Stadtwerke investieren in neue Leitungen
Die Fließrichtung stimmt

Die Stadtwerke betreiben auch die beiden Photovoltaik-Anlagen auf Turnhalle und Westflügel der Pestalozzi-Schule. Der Strom wird gleich vor Ort verbraucht. Bilder: Gebhardt (2)
 
Werkleiter Roland Kraus (links) und sein Vertreter Armin Wolf investieren nicht nur, sondern bauen auch Altschulden ab.

Wenn bei ihnen etwas nicht passt, dann wird es nass: Verlieren die Stadtwerke Wasser bei einem Rohrbruch, fällt das sofort auf. Nur wenige Leute wissen allerdings um die anderen Geschäftsfelder des städtischen Betriebes. Im Wirtschaftsplan stellten die Verantwortlichen ihre Zahlen dem Werkausschuss des Stadtrats vor. Sie brauchen sich nicht zu verstecken.

Wie viel Trinkwasser wird gefördert, wie viel verkauft, was geht verloren und wie ist die Qualität? Das sind die Fragen, die die Stadträte interessieren, ebenso die finanzielle Seite des Betriebs. Werkleiter Roland Kraus und sein Vertreter Armin Wolf stellten auch der SRZ die aktuellen Zahlen vor (siehe Info-Kasten).

Investitionen stehen fest


Sie ruhen sich aber nicht auf ihren Lorbeeren aus. Stetig wird das rund 200 Kilometer lange Hauptleitungsnetz der Stadt erneuert, gewartet und erweitert, dafür sind alleine in diesem Jahr rund 470 000 Euro vorgesehen. Roland Kraus weiß auch schon, wo: "Neue Anlagen gibt es in Kauerhof im Gewerbegebiet, in Siebeneichen im Neubaugebiet, am Erlheimer Weg beim Brücken-Projekt, in der Hans-Böckler- und Franz-Fischer-Straße. Dort verlegen wir neue Leitungen, die teils alte ersetzen".

Unterhaltsmaßnahmen kündigte Armin Wolf an für die Schlesier- und Vollmarstraße, die Oberschwaig- sowie die Jahnstraße zwischen Verkehrsinsel und TuS-Stadiontor. Insgesamt verbauen die Stadtwerke 2016 rund 2000 Meter neue Leitungen, die aus blauen PE-HT-Rohren mit zehn Zentimeter Durchmesser bestehen. Nach den Osterferien geht es los, damit im Sommer die Asphaltdecken die Straßen wieder schließen können. Die Rohre verlegen die Werke in Eigenregie, lediglich Erdarbeiten werden ausgeschrieben.

Bis auf die Frühlingstraße sei die Innenstadt wassertechnisch inzwischen gut aufgestellt, betont Roland Kraus. "Aber es müssen alle Stadtteile gleichberechtigt behandelt werden." Die Kosten für all diese Erhaltungs- und Neubaumaßnahmen sind übrigens im Haushalt eingeplant, belasten die Kunden also nicht zusätzlich.

Die Wasserverluste beliefen sich im vergangenen Jahr auf rund 5,72 Prozent - ist das zu viel? Auf keinen Fall, meinen die beiden Werkleiter, denn alles unter dem Wert von zehn Prozent ist offiziell als gering einzustufen. Ein rechnerischer Verlust von 82 000 Kubikmetern hört sich zunächst dramatisch an, doch es sind darin der Eigenverbrauch von 6500 Kubikmetern (Spülungen, Rohrbrüche etc.) sowie der scheinbare Wasserverlust durch die Toleranz der Wasserzähler von knapp 15 000 Kubikmetern enthalten. Das Rohrnetz selber ist dicht.

Wo kommt das Geld her?


Aber mit dem Wasser darf kein Geld verdient werden. Wie halten die Stadtwerke ihren Betrieb, zu dem ja auch der Zuschussbetrieb Schlossgarage gehört, das Jahr über finanziell aufrecht? "Durch die Nebengeschäfte!", erläutern Roland Kraus und Armin Wolf. Das ist zum einen die Wartung der Fernwärmeleitung für die Firma Danpower, aber auch die Buchführung für alle städtischen Beteiligungen, die honoriert wird.

Nicht vergessen wollen beide das Engagement auf dem Sektor der Photovoltaik: Neben den beiden Anlagen auf der Pestalozzi-Schule und der Sporthalle mit ihrem eigenen Dach, die vornehmlich der Eigenstrom-Erzeugung dienen, planen die Stadtwerke heuer zwei zusätzliche: Auf dem Dach der Jahnschule (22,3 KwP) und auf dem Betriebsgebäude des Bauhofs (9,85 KwP). Auch hier soll der Selbstverbrauch im Mittelpunkt stehen. 53 000 Euro sind für beide Projekte eingeplant, in rund zehn Jahren könnten sie sich amortisiert haben.

Rund 10 000 Euro Verlust


Wie sieht es also finanziell aus am Ende des Jahres? Der Wirtschaftsplan umfasst Einnahmen in Höhe von rund 1,9 Millionen Euro, aber auch Ausgaben in ähnlicher Größenordnung. Unterm Strich werden heuer rund 10 000 Euro Verlust erwartet, das ist durchaus realistisch. Allerdings sind im Wirtschaftsplan schon 180 000 Euro netto als Schuldentilgung eingeplant - auch ein positiver Aspekt. Der kleine Konzern funktioniert also und lässt sich das Wasser nicht abgraben. Dann sitzt die Stadt nicht so schnell auf dem Trockenen.

Wasserstatistik 2015Gewinnung in Kubikmeter

Haselgraben Brunnen I 41 467 Brunnen II 493 287 Brunnen III 37 408 Breitenbrunn Brunnen IV 491 458 Fremdbezug 0 Gesamt 1 063 620

(Vorjahr 994 646)

Nutzbare Abgabe

Allgemeine Haushalte 666 046 Industrie und Gewerbe 200 477 Öffentliche Zwecke 96 653 Städtische Grundstücke 6 365 Bäder 11 984 Nutzbare Abgabe 2015 981 525 Erlös Wasser 1 224 098,55 Erlös Grundgebühr 265 553, 39 Erlös gesamt 1 489 651,94


Garage bleibt offenDie Schlossgarage, immer noch mit Rest-Krediten belastet, ist seit einigen Monaten durchgehend offen, es kann also auch zwischen 21 und 6 Uhr ein- und ausgefahren werden. "Da bietet sich doch das zentrumsnahe Parken bei Veranstaltungen an", appelliert Roland Kraus an die Besucher der Innenstadt, das wilde Parken auch rund um die Garage abzustellen. (ge)
Aber es müssen alle Stadtteile gleichberechtigt behandelt werden.Werkleiter Roland Kraus
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