Veranstaltungsreihe der Diakonie
Wenn die Armut bei dir wohnt

Eckhard Henscheid liest am 21. Oktober im LCC bei der Kabarettveranstaltung.

Das verdiente Geld reicht nicht zum Leben, die Schulden wachsen, die Probleme mit ihnen: Armut zeigt sich meist schon an der Wohnqualität. Ein sehr einfühlsamer Fotograf hat solche Szenarien in Bildern festgehalten, die Diakonie stellt sie jetzt aus. Denn bezahlbarer Wohnraum ist auch bei uns Mangelware.

"Willkommen in der Zentrale des Guten!": Theo Wissmüller von der Kirchlichen Allgemeinen Sozialarbeit und seine Kollegin Elke Wolfsteiner zeigten sich beim Pressegespräch stolz auf ihre Idee und das Rahmenprogramm. Das Thema Armut begleitet sie schon im gesamten Berufsleben, und jetzt haben sie mit einigen Kooperationspartnern die Ausstellung "My home is my castle" auf die Beine gestellt.

Rund um diese 14 Tage dauernde Präsentation sind drei hochkarätige Veranstaltungen entstanden, die sicher jede Menge Aufmerksamkeit auf sich lenken werden. Doch zunächst ging es um das Thema an sich.

Wohnraum fehlt


Es seien Frauen in Trennung mit Kindern, die eine Wohnung bräuchten, Männer ohne Arbeit mit zu großer Wohnung, unverschuldet in Hartz IV abgerutschte Menschen und immer mehr Mitbürger, denen das verdiente Geld nicht zum Leben reiche und die mit staatlicher Hilfe "aufstocken" müssten. Für sie sei nämlich kaum bezahlbarer Wohnraum vorhanden, erklärten Theo Wissmüller und Elke Wolfsteiner gemeinsam mit ihrer Kollegin Irina Frescher, die für die Arbeitslosen- und Schuldnerberatung zuständig ist. "Diese Tatsache ist allerdings kaum bekannt bei uns."

Viele helfen mit


Deswegen bringen jetzt die Kooperationspartner das Thema groß auf den Tisch: Diakonie, Selbsthilfegruppe Hartz IV, Alleinerziehenden-Gruppe mit Birgit Wittmann und auch der Verdi-Ortsverein mit Manfred Weiß als Vorsitzendem haben sich als Organisatoren zusammengefunden. Sie alle dankten der Volkshochschule, vertreten von Nora Matocza, für die Beherbergung der Veranstaltungen.

Die Vernissage am 8. Oktober eröffnet die Ausstellung des bekannten Fotografen Peter Litvai (siehe "Porträt") im Foyer des LCC. Eine Podiumsdiskussion "Verkauft, verraten, vergessen" mit einem Impulsreferat von Dr. Friedrich Sendelbeck von Verdi avisierte Manfred Weiß für den 11. Oktober.

Der absolute Höhepunkt allerdings wird der Kabarettabend am 21. Oktober mit Lesung: Eckhard Henscheid, berühmter Satiriker aus Amberg, liest aus seinem Hauptwerk "Die Vollidioten", der Steinlinger Balg wird Musik beisteuern, Michl Gölling aus Franken zelebriert seine Hirtenrufe, Gerüchten zufolge wird auch die Bettler-Bigband auftreten und Kabarettist Theo Wissmüller moderiert den Abend. Der Eintritt ist an allen Abenden natürlich frei, Spenden für die Sozialarbeit sind aber erbeten.

"Armut ist meist nur mit Humor zu ertragen", bilanzierte Wissmüller am Ende, deswegen auch die Entscheidung für einen Kabarettabend. Er sah viele Qualifizierungsmaßnahmen der Arbeitsagentur als "sinnlos verbratenes Geld" an, deren Besuch dann auch noch mit Sanktionen erzwungen werde.

Den Mittelbau retten


Nach wie vor bestehe der Skandal, dass die Reichen immer reicher und die Armen immer mehr würden, meinte Manfred Weiß. Und, darin zeigten sich alle Gesprächsteilnehmer einig, es gelte, den Mittelbau der Gesellschaft vor dem endgültigen Wegbrechen zu bewahren. Ein Besuch der drei Veranstaltungen könne da vielen die Augen öffnen.

Das ProgrammVernissage im Foyer des LCC bei der Volkshochschule am 8. Oktober um 18 Uhr. Argentinischer Tango und französische Musette mit Peter Schertl und Zico Gradl. Die Ausstellung "My home is my castle" läuft vom 8. bis 23. Oktober.

Diskussionsrunde "Verkauft, verraten, vergessen"

Armut in unserer Gesellschaft - ein Impulsreferat von Dr. Friedrich Sendelbeck, Verdi Mittelfranken, am Dienstag 11. Oktober, um 19 Uhr im Foyer des LCC.

Kabarettabend mit Lesung "Lieber arm dran als Arm ab!". Eckhard Henscheid, Michl Gölling, Theo Wißmüller, Bettler-Bigband, Steinlinger Balg und andere; Theater mit TS-AM-Gspuit am Freitag, 21. Oktober, um 19 Uhr im LCC, Sulzbach-Rosenberg.

Die Foto-Ausstellung "My home is my castle" setzt sich mit dem Thema "Bezahlbarer Wohnraum - Wohnraumqualität" auseinander. In eindringlichen Bildern zeigt der Fotograf und Künstler Peter Litvai Unterkünfte von Personen und Familien in Armutslagen.

Auch in unserer Region gibt es viele Aktivitäten im Kampf gegen Armut. Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum wird dennoch immer brisanter. Die Ausstellung macht auf die Problematik prekärer Wohnverhältnisse aufmerksam und lädt zur Diskussion ein. (ge)


PorträtPeter Litvai

1957 geboren in Budapest, Ungarn

1972 ersten Film belichtet

1975 Abitur

1978 Gesellenprüfung Fotografie

1978-1985 Architektur-, Industrie- und Luftfotografie

seit 1985 wohnhaft in Landshut, Deutschland

1986-2003 Werbefotografie

1991 Meisterprüfung/Jahresbester

seit 2003 freiberuflich

seit 2008 Theaterfotografie und Grafik am Landestheater Niederbayern

2011-2012-2013 Nominierungen für den Kulturpreis Bayern

2012 Sonderpreis des Niederbayerischen Integrationsforums für das Buchprojekt Der Traum vom roten Mercedes (Texte: Barbara Wiethaler)
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