde eine eigene Vitrine bekommen. Dray bezeichnet sie als wichtiges Kulturgut.

Die Tora, auch Pentateuch genannt, beinhaltet die fünf Bücher Mose. Sie wird vom Sofer mit Gänsekiel und Tinte auf endlos zusammengenähtem Pergament, der Haut eines koscheren Tieres, geschrieben. Gelesen wird aus der Tora samstags, montags und donnerstags sowie an hohen Feiertagen, erläutert der Amberger Rabbiner. Er vergleicht es mit dem Wasser. "Ein Mensch, der drei Tage kein Wasser trinkt, verdurstet. Deshalb soll man alle drei Tage aus der Tora lesen." (Im Blickpunkt)

Die jüdische Gemeinde und die zweimalige Rettung der TorarolleVor 350 Jahren wurde die ehemalige jüdische Gemeinde in Sulzbach gegründet. Die erste jüdische Familie, die sich in der Stadt ansiedelte, war die von Feustel Bloch, der aus Neuhaus an der Pegnitz zuzog. "Vorher waren Juden als Händler und auf der Durchreise gekommen", erklärt Johannes Hartmann vom Stadtarchiv Sulzbach-Rosenberg.

Der sogenannte Schutzbrief für Feustel Bloch datiert vom 9. Februar 1666, ausgestellt vom damaligen Sulzbacher Fürsten, Herzog Christian August. Der Schutzbrief besagte laut Hartmann, dass Feustel Bloch die Erlaubnis bekam, ein Haus zu kaufen und Handel zu betreiben. 20 Jahre später bekam auch die jüdische Gemeinde diesen Schutzbrief. Dadurch wurde ihr das Recht verliehen, ihre Religion auszuüben und ihre Riten zu pflegen. Die jüdische Gemeinde in Sulzbach genoss ein hohes Ansehen, vor allem auch durch die in der Stadt befindliche weltweit berühmte hebräische Druckerei. Dort wurde das Hauptgebetbuch für Juden in ganz Europa gedruckt. Nach Aussage des Amberger Rabbiners Elias Dray gibt es heute noch jüdische Familien, die ein Buch aus Sulzbach besitzen.

Um 1800 erreichte die jüdische Gemeinde den Höchststand ihrer Mitglieder (70 Familien mit etwa 350 Personen). Später dann wanderten viele in größere Städte ab, einige auch nach Amerika aus. 1933 gab es nach Angaben von Stadtarchivar Johannes Hartmann noch eine jüdische Familie in der Stadt. Eine wertvolle Torarolle, auf der "Sulzbach" und die hebräische Jahreszahl "5553" vermerkt sind, wurde nach christlicher Zeitrechnung im Jahre 1793 geweiht. Sie überstand den großen Sulzbacher Stadtbrand von 1822 unbeschadet und kam nach Auflösung der dortigen Gemeinde nach Amberg.

Vor der Reichspogromnacht hatte der damalige Rabbiner Leopold Godlewsky die Rolle und andere jüdische Ritualgegenstände ins Heimatmuseum (Klösterl) gebracht. Dort waren die Sachen während des Krieges versteckt - und kamen nach Einmarsch der Amerikaner zurück zur jüdischen Gemeinde. (san)

Synagogale Musik im Gemeindesaal

Amberg/Sulzbach-Rosenberg. (san) Exzellente jüdische Musiker werden am Sonntag, 17. April, in die Region kommen: Kantor Ezra Meyer und Pianist Doron Burstein. Zunächst begleiten sie die Eröffnung der Sonderausstellung Torarolle in der ehemaligen Synagoge in Sulzbach-Rosenberg, am Abend geben sie dann ein Konzert im Saal der israelitischen Kultusgemeinde in Amberg.

Der Kantor

Ezra Meyer (Jahrgang 1985) wurde nach Angaben von Rabbiner Elias Dray in Petach-Tikva (Israel) geboren. Sein musikalisches Talent trat sehr früh zutage. Mit 18 schrieb er sich am Tel Aviv Cantorial Institute ein, das der weltbekannte Kantor Naftali Hershtick leitet. Seit 2004 trat Meyer mit verschiedenen Kantoral-Ensembles auf - unter anderem in der großen Synagoge von Jerusalem, in St. John's Wood Synagogue in London und in der größten Synagoge von Moskau. Von 2008 bis 2015 war er Kantor in der Hauptsynagoge München an den hohen Feiertagen und abwechselnd an Schabbat durch das Jahr hindurch.

Der Pianist

Doron Burstein (Jahrgang 1972) kam ebenfalls in Petach-Tikva zur Welt. Er hatte jahrelang Klavierunterricht und besuchte ein Kunstgymnasium, ehe er an der Rubin-Musik-Akademie der Universität Tel Aviv studierte und seinen Abschluss in Komposition und Dirigieren machte. Seit 16 Jahren lebt er als freischaffender Musiker in Berlin. Er dirigiert und komponiert, gibt Solo-Konzerte als Pianist, tritt aber auch mit anderen Künstlern, darunter weltberühmten Kantoren, auf.

Karten und Erlös

Karten für das Konzert, das um 19 Uhr im Saal der israelitischen Kultusgemeinde beginnt, gibt es für zehn Euro im Vorverkauf (Amberg: Tourist-Information, Reisebüro im Bahnhof, Reisebüro Sonnenklar; Sulzbach-Rosenberg: Buchhandlungen Volkert und Dorner, Tourismusbüro; Freudenberg: Firma Schißlbauer; Hirschau: Reisebüro am Markt) und an der Abendkasse für zwölf Euro. Mit dem Erlös sollen laut des Rabbiners Elias Dray Flüchtlinge unterstützt werden. Deshalb wird das Geld der Amberger Tafel gespendet. Den Auftritt sponsert der Zentralrat der Juden in Deutschland. Dessen Anliegen ist, die Gemeinden kulturell zu stärken. Deshalb dürften die israelitischen Kultusgemeinden zwei Musikgruppen pro Jahr frei buchen.
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