Tauziehen um Maxhütten-Gelände im Stadtrat
Denkmal-Brief muss warten

Hochofen, Plaza und Gießhallen (im Vordergrund) sollen erhalten werden - wer für den Unterhalt aufkommt, ist noch ungeklärt. Die Stadt jedenfalls hat kein Geld dafür. Das Stahlwerk im Hintergrund soll rückgebaut werden. Bild: Gebhardt
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Sulzbach-Rosenberg
26.10.2016
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Lange ist nichts passiert, jetzt geht es endlich voran mit dem Areal der alten Maxhütte. Man ringt um die Voraussetzungen für Altlastensanierung und Neunutzung. Der Stadtrat war sich prinzipiell zwar einig, doch fast scheiterte alles an einem geplanten Brief an die oberste Denkmalschutzbehörde. Erst eine Auszeit in der Sitzung brachte Einigung.

Zunächst zur Vorgeschichte: Ein Antrag von Dr. Fröhlich (CSU) auf Rückbau der Denkmäler im Sinne der Maxhütten-Verwertungs- und Verwaltungs-GmbH (MHVV) auf dem MH-Areal fand Ende 2015 Zustimmung des Stadtrates und Bauausschusses. Die MHVV legte klar, dass die Produktionskette der ehemaligen Maxhütte nicht mehr nachvollziehbar sei, weil schon viele Anlagen rückgebaut sind.

Seit zehn Jahren ist keine spürbare Entwicklung im Hinblick auf die denkmalgeschützten Anlagen zu verzeichnen. Dringend nötige Sanierungsmaßnahmen sind zurückgestellt, denn bei einem Erhalt der denkmalgeschützten Anlagen sei lediglich eine Sicherung möglich. Das ist jedoch nicht im Sinne von Wasserwirtschafts- und Landratsamt.

Deswegen müsste die Konsequenz ein Austragen der gesamten Maxhütte aus der Denkmalliste sein, die ja als Ganzes darin steht - auch, weil durch das Fehlen der Produktionskette die Denkmaleigenschaften nicht mehr ablesbar seien. Das alles steht in einem Brief, den die Stadt laut Sitzungsvorlage an das Landesamt für Denkmalpflege richten sollte.

Freistaat in der Pflicht


Doch Bürgermeister Michael Göth erklärte, dass sich seine Meinung nicht mit allen Teilen des Briefes decke und er ihn deswegen noch nicht unterschrieben habe. Er befürchtete, dass bei einem Verlust der kompletten Denkmal-Einstufung auch Hochofen, Gießhallen, Cowper etc., die eigentlich erhalten werden sollten, abgerissen werden könnten. Er wolle lieber erst beim Landtag vorfühlen, ob der Freistaat Bayern noch als deren Erhalter einspringen könne. Joachim Bender (SPD) erachtete das als den richtigen Weg: "Bayern muss hier Verantwortung übernehmen", nicht nur Burgen und Schlösser gelte es zu sichern. Ein solcher Brief entlasse im Erfolgsfall nämlich alle aus der Verantwortung. "Rückbau ja, aber nicht alles abreißen rund um die Hochofen-Plaza." "Sieben Jahre ist jetzt nichts passiert", erinnerte Dr. Stefan Morgenschweis (CSU), jetzt müsse endlich gegen die Belastung von Boden und Grundwasser vorgegangen werden. Er sprach sich für das Absenden des Schreibens aus, begrüßte aber auch die Initiative des Bürgermeisters: "Wir können zweigleisig fahren."

Dr. Thomas Steiner (SPD) betrachtete eine mögliche Gesamtherausnahme als "einen Freibrief für den Besitzer, alle Anlagen abzureißen". Er sah nur die Möglichkeit, das Schreiben dahingehend zu ergänzen, dass die genannten erhaltungswürdigen Anlagenteile herausgenommen würden und der Freistaat dafür ein Erhaltungskonzept entwickeln solle.

Beschluss nötig


Auch Hans-Jürgen Reitzenstein (FDP/WFWS) hatte Bedenken wegen eines Totalrückbaus. Bayern und der Eigentümer müssten in einem letzten Anlauf einen Weg finden, bestimmte Teile zu erhalten. Karl-Heinz Herbst (Grüne) wollte ebenfalls mit dem Brief noch warten und hier den Freistaat in die Pflicht nehmen, Stadtheimatpfleger Dr. Markus Lommer sogar die Bundesrepublik über die Abgeordneten-Schiene.

Dr. Stefan Morgenschweis verwies zwar darauf, dass sich hier bisher nichts bewegt habe beim Freistaat, wollte aber den SPD-Ergänzungsvorschlag akzeptieren. "Aber dazu ist heute ein Beschluss notwendig!" Das sah der Bürgermeister anders und wollte die ganze Sache in die Novembersitzung auslagern - auch, weil noch ein Antwortschreiben der MHVV ausstehe auf die Frage, wie mit den genannten Anlageteilen verfahren werden solle.

Knackpunkt Plaza


"Der Eigentümer wird nach meiner Kenntnis im Falle einer Herausnahme keinesfalls die erhaltenswerten Anlagenteile abreißen", erklärte Karl Reyzl (CSU), das sei nie vorgesehen gewesen. Außerdem könne die Stadt ja die dazu nötigen Rückbauanträge jederzeit ablehnen. Es sei zudem alles andere als sicher, dass das Landesamt dem Wunsch nach kompletter Herausnahme auch entspreche. "Aber eine Hochofenplaza ist ohne Denkmalschutz sicher besser zu erhalten als mit", sprach er sich für sofortige Absendung des Briefes aus.

Dr. Patrick Fröhlich (CSU) verwies auf die vielen Millionen, die der Freistaat schon für die Herzogstadt bereitgestellt habe.

Bayern muss hier Verantwortung übernehmen.Joachim Bender (SPD)


Sieben Jahre ist jetzt nichts passiert.Dr. Stefan Morgenschweis (CSU)


EinigungDer Bürgermeister unterbrach schließlich die Sitzung, eine Viertelstunde hatten die Stadtratsmitglieder Zeit, sich in ihren Fraktionen zu beraten. Sie nutzten dies auch und votierten schließlich (gegen eine Stimme) für eine Vertagung. Bürgermeister Michael Göth hatte zuvor appelliert, den Versand des Schreibens zumindest noch bis zur Novembersitzung zurückzustellen.

Dr. Stefan Morgenschweis meinte, die CSU könne das mittragen. Seit einem Gespräch mit Staatssekretär Füracker im Januar allerdings sei klar, dass der Weg so komme, hob er auf die vollständige Herausnahme ab. Er stellte vorsorglich Antrag auf Aufnahme des Themas in die November-Sitzung, machte aber auch deutlich: "Wir erwarten bis dahin ein Signal aus München, dass sich etwas bewegt. Wenn nicht, sollten wir das Schreiben abschicken und den Knoten endlich zum Platzen bringen!" Joachim Bender forderte eine Antwort der MHVV bis dahin ein. (ge)
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