Streuobstschnitt am Annaberg
Jungbrunnen für die Äpfel

Mit der Säge wird die Krone des uralten Apfelbaumes entlastet von überflüssigen Ästen: Am Annaberg-Nordhang gab es wertvolle Tipps für den Streuobst-Schnitt. Bilder: Gebhardt (3)
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
23.03.2016
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Alles, was ich Euch hier erzähle, habe ich selbst über 40 Jahre an den Bäumen beobachtet.

Verstehen Sie Ihren alten Obstbaum? Wenn Sie das tun, können Sie ihn auch richtig pflegen. Aber auch professionelle Kräfte brauchen Anleitung, und der Annaberg-Nordhang geriet so für zwei Tage zum grünen Klassenzimmer: Der deutschlandweit bekannte Experte Josef Weimer schulte im Streuobst-Schnitt, Landrat und Bürgermeister staunten.

"Obstbaumverständnis-Kurs" hieß diese Fortbildung zur professionellen Obstbaumpflege in der Öko-Modellregion Amberg-Sulzbach offiziell. Ihre Projektmanagerin beim Landschaftspflegeverband, Barbara Ströll, hatte den Grund- und Aufbaukurs organisiert und neben dem bundesweit bekannten Experten Gärtnermeister Josef Weimer auch Roland Heldrich als Gastgeber des vorangegangenen Grundkurses in Frechetsfeld gewonnen. Er begleitete auch den Praxisteil des Aufbaukurses.

Bedeutender Bestand


Bürgermeister Michael Göth unterstützte den Kurs und stellte einen alten Streuobstbestand auf dem nördlichen Annaberg zur Verfügung. Der Landschaftspflegeverband, so erklärte Geschäftsführer Richard Lehmeier den Kursteilnehmern, betreue diese etwa 100 Bäume im Auftrag der Stadt. Sie gehören zu den größten zusammenhängenden Streuobstbeständen im Landkreis.

Fachleute unter sich


Landrat Richard Reisinger kam als Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes sowie des Kreisverbandes der Obst- und Gartenbauvereine mit dem Stadtoberhaupt zum Nordhang. Dort lauschten sie mit den 24 Kursteilnehmern (Kommunalgärtner, Gartenbauer, Baumkletterer, Fachfirmen-Mitarbeiter, selbstständige Bio-Bauern) den Tipps des Experten. Stadtgärtnerei-Chef Klaus Herbst nahm ebenfalls teil. Richard Reisinger freute sich besonders, dass durch die Pflege der Blick vom Annabergfest seine Attraktivität behalte.

Weimer zeigte, wie man mit der Astsäge Entlastungsschnitte für die Krone ansetzt, wie der Baum hinterher aussehen soll, wie man das Baumleben verlängert und vieles mehr. Die Sicherheit beim Arbeiten hoch im Stamm wurde ebenfalls eingehend demonstriert.

Josef Weimer aus Schaafheim im Odenwald ist Mitglied der internationalen Arbeitsgruppe für biologisch- dynamischen Obstbau und zählt zu den im deutschsprachigen Raum anerkannten Spezialisten für den Landschaftsobstbau. Als gelernter Gärtnermeister und Gartenbaulehrer mit langjähriger Berufserfahrung verstand er es, dieses Wissen fundiert und begeisternd weiterzugeben.

In seinen "Obstbaumverständnis-Kursen" wie hier am Annaberg vermittelt er einen ganz eigenen Blick auf den Baum, indem er die Entwicklung des Baumes mit der des Menschen vergleicht.

Grundkurs-Leiter Roland Heldrich ist begeisterter Bio-Streuobstbauer. Er pflegt 90 alte Obstbäume, 300 hat er selbst gepflanzt. Damit sind bei ihm ca. 100 alte Obstsorten zuhause. "Ich liebe die Vielfalt", erklärte Heldrich, "und ich mag es, mich mit alten Bäumen zu beschäftigen und die traditionellen Apfel- und Birnensorten zu erhalten".

Nur eigene Erfahrungen


Josef Weimer erklärte den Teilnehmern: "Alles, was ich Euch hier erzähle, habe ich selbst über 40 Jahre an den Bäumen beobachtet. Ich habe mir nichts ausgedacht. Alles könnt Ihr selbst draußen sehen." Über Pflegemaßnahmen hatte er natürlich seine eigene Ansicht: ""Wer mit einem Hänger voll Holz von der Wiese fährt, ist auf dem Holzweg. Wer einen Hänger voll Obst mitnimmt, der hat den Baum verstanden!""

Richard Lehmeier vom Landschaftspflegeverband zeigte sich sogleich an einer Wiederholung dieses Kurses interessiert: "Wir müssen schließlich die Experten, die wir später mit der Pflege beauftragen wollen, erst einmal ausbilden!"
Alles, was ich Euch hier erzähle, habe ich selbst über 40 Jahre an den Bäumen beobachtet.Baum-Experte Josef Weimer
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