Sulzbach-Rosenberg bewirbt sich
Oberzentrum fest im Visier

Das bisherige Mittelzentrum Sulzbach-Rosenberg weist neben seiner historischen Altstadt viele attraktive Einrichtungen auf wie das Staatliche Berufliche Schulzentrum (unterer Bildrand) und die Höllerer-Realschule (oben rechts). Bilder: Gebhardt (2)
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Sulzbach-Rosenberg
07.11.2016
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Bürgermeiser Michael Göth (links) und Rechtsdirektor Harald Mizler hatten das Schreiben ans Ministerium vorbereitet, der Stadtrat stellte sich einstimmig hinter den Aufstufungs-Antrag.

Früher gab es bei Kommunen die 1., 2. und 3. Bundesliga - da spielte die Herzogstadt als Mittelzentrum in der zweithöchsten Klasse nach den Oberzentren. Jetzt sitzt mit den neuen "Metropolen" quasi die Champions-League obendrauf. Um ein Absinken in die dritte Kategorie zu verhindern, will die Stadt aufgewertet werden zum Oberzentrum. Das Heimatministerium soll das nun richten.

Das Landesentwicklungsprogramm werde fortgeschrieben, teilte das Finanzministerium der Stadt mit, und dabei auch die Festlegung der Mittel- und Oberzentren überprüft. "Unter Berücksichtigung der Neueinführung einer Stufe ,Metropolen' und des Bestandsschutzes für ausgewiesene Zentrale Orte erfolgt die Festlegung weiterer Mittel- und Oberzentren", hieß es im Schreiben. Als Metropolen gelten im Freistaat künftig München, Augsburg und der Raum Nürnberg/Fürth/Erlangen/Schwabach. In Bayern existieren derzeit 32 Oberzentren, in der Oberpfalz gibt es davon fünf: Regensburg, Weiden, Neumarkt, Amberg und Waldsassen/Eger.

Der Stadtrat hat in seiner Sitzung nun nachdrücklich und einstimmig den Wunsch nach Aufstufung von Sulzbach-Rosenberg als Oberzentrum formuliert und dem Ministerium mitgeteilt. Möglich gemacht hat diesen Antrag eine Lockerung des früheren strengen Anforderungsprofils. Eine Kommune kann sich jetzt auch bewerben, wenn sie nicht alle Kriterien erfüllt. Doch Sulzbach-Rosenberg hat ja einiges zu bieten (siehe Kasten "Das sind die Trümpfe").

Bewerbung jetzt möglich


Was sind Aufgaben eines Oberzentrums? "Es sichert den über die Grundversorgung hinausgehenden, spezialisierten höheren Bedarf an zentralörtlichen Einrichtungen", heißt es im Programm. Diese sind angesiedelt in Aus- und Weiterbildung, Kultur und Sport, Wirtschaft, Verwaltung oder Gesundheitswesen.

Oberzentren haben einen langfristigen Entwicklungsauftrag und sollen auf ihr Umland ausstrahlen. "Anstehende Behördenverlagerungen könnten dies sinnvoll unterstützen", meinte Rechtsdirektor Harald Mizler dazu in der Sitzung.

Behandlung zugesichert


Bürgermeister Michael Göth wies darauf hin, dass Städte mit zum Teil erheblich weniger Einwohnern als Sulzbach-Rosenberg als Oberzentren vorgesehen sind. Auch bei künftigen Fördermitteln erhofft sich die Stadt durch Aufwertung mehr Zuteilung.

Der Stadtrat beschloss einstimmig, den Aufstufungswunsch nachdrücklich weiter zu verfolgen. Das Heimatministerium hat inzwischen die Behandlung und Aufwertung des Anliegens im Anhörungsverfahren zugesichert. Jetzt heißt es - abwarten.

Das sind die TrümpfeFolgende zentralörtliche Einrichtungen führt die Stadt im Antrag als Argumente auf:

Herzog-Christian-August- Gymnasium

Walter-Höllerer-Realschule

Berufliches Schulzentrum

Berufsfachschulen für: Musik, Ernährung und Versorgung, Kinder- und Sozialpflege, Altenpflege, Krankenpflege

Fachhochschule Polizei

Sonderpädagogisches Förderzentrum

Jura-Werkstätten Amberg-Sulzbach

Volkshochschule

St.-Anna-Krankenhaus

Fünf Pflegeheime

Ökumenische Sozialstation

BRK-Standort

Synagoge

Historische Druckerei Seidel

Literaturarchiv

Erstes Bayerisches Schulmuseum

Staatliches Bauamt Amberg-Sulzbach

Agentur für Arbeit

Im Antrag heißt es auch: "Vor diesem Hintergrund bietet sich die Aufstufung zum Oberzentrum geradezu an, wobei die Stadt auch als Standort weiterer Behörden.....in Betracht kommt." (ge)

Ehre, wem Ehre gebührt


Angemerkt von Joachim Gebhardt

Die Zeiten ändern sich: Bislang fungierte die Herzogstadt als Mittelzentrum und erfüllte diese Aufgabe auch sehr gut, neben dem Oberzentrum Amberg. Jetzt sattelt Bayern auf die Rangliste noch die Metropolen obendrauf, und wir drohen auf den dritten Rang abzurutschen.

Das sollte man nicht einfach so hinnehmen, da haben Stadtrat und Bürgermeister natürlich vollkommen Recht. Zumal das Finanzministerium schriftlich um Stellungnahme gebeten hat. Die ist jetzt bei Heimatminister Markus Söder eingegangen, und der kann nun darüber befinden, ob Sulzbach-Rosenberg das Zeug zum Oberzentrum hat.

Am besten, er liest sich dazu die Aufstellung in diesem Artikel sorgfältig durch. Dann wird er erkennen, dass hier eine solche Fülle von Institutionen, kulturellen Einrichtungen, Schulen etc. vorliegt, wie man sie bei anderen Städten, die schon Oberzentrum sind, wohl kaum so geballt vorfindet. Und da ist die in der Oberpfalz einmalige Kulturszene noch gar nicht berücksichtigt.

Diese Fakten könnte ihm übrigens ja auch der eine oder andere Parteifreund bei Gelegenheit mal ans heimatministerielle Herz legen. Schließlich steht der Stadtrat einstimmig hinter dem Ansinnen. Und wenn sich künftig etwa in Oberbayern gleich fünf Oberzentren um Altötting ballen sollen, dann müsste für die Perle der Oberpfalz wohl auch etwas abfallen. Sie hat es nämlich verdient.
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