Stiber-Fähnlein auf Spurensuche
Giftmord nicht auszuschließen

Heimatpfleger Mathias Conrad (links) erwies sich bei der Kirchenführung als Experte für Bau- und Bodendenkmäler. Bild: rlö

In ihren Mauern ruhen die Gebeine der Rosenberger Ritter und Hammerherren Erlbeck. Und auch die letzten Bewohner der Rosenburg, Albrecht Stiber, seine Ehefrau Veronika und deren Sohn Wolf Stiber, haben ihre letzte Ruhestätte in der evangelischen St. Johannis-Kirche in Rosenberg gefunden.

Grund für die historische Gruppe Stiber-Fähnlein, sich zusammen mit Heimatpfleger Mathias Conrad auf Spurensuche in dem möglicherweise ältesten Gotteshaus der Stadt zu machen. Conrad, ausgewiesener Experte für Bau- und Bodendenkmäler, hielt denn auch mit einer ersten wichtigen Erkenntnis nicht hinter dem Berg: Das bisher allgemein als gotisches Bauwerk angesprochene Gotteshaus, dessen Entstehung man in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts verortete, ist in Wahrheit viel älter und stammt in seinem Kern aus der Salierzeit um 1200 nach Christus.

An der Südwand der Kirche finden sich nämlich ganz eindeutige und klare Hinweise auf die Romanik. Der lange Zeit unter Putz verborgene, jetzt aber wieder freiliegende Rund-Torbogen mit sogenanntem "Kämpfer" (waagrecht eingefügte Widerlager für die Bogensteine) ist ebenso ein romanisches Stilelement wie das schräg rechts darüber angeordnete schmale Rundbogenfenster mit ein- und ausgeschrägter Leibung. Beide Bauelemente sind aus romanischen Glattquadern von Rhätsandstein gearbeitet.

In ihrem heutigen Baustil ist die Kirche der Spätgotik zuzuordnen. Wie Conrad seinen Zuhörern erklärte, dürfte die ursprünglich vermutlich halbrunde Apsis der romanischen Erstkirche in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts dem heute noch bestehenden gotischen Fünfachtel-Ostchor Platz gemacht haben. In die gleiche Zeitspanne wird auch die erste Verlängerung des Kirchenlangschiffs gefallen sein, ebenso die Errichtung des wuchtigen Chor-Flankenturms. Auch der Altarraum zeigt sich ausgeprägt gotisch. Die Schluss-steine im Spitzbogengewölbe zeigen das Rosen-Motiv. Der Einbau der Empore für die Kirchenbesucher stammt nach Conrads Worten aus der Zeit der Reformation.

Natürlich wusste der Heimatpfleger auch zu den repräsentativen Epitaphien an den Grablegen der Erlbeck und der Stiber Interessantes zu berichten, und hier kam zuletzt gar noch ein Hauch von Krimi-Spannung auf: Es sei nämlich schon sehr auffällig, so Conrad, dass sowohl Stiber als auch seine Ehefrau Veronika, Truchsessin von Wetzhausen, und Sohn Wolf allesamt innerhalb weniger Wochen im Jahr 1504 bzw. 1505 das Zeitliche segneten.

Da zu jener Zeit nachweislich keine Seuche wie etwa die Pest in Sulzbach wütete, sei angesichts der dramatischen Wirren des damals tobenden Landshuter Erbfolgekriegs der Verdacht eines Giftmordanschlags auf die Familie Stiber als regionales Haupt der bayrisch-wittelsbachischen Kriegspartei nicht völlig auszuschließen.
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