The Travelling Playmates im Seidel-Saal
Franken-Soul lässt Füße zucken

Mehr Musiker dürfen es nun wirklich nicht mehr sein. Die Travelling Playmates aus Fürth füllten die Bühne und den Seidel-Saal mit flotten Songs. Bild: hka
Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
08.03.2016
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"Bewech däi Ärschla!" Dieser Aufforderung wäre so mancher im Seidel-Saal gern nachgekommen, denn es war keine Sitzmusik, die da auf der Bühne gemacht wurde. Eine Kultband aus Fürth, "reisende Spielkameraden", waren unterwegs von Louisiana bis Franken, spielten und sangen mit Temperament und Lebensfreude.

Von Helga Kamm

Es sind sechs "gstandne Mannsbilder", die da auf die Bühne des Seidel-Saales kommen, zur Hälfte Profis, der andere Teil musikbegeisterte Amateure.

Sie sind Franken, auch wenn ihre Namen ganz anders klingen: Tex Gagarin (Gesang und Gitarre), Konner McLaud (Gitarre, Banjo), Jacques ded Pressaque (Posaune, Trompete, Keyboard, Saxofon), Roberto Rubato (Bass), Cy Borg (Drums) und Greg o'Legg (Akkordeon) sind schon ein Bild für sich. Einige tragen Hemden bedruckt mit Palmen und karibischen Stränden, ein Hinweis auf den Sound, mit dem sie die Sümpfe Louisianas in das heimische Rednitz-Pegnitz-Delta verlegen.

Völlig neuer Sound


The Travelling Playmates aber sind auch anderswo in der Welt unterwegs und bringen Musik davon mit nach Hause. Zusammengefunden hat sich die Band Ende der 1990er Jahre mit dem Ziel, die afroamerikanische Musik Zydeco mit anderen Musikstilen Mittel- und Nordamerikas zu vermischen und daraus einen völlig neuen Rhythm- and Voodoo-Sound zu kreieren. Mit Rock'n'Roll, Soul und Latinosounds kombiniert, ergibt sich daraus eine atemberaubende Symbiose, die auch dem Publikum im Seidel-Saal in Hüften und Beine fährt. Die Songs, entweder eigene Produkte, zum Teil aber Erfolge von bekannten Interpreten wie Creedence Clearwater Revival, Dion oder Harry Belafonte, sind mittlerweile auf mehreren CDs veröffentlicht. Das Witzige und Besondere daran aber ist, dass die Playmates, deren Texte in die Sprache ihrer Heimatstadt "Färdd" übersetzt haben.

Da wird dann aus "The Wanderer" auf fränkisch "Des wor a annerer", oder aus der "Coconut Woman" die "Semmale-Verkäuferin", Vertreterin des aussterbenden Berufes der Bäcker. Und auch fränkisches Lokalkolorit und ebensolche Lebensart kommen vor, wenn in der "Gustavstraß zouzogne Zipfl mia sogn wolln wos i soll", im Wirtshaus "schnell no a Seidla" bestellt wird oder das Credo des Großvaters ist: "Kummi heid net, kummi moagn". Nicht im Dialekt, sondern englisch und mit kraftvoller Stimme singt Gaststar Chrissi Baumann, gebürtige Sulzbach-Rosenbergerin, heute Frau des Playmates-Frontmans Tex Gagarin, einige Titel.

Diese Prisen fränkischen Gewürzes harmonieren mit der scharf gewürzten Musik der amerikanischen Südstaaten, bilden nach Aussage der Band einen erstaunlichen Gleichklang. Und bei den meisten Musikstücken der Travelling Playmates kommen unbändige Spielfreude, Temperament und Fröhlichkeit zum Ausdruck, übertragen sich auf das Publikum. Der virtuose Umgang der Musiker mit ihren Instrumenten - selten waren so viele auf der Bühne des Seidel-Saales zu sehen - trägt ebenso dazu bei, dass es keine Sitzmusik an diesem Abend gibt.

Etliche Zugaben


So stimmen die Gäste zu, als am Ende des Abends "s Lebn is einfach schö" gesungen wird und fügen sich nach etlichen Zugaben ins Unvermeidliche, das da heißt: "Öitz gäihe halt ham".
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