Umweltskandal in Gallmünz
Heizöl bringt den Tod ins Wasser

Kaum zu erkennen, aber das ist eine Erdkröte: Sie ist bedeckt mit Ölbinder und wird nicht mehr lange leben. Auch ihr Laich-Biotop ist zerstört.
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Sulzbach-Rosenberg
04.04.2016
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Das ist der stattliche Rest des zentimeterdicken Ölteppichs, der seit Mittwoch den Regenüberlaufteich bedeckte. Darunter schwimmen (noch) die Fische. Aber das gesamte Wasser muss raus. Bilder: Gebhardt (3)

Es ist ein Bild, das jedem Naturfreund den Magen umdreht: Ein Wasserfrosch taucht auf, bedeckt mit weißem Ölbinder. Am Ufer zappelt eine Erdkröte im Schlamm, Fische bewegen sich unter der Ölschicht. In Gallmünz gab es ein Umweltvergehen übelster Art: Vermutlich über 1000 Liter Heizöl flossen ins Überlaufbecken. Das Biotop ist dem Tode geweiht - und mit ihm wohl alle seine Bewohner.

Es muss bereits am Mittwoch passiert sein: Ein Anwohner informierte die Polizei über Benzin- oder Dieselgeruch am Regenüberlaufbecken an der Konrad-Adenauer-Straße im Neubaugebiet Gallmünz: Und tatsächlich: Auf dem am Waldrand gelegenen Becken schwamm ein dicker Ölfilm. Die sofort alarmierte Feuerwehr streute großflächig Ölbinder auf die Wasseroberfläche und den Rand.

Spezialfirma im Einsatz


Am Freitag rückten dann Schwandorfer Spezialisten an, die zunächst rund 35 000 Liter abpumpten. Am Montag kamen sie erneut: "Wir werden wohl ein paar Tage hier zu tun haben", meinte Christian Hammerer von der gleichnamigen Firma. Er rückte mit vier Mann und zwei Lkw-Gespannen an und setzt auf seine mobile Öl-Wasser-Trennanlage.

Mit einem Spezialschlauch saugen die Männer das Wasser durch einen Grobfilter aus dem Teich und pumpen es in die Spezialanlage. Dort wird das Wasser dergestalt gereinigt, dass es anschließend wieder gefahrlos in den Flutgraben geleitet werden kann. Die anfallenden Mengen von rund 300 000 Liter würde das Pumpwerk im Kanal in Gallmünz gar nicht schaffen.

Wenig Chancen für Fische


Auch Hammerer zeigte sich betroffen vom Ausmaß der Umweltverschmutzung. Er schätzt die Menge an Heizöl, die in das Gewässer gelaufen ist, auf über 1000 Liter. Das genügt, um das Leben in weitaus größeren Teichen komplett zu vernichten. Nur etwa ein Drittel schwimme oben, der Rest verteile sich mehr oder weniger gleichmäßig im Wasser.

Die Fische, die im Biotop leben, haben praktisch keine Chance: Geraten ihre Kiemen mit Öl in Berührung, dann ist das tödlich. Aber auch die empfindliche Haut von Wasserfröschen und Erdkröten wird ähnlich reagieren.

Wie konnte das passieren? Die Polizei ermittelt bereits, vorerst noch gegen Unbekannt, und bittet um Hinweise (09661/87 44-0). Sie hat ein Strafverfahren wegen Gewässer- und Bodenverschmutzung eingeleitet.

Das ganze Neubaugebiet riecht nach Heizöl, der Dampf steigt aus jedem Kanalschacht. Das wird wohl noch einige Zeit so bleiben. Die Entsorgungsfirma muss jetzt schnellstens das Wasser abpumpen und reinigen, bevor neue Regenfälle die Arbeit zunichte machen. "Und dann wird vermutlich ausgebaggert", schätzt Christian Hammerer. Begleitet von ständigen Probennahmen und Tests, müssen der kontaminierte Teichrand und auch der Schlamm am Grund entfernt und als Sondermüll entsorgt werden.

Letzte Reste retten


Was geschieht mit den Tieren? Die SRZ informierte gestern sofort den Bund Naturschutz, der nun noch retten will, was zu retten ist an Amphibien und Fischen. Hoffnung gibt es inzwischen wenig. Mit diesem Vorfall ist ein enorm wertvolles Biotop am Waldrand zerstört. Warum auch immer.

Kette ohne Glieder

Angemerkt von Joachim Gebhardt

Wie ist das passiert? Wie konnten viele hundert Liter Heizöl in den Regenwasserkanal gelangen? Das ist das eine, darum kümmern sich Polizei und Staatsanwaltschaft. Warum aber erfährt die Öffentlichkeit erst durch Anwohner von dem Skandal? Warum haben die übergeordneten Ämter erst so spät reagiert? Fragen, die sich wohl nicht mit einer simplen Antwort klären lassen.

Eine kaputte Telefonanlage im Wasserwirtschaftsamt Weiden, Urlaubszeit, Wochenende und vieles mehr, das alles kam zusammen - zusätzlich der Effekt, dass sich wohl der eine auf den anderen verlassen hat. Mit anderen Worten: Die berühmte deutsche Handlungskette, sie hat nicht funktioniert.

Unsere Zeitung wurde zum Beispiel erst am Montag von Anliegern informiert und rief dann ihrerseits nach einem Ortstermin den Bund Naturschutz an - der wusste auch noch von nichts. Woher auch? So ein Versagen gibt keine Zuversicht für Schlimmeres. Für die Tiere im Biotop ist es so oder so zu spät. Ein trauriger Tag für die Natur, ein beschämender für die Menschen.

joachim.gebhardt@zeitung.org
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