Stadtrat erteilt Einvernehmen zur Bleischmelzanlage
Vertrauen auf korrekte Behörden

Diemut Aures (rechts) und Michaela Seitz informierten den Stadtrat über das immissionsschutzrechtliche Verfahren. Bild: Gebhardt
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
28.07.2016
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Das Publikumsinteresse war groß, entsprechend gespannt blickten alle der Vorstellung der geplanten Bleischmelzanlage bei der Ruag im Stadtrat und der Entscheidung zum gemeindlichen Einvernehmen entgegen. Regierungsdirektorin Diemut Aures und Oberinspektorin Michaela Seitz vom Immissionsschutz beim Landratsamt informierten zunächst umfassend über die technischen Daten (siehe Info-Kasten), dann zum weiteren Verfahrensablauf. Als nächster Schritt wird die Öffentlichkeitsbeteiligung eingeleitet. Es folgt die Auslegung der Unterlagen und des geplanten öffentlichen Erörterungstermins, vermutlich im September. Dort werden alle Einwendungen behandelt.

Während die Grünen durch Karl-Heinz Herbst erklärten, dass diese Anlage nicht in das Wohngebiet passe, setzte die CSU mit Dr. Stefan Morgenschweis Vertrauen ins Landratsamt. Der FWU stieß der Maximalwert von 20 Tonnen täglich sauer auf, nachdem zuvor nur von vier die Rede war - es herrsche geteilte Meinung in der Fraktion, meinte Peter Bruckner.

Die Stadträte lobten durch die Bank das korrekte Verfahren, hatten aber technische Fragen. Schließlich erhielt Bereichsleiter Eckart Schäff vom Hauptsitz in Fürth das Wort. Er bestätigte, dass das Blei auf 450 Grad erwärmt würde, ohne "Kochen". Die geplante Anlage stehe in dreifacher Ausfertigung in Stadeln, wo seit 100 Jahren Bleidraht hergestellt würde.

Auf die Anfragen aus dem Gremium versicherte er, dass die Abluft stets weit unter dem Grenzwert liege, es regelmäßige Bodenproben und Blutuntersuchungen der Mitarbeiter gebe und noch nie etwas Besorgniserregendes festgestellt worden sei. Die Filter würden vorschriftsmäßig überprüft und gewartet. Das Werk in Sulzbach-Rosenberg, das höchstwertige Luftgewehrkugeln auch für die Olympia-Mannschaft herstelle, habe bisher den Bleidraht in riesigen Spulen angeliefert bekommen. Durch die Verarbeitung der kleineren Barren vor Ort sänken nicht nur die Lkw-Fahrten, sondern auch die Kosten. Die Maximal-Kapazität von 20 Tonnen täglich werde nie ausgereizt, "es wird bei rund vier Tonnen bleiben".

Den Umzug in ein Industriegebiet schloss Schäff aus Kostengründen aus. Könnte die Anlage nicht realisiert werden, antwortete er auf eine Frage, stünden die rund 40 Arbeitsplätze in Sulzbach-Rosenberg zur Disposition: "Wir können nur hier die Qualität machen, die keiner unserer Mitbewerber erreicht."

Dr. Thomas Steiner (SPD) sprach sich gegen eine Ablehnung aus populistischen Gründen aus. Bürgermeister Michael Göth kündigte eine zusätzliche öffentliche Info-Veranstaltung Ende August mit Ruag, Landratsamt, Stadt etc. an. Gegen acht Stimmen erteilte der Stadtrat das gemeindliche Einvernehmen.

Beschreibung der AnlageBei der geplanten Bleischmelzanlage handelt es sich um ein immissionsschutzrechtlich genehmigungspflichtiges Projekt, das aus folgenden Komponenten besteht:

2 Beschickungsvorrichtungen

2 Schmelzöfen

Ringabsaugungssystem

Stranggießmaschine

Strangpresse

Kühlwasserrückkühlanlage

Spuler

Temperöfen

Die Anlage dient der Herstellung von Bleidraht zur Fertigung von Projektilen. Angelieferte Bleibarren werden durch automatische Beschickungsvorrichtungen in die elektrischen Schmelzöfen eingebracht und aufgeschmolzen. Die Abluft wird per Ringabsaugung erfasst und in den Ablaufkamin geführt. Die Schmelze kommt über Metallpumpen in die Stranggießmaschine, wo man mit wassergekühlten Kokillen zylindrische Blöcke herstellt, die eine hydraulische Strangpresse zu Bleidraht formt. Dieser wird auf einen Spuler gewickelt. Die maximale Leistung beträgt 20 Tonnen pro Tag. (ge)
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