Vor 450 Jahren ließ Pfalzgraf Wolfgang im damaligen Landgericht Sulzbach eine ...
Dekanat Sulzbach-Rosenberg feiert

Höhepunkt der Synode war der Festvortrag von Dr. Adolf Rank.
 
Karlhermann Schötz - er ist der 30. Dekan in Sulzbach-Rosenberg seit 1566. Bilder: gac (2)

Im Jahre 1566, also vor genau 450 Jahren, ließ der neuburgische Pfalzgraf Wolfgang im damaligen Landgericht Sulzbach eine evangelisch-lutherische Superintendentur einrichten - Vorläuferin des heutigen Dekanats Sulzbach-Rosenberg. Dieses Jubiläum feierte die Dekanatssynode mit einer festlichen Andacht und einem historischen Vortrag.

Präsidin Dorothea Seitz-Dobler eröffnete die Synode mit der Feststellung, dass Sulzbach-Rosenberg mit seinen 450 Jahren eines der zwölf ältesten Dekanate der Bayerischen Landeskirche ist. Karlhermann Schötz, der 30. Dekan seit 1566, berichtete, dass es Bewerbungen für die vakanten Pfarrstellen in Oberviechtach und Etzelwang/Poppenricht gebe, so dass man mit einer baldigen Wiederbesetzung rechnen könne. Er konnte auch eine ausgeglichene Jahresrechnung mit über einer Million Euro Gesamtvolumen präsentieren. Schötz dankte den vielen Gemeindegliedern in Stadt und Land, die sich in der Flüchtlingsbetreuung engagieren, und freute sich über den im vergangenen Jahr eröffneten Simultankirchen-Radweg als Zeichen der regionalen Kooperation nicht nur zwischen evangelischen Gemeinden, sondern auch mit den katholischen und den politischen Gemeinden.

Herr regiert noch


"Nach 450 Jahren Dekanat Sulzbach-Rosenberg bin ich gewiss, dass der Herr immer noch seine Kirche regiert. Er hat uns bewahrt in den Zeiten des 30-jährigen Krieges und der Gegenreformation, er hat uns geholfen, den Nationalsozialismus zu bestehen, und er wird uns auch helfen, die materiell guten Zeiten zu meistern", schloss der Geistliche.

Die anschließende festliche Andacht in der Christuskirche stand unter dem Motto "Was verbinde ich mit dem Dekanat Sulzbach-Rosenberg?". Ergreifend waren die Grußworte der brasilianischen Partner, die von Pfarrer Alfredo Malikoski aus Schwandorf vorgelesen wurden.

Auch die Kirchenmusik, das Bildungswerk und die Dekanatsjugend kamen zu Wort. Dekanatskantor Gerd Hennecke an der Orgel und Verwaltungsstellenleiter Hans-Jürgen Mehlan am Saxofon sorgten für außergewöhnlich schöne musikalische Begleitung.

Zum Calvinismus


Höhepunkt der Synode war der Festvortrag von Simultankirchen-Radweg. Er beleuchtete zunächst die Ursachen der Gründung der Superintendentur Sulzbach, wie es damals hieß. Kurfürst Friedrich III. hatte nämlich ab 1559 das benachbarte Territorium der "Oberen Pfalz" mit der Hauptstadt Amberg zum Calvinismus konvertieren lassen. Das lutherische Sulzbacher Land war dadurch vom pfalz-neuburgischen Burglengenfeld, wo der zuständige Superintendent saß, gewissermaßen abgeschnitten. Damit hier nichts anbrennen konnte, bekam Sulzbach 1566 seinen eigenen Superintendenten, Georg Staudner.

Widerstand in Bevölkerung


Während der Gegenreformation ab 1627 war der Dekanatsbezirk zeitweise auf das Sulzbacher Schloss reduziert, wo Superintendent Heilbrunner am Hof des evangelischen Pfalzgrafen August als Hofprediger amtierte. Der ganze Rest des Sulzbacher Landes musste zum Katholizismus konvertieren, was aber auf hinhaltenden Widerstand in der Bevölkerung stieß, der nicht zuletzt dank des Sulzbacher Pfalzgrafen so erfolgreich war, dass nach Ende des 30-jährigen Krieges noch viele evangelische Gemeinden existierten.

Als 1652 von Herzog Christian August das Simultaneum eingeführt wurde, bekam die Sulzbacher Superintendentur auch die ehemals neuburgischen Territorien von Weiden und Floß hinzu, die immerhin für 126 Jahre zum Dekanatsbezirk gehörten.

Nach Gründung des Königreichs Bayern wurden die Kirchenangelegenheiten für beide Konfessionen im Jahre 1810 zentral geregelt und das evangelische Dekanat Weiden gebildet. Die Zahl der Evangelischen in Amberg, Schwandorf und den Diaspora-Gemeinden bis zur böhmischen Grenze war zunächst noch so klein, dass keine eigenen Gemeinden gegründet werden konnten.

Cham herausgeschnitten


Stattdessen wurden die Predigtstellen in diesen Gebieten durch "Reiseprediger" aus Rosenberg und später aus Amberg versorgt. 1863 wurde Amberg zur eigenen Pfarrei, Schwandorf erst 1912. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Dekanat Cham aus dem Dekanatsbezirk Sulzbach-Rosenberg herausgeschnitten, der so etwa die Hälfte seiner Fläche und ein Viertel seiner Gläubigen verlor. Damit hatte das evangelische Dekanat Sulzbach-Rosenberg seinen heutigen Umfang.
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