Theaterstück und Diskussion über Flüchtlinge an der Walter-Höllerer-Realschule
Sie wollen doch nur Respekt

Mit beeindruckender Gestik und Mimik spielte Alexander Matakas das Theaterstück "Dreck" in der Aula der Walter-Höllerer-Realschule. Bild: lhc

Einen Stuhl auf der Bühne, einen Strauß Rosen - mehr Requisiten braucht der Schauspieler Alexander Matakas von der Kulturschule Leipzig nicht, wenn er in den "Schulen ohne Rassismus - Schulen mit Courage" auftritt.

"Dreck" - so hieß das Stück, das das Leben eines Flüchtlings in Deutschland überspitzt zeigt und beschreibt. Während die Acht- und Neuntklässler der Walter-Höllerer-Realschule sich in der Aula das Theaterstück ansahen, besprachen die Zehntklässler mit Pfarrerin Gisela Voltz aus Nürnberg Fragen wie "Was haben Flüchtlinge mit uns zu tun?"

Verachtung erlebt


Die Hauptfigur Sad ist Araber, der zur Finanzierung seines Studiums Rosen verkauft. Mit eindringlichen und phantasievollen Worten beschreibt er seine Heimat, sein momentanes Leben in Deutschland und alle verbundenen Hoffnungen und Träume. Provozierend direkt wurden aber auch Erlebnisse der Verachtung, Ausgrenzung und dem Erleben von Fremdheit dargestellt. Schließlich verinnerlicht Sad die rassistischen Zuschreibungen und Vorurteile.

In einem emotional bewegenden Monolog mit beeindruckender Gestik und Mimik rechtfertigte er sich selbst und sein Leben, obwohl er als Mensch nur respektvoll behandelt und als gleichwertiger Teil der Gesellschaft betrachtet werden möchte. Stattdessen werde ihm eine ständige Aggressivität entgegengebracht. "Ich wusste nicht, dass wir einen Virus in uns tragen, der diese Aggressivität in euch auslöst", sagte er überspitzt. Auf dem Höhepunkt des Stückes resümierte er traurig: "Ich bin Sad, ich bin ein Stück Sch...!" Der Iraker stand nach dem Stück gelassen vor den Schülern der 8. und 9. Klassen und sprach völlig akzentfrei zu den Schülern. Getuschel kam auf. "Ist der gar kein Ausländer? Wie, der spricht perfekt Deutsch?", raunten sich einige Schüler verunsichert zu. In der anschließenden Diskussion äußerten sie ihre Eindrücke, gerade über Vorurteile, und kamen so mit dem Schauspieler ins Gespräch.

Fluchtgründe erkennen


"Wer ist in Deutschland geboren? Was haben die Flüchtlinge mit uns zu tun?" Das waren nur zwei Fragen von vielen, die in einem Vortrag von Pfarrerin Gisela Voltz aus Nürnberg mit den Zehntklässlern besprochen wurden: Auftakt für die Ausstellung "Auf und davon. Flucht und Migration", von der Evangelischen Kirche in Bayern für die Realschule zur Verfügung gestellt. Knapp zwei Wochen konnten dann die Schüler in einem Stationenparcours Fluchtgründe erforschen, anhand von Einzelschicksalen erfahren, was es heißt, sein Heimatland verlassen zu müssen oder sehen, dass es in der Geschichte immer wieder zu Wanderungsbewegungen auch in Europa kam.
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