Umwelt-Unterricht an der Krankenpflegeschule
Auch kleine Schritte bringen was

Die Klasse O13 mit Vincent Clarke (vorne rechts) und Lehrer Heinz-Ulrich Schmidt (vorne links). Bild: shu

Was geht uns die Welt an? Lehrkraft Heinz-Ulrich Schmidt konfrontierte bei einem Umweltprojekt 22 angehende Krankenpfleger (O13) der Berufsfachschule im St.-Anna-Krankenhaus mit dieser für uns alle wichtigen Frage.

Der Klimaschutzmanager der Stadt Sulzbach-Rosenberg, Vincent Clarke, Dipl.-Ing. für Energie- und Umweltsystemtechnik, übernahm die Unterrichtseinheit. Als Einstieg versuchte der Klimafachmann, den Auszubildenden ohne den "erhobenen Zeigefinger" Zusammenhänge zwischen Wirtschaftsleistung und Wohlstand beziehungsweise Lebensstandard aufzuzeigen. "Noch befindet sich die Welt im Ölrausch", meinte Clarke, "denn derzeit verbrauchen die Menschen täglich 900 Millionen Fässer Öl und neun Millionen Kubikmeter Gas.

Politische Abhängigkeit


Aber wie sehen die weltweiten Ressourcen aus? Viele wichtige Rohstoffe werden laut Clarke in absehbarer Zeit nicht mehr verfügbar sein: Uran noch 35 Jahre, Erdöl 40 Jahre, Kohle 200 Jahre. Die Sonneneinstrahlung hingegen sei jederzeit frei verfügbar. Deutschland müsse 70 Prozent seiner Energie und Rohstoffe importieren. Dies führe zwangsläufig auch zu gefährlichen politischen Abhängigkeiten. Und der Energiehunger steige weltweit.

Nur noch Rekordjahre


Zum Thema Klimawandel und Temperaturerhöhung untersuchte Clarke zusammen mit den Schülern die Verschiebung der Welttemperatur von 1881 bis 2014. Inzwischen gibt es nur noch Rekordjahre, stellte man gemeinsam fest.

Das im Unterricht bereits behandelte Thema Treibhauseffekt kam nochmals zur Sprache und wurde anschaulich vertieft. 1979 begann mit der Weltklimakonferenz in Genf die "neue" Klimaforschung. "Sicher hat sich bis Paris 2015 einiges geändert, aber wie ernsthaft reagiert die Menschheit auf nicht zu übersehende Auswirkungen wie Dürren, Hungersnöte, Entstehung neuer Wüsten und Trinkwassermangel?", fragte der Umwelt-Fachmann.

Aktuelle Beispiele seien Kalifornien (drei Jahre ohne Niederschläge), das Abschmelzen der Gletscher und Pole und eine signifikante Zunahme von Naturereignissen wie extreme Stürme und Regenfälle.

"Das Verschieben von Klimazonen führt auch bei uns zu einer Ausbreitung von Schädlingen und Insekten, die unsere Lebensqualität beeinflussen." Der Bayerische Wald und Gebiete in Franken litten bereits unter akutem Wassermangel, fügte Clarke hinzu. Verglichen mit der aktuellen Flüchtlingsdiskussion stelle sich die Frage: "Was machen wir mit den von der UN prognostizierten Zahl von weltweit 360 Millionen Klimaflüchtlingen?" Szenarien, die bei den zukünftigen Krankenpflegern Betroffenheit hervorriefen.

Bewusstes Einkaufen


Was kann man tun? Der Klimaschutzmanager zitierte zunächst die überlieferte Weisheit eines afrikanischen Volksstammes: "Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Schritte tun, können das Gesicht der Welt verändern." Man müsse also im Kleinen bewusster mit Energie umgehen.

Dazu gehörten Einsparen und bewusstes Einkaufen und Ernähren. Der Kassenbon diene durchaus als Stimmzettel für oder gegen Umwelt- und Klimaschutz. Zum Thema Ernährung erläuterte Clarke, dass in Deutschland mit einem fleischlosen Tag in der Woche etwa neun Millionen Tonnen Kohlendioxyd im Jahr eingespart werden könnten. Er rechnete vor: Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch benötige man 27 Kilo Kohlendioxyd und 15 000 Liter Wasser.

Was können nun das Krankenhaus oder die einzelne Pflegestation zum Klima- und Umweltschutz beitragen? In der Diskussion stellten die Schüler unter Beweis, dass sie sich mit diesem Thema bereits auseinandergesetzt haben. Photovoltaik und Solartherme wurden zuerst genannt, aber auch die Energieeffizienz durch Dämmung und Energiesparlampen wurden erläutert.

Einig waren sich alle Beteiligten beim Punkt Energievermeidung. Das Personal müsse noch mehr sensibilisiert werden. Wo entsteht unnötiger Energieverbrauch? Welcher Müll könne reduziert oder verhindert werden?
Weitere Beiträge zu den Themen: Clarke (1)Treibhaus (1)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.