Sulzbach-Rosenberger hilft Erdbebenopfern in Nepal
Ramadama am Himalaya

Der Schulweg führt in Gerkhutar über eine Hängebrücke, die den Fluss Trishuli überspannt. Zur Monsunzeit hat er Hochwasser und zeigt seine ganzen reißerischen Kräfte. Bilder: hfz (5)
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Sulzbach-Rosenberg
14.10.2016
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Erbärmliche Zustände herrschen in diesen Notunterkünften. Seit eineinhalb Jahren müssen die Menschen in Slums hausen, wie etwa in diesem, das zwischen der Stadt Trishuli und dem Dorf Gerkhutar liegt.

Wenige Minuten löschten an einem Tag im April vergangenen Jahres in Nepal viele Hoffnungen auf ein besseres Leben aus. Die Kraft eines Erdbebens forderte tausende Tote, unzählige Gebäude fielen in sich zusammen. Auch nach Hilfsaktionen sind die Folgen der Katastrophe immer noch spürbar. Vier Wochen half nun ein Herzogstädter in Gerkhutar.

Sulzbach-Rosenberg/Gerkhutar. "Selbst dort aktiv zu helfen und dabei auch Land und Leute kennenzulernen, war sicher mein grundsätzlicher Antrieb", berichtet Kenan Sakinmaz, der sich selbst als Oberpfälzer mit türkischen Wurzeln bezeichnet. Nachdem ein geplanter Einsatz mit dem Kolping-Hilfswerk in Nepal nicht zustande gekommen war, wandte sich der 52-Jährige an Manfred Härtl vom Verein "Wir helfen Nepal Amberg-Sulzbach", von dem er sich einige Tipps für einen privaten Hilfseinsatz im Himalaya-Staat versprach. Die sollte er auch bekommen. Auf unkomplizierte Art gelang es in kürzester Zeit, mit Härtls Gewährsleuten in Gerkhutar, wo der Verein die Om Mane Public School betreibt, einen Kontakt herzustellen. Wie mehrfach berichtet, gab es im 3000-Seelen-zählenden Dorf viele zerstörte Gebäude, auch Tote mussten beklagt werden. Schäden an der privaten Schule konnten bald behoben werden - wenn auch noch lange nicht der Standard von europäischen Schulen erreicht ist.

Problem Korruption


"Viele der Menschen müssen noch immer in Notunterkünften hausen, man hat an vielen Stellen den Eindruck von Slums", erklärt der Helfer, der sich auch mit einigen anderen Missständen konfrontiert sah. So ist die Beschaffung von Baumaterial vielerorts ein Problem, die latent vorhandene Korruption auf Regierungs- und Verwaltungsebene wirke nicht gerade vorteilhaft und motivierend auf grundsätzlich arbeitswillige Einwohner. Diese Umstände strahlen bis in die Dörfer aus. Während in Gerkhutar noch immer viele Menschen wie in Slums hausen, oft verzweifelt vor den Ruinen ihrer Häuser stehen, konnten in der Om Mane Public School längst die gröbsten Schäden ausgebessert werden. Hilfsgelder wurden konkret eingesetzt, auch humanitär-medizinische Unterstützung war im Bedarfsfall möglich. Dafür sind die Dorfbewohner dankbar, die an den staatlichen Stellen meist kein gutes Haar lassen, weil die internationalen Hilfen nicht ankommen - ein UN-Helikopter war beispielsweise seit der Katastrophe nur einmal vor Ort, weiß der Unterstützer.

Aus Not wird Tugend


Da sich Kenan Sakinmaz bei seinen Vorhaben mit verschiedenen baurechtlichen und logistischen Hürden konfrontiert sah, machte er kurzerhand aus der Not eine Tugend, um einen anderen Missstand zu beseitigen. Er organisierte das erste Ramadama in Gerkhutar, da die Vermüllung horrende Ausmaße erreicht hatte - auch mit ein Resultat der fehlenden staatlichen Aufklärung.

Von seinen knapp 1300 Euro Spendengeldern, die er Bedürftigen überließ, zweigte er einen kleinen Teil für Müllbeutel und Tonnen ab, um in der nächsten Umgebung der ärmlichen Behausungen endlich einmal klar Schiff zu machen - die Grundlage für jede weitere Unterstützung. "Zuerst waren die Bewohner zwar noch etwas skeptisch, aber schließlich machten sie begeistert mit, da viele schnell begriffen, was eine saubere Umwelt für ihre persönliche Zukunft bedeutet", berichtet der Sulzbach-Rosenberger im Pressegespräch.

Zerstörung und Elend


Für ihn als Europäer wirkte das Land wunderschön, er traf freundliche und dankbare Menschen, aber auch Zerstörung und Elend - teilweise mit verursacht durch staatliche Stellen. Nachdenklich verweist er darauf, dass es doch so einfach sei, Gebäude oder Zimmer herzurichten. Beim Instandsetzen einer Küche kam der Gast mit minimalen Mittel aus.

Aber die Offenheit und der Ansporn der Bewohner leiden, seien teilweise in Trägheit und Warte-Mentalität umgeschlagen. "Deshalb wird das Erdbeben in Nepal mit Sicherheit noch lange nicht der Vergangenheit angehören", ist der Helfer, der möglichst bald zum Dach der Welt zurückkehren will, überzeugt.

NepalDie Parlamentarische Bundesrepublik Nepal hat eine Fläche von 147 181 Quadratkilometer; Bevölkerung: rund 30,4 Millionen; Hauptstadt: Kathmandu; Amtssprache: Nepali; Bruttoinlandsprodukt: 699 Dollar/Einwohner; Währung: 1 Nepalesische Rupie (NR); Armutsgrenze: 37,7 Prozent; Lebenserwartung: 59 Jahre; Kindersterblichkeit: Weltrang 60; Analphabetenrate: 54,8 Prozent; Religion: Hinduismus. Kontakt: "Wir helfen Nepal Amberg-Sulzbach", 09661/80 180, Internet: www.wir-helfen-nepal.de.

Info: Kenan Sakinmaz ist Gründungsmitglied der franziskanischen Hilfsorganisation Lafia, die ihren Sitz am Amberger Mariahilfberg hat. Außerdem gehört er als Mitglied der Kolpingsfamilie Rosenberg an. (oy)
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