Tag des offenen denkmals in St. Marien
Auf Augenhöhe mit der Glocke

Das Gebälk des Glockenstuhls von St. Marien hatten wohl nur die wenigstens Besucher schon einmal gesehen.

Wie selbstverständlich schaut ein Sulzbacher auf die Kirchturmuhr, um die genaue Zeit zu erfahren. Oder er genießt den Anblick der beleuchteten Kirchtürme in den Nachtstunden. Doch ein Blick von oben herunter ist nicht oft möglich.

(wbe/lm) Deshalb nutzten viele Interessierte am Tag des offenen Denkmals das Angebot der Pfarrei St. Marien, stiegen 146 Stufen hoch auf über 50 Meter, um einen imposanten Rundblick zu haben. Bei sieben Führungen gaben ehrenamtliche Helfer der Pfarrei einen Abriss der Geschichte des Turmes, der zweimal nach Blitzschlag abgebrannt und eingestürzt war. Er wurde immer ein Stückchen höher und misst heute 63 Meter.

Großes Interesse fand am Sonntag auch die Fürstengruft, die, zunächst direkt unter dem Hochalter angelegt, heute nur noch von außen zugänglich ist. Neben Herzog Christian August und seiner Gemahlin fanden dort von 1661 bis 1797 fünf Erwachsene und sechs Kinder der katholischen Pfalzgrafen von Sulzbach ihre letzte Ruhestätte. Mesner Dietmar Meier ließ die Besucher auch in die kostbaren Bücher mit der Pfarrgeschichte schauen.

Klangliche Vielfalt


Dekanatskirchenmusiker Steffen Kordmann verstand es glänzend, die Pfeifenorgel als "Königin" vorzuführen. Klang und Technik wurden erläutert, äußeres Gesicht ("Prospekt") und Innenleben des Großinstruments erklärt. Neben der berühmten d-moll-Toccata J. S. Bachs erklangen Variationen über einen Kirchenchoral. Dabei wurde die schier unendliche klangliche Vielfalt der Sulzbacher Orgel erlebbar. Über historische Aspekte der Sulzbacher Orgellandschaft und insbesondere des 2002 erneuerten Instruments in St. Marien informierten Schautafeln. Mit Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer konnte man bei einem Bildervortrag und einer kurzen Kirchenführung die überaus spannungsvolle Baugeschichte von St. Marien kennenlernen. Besonders markant ist darin der dramatische Einsturz der oberen Hälfte des Kirchturms am 19. April 1691, angeblich nach einem Erdbeben. Viele Spuren der mitunter regelrecht schicksalshaften Baugeschichte wurden vor Augen geführt - teils vor Ort am Original, teils durch Bilder. Der Andrang war groß - über 350 Besucher standen Schlange.

Museum vis-à-vis


Als günstig für den Denkmaltag erwies sich der "Synergie-Effekt" zum Apotheken-Museum gleich vis-à-vis: Über 130 Interessierte nutzten die Gelegenheit, gleichsam im Schatten des Kirchturms von St. Marien in ein halbes Jahrtausend örtliche Pharmazie-Geschichte einzutauchen. Brunhilde Lommer gab den Gästen jeweils eine kurze Einführung, die Erkundung der Räume konnte dann auf eigene Faust erfolgen. Die Besucher (bis aus Nürnberg und darüber hinaus angereist) waren begeistert.

Kurz vor ihrem ersten Geburtstag zählt die Alte Hof-Apotheke als nunmehrige "Filiale des Stadtmuseums" schon bald 2000 Gäste. Dabei kann in diesem Museum auch die bis ins 9. Jahrhundert zurückreichende Baugeschichte des Hauses (und seines Umfelds) hautnah verfolgt werden.
Weitere Beiträge zu den Themen: St. Marien (19)Kirchturm (7)Offenes Denkmal (2)
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