Weihnachten in Sulzbach-Rosenberg
An Flüchtlinge denken

Dekan Walter Hellauer und Kaplan Franz Becher bei der Feier der Christmette in der Pfarrkirche St. Marien. Bild: thl
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Sulzbach-Rosenberg
27.12.2015
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Krippenspiel in St. Johannis: Das Jesuskind wird von den Königen, Hirten und vom Geschenke stehlenden Jungen (der am liebsten zu Weihnachten ein iPhone hätte) bestaunt. Bild: hfz

Über den eigenen Tellerrand hinausschauen, auch an den Feiertagen: Die Christen in Sulzbach-Rosenberg dachten bei den Weihnachtsfeiern an die, denen es nicht so gut geht. In keiner Predigt fehlte der Hinweis auf die Flüchtlinge. Und der große Dank für die stete Hilfe auch vor Ort.

Dekan Walter Hellauer machte sich in St. Marien in der Heiligen Nacht besondere Gedanken: Gibt Weihnachten nicht auch ohne religiösen Gehalt einen Sinn? "Wie oft haben Sie in den letzten Tagen vom Fest der Liebe und des Friedens gehört und vielleicht selbst davon gesprochen? Dabei wissen wir nur zu gut, dass auch in dieser Nacht genau so viel Hass auf der Welt zu finden sein wird wie zuvor, auf der Welt sicher nicht die Waffen schweigen werden und Millionen von Menschen auch weiterhin auf der Flucht sind!"

Welche Antwort würde man geben auf die Frage: "Warum feiern Sie die Heilige Nacht" und vor allem: "Was feiern Sie denn da überhaupt? Haben wir noch die Worte des Engels an die Hirten im Ohr?"

Das sei doch der eigentliche Grund, warum wir uns in der Nacht versammelten: "Christus, der Retter ist da. Er ist zu uns gekommen, einer von uns geworden, nicht in den Palästen der Reichen und Mächtigen, vielmehr ist er zu den kleinen Leuten, den armen und einfachen Hirten auf dem Feld gekommen und in einen Stall. Den Alltag der Menschen wollte er mit seiner Gegenwart und seinem Glanz erfüllen."

Aus dem harten Leben


So harte Realitäten wie den Stall, dann die Flucht nach Ägypten, die dreißig stillen, verborgenen Jahre in Nazareth und am Ende das Kreuz, das alles erfinde kein Märchen. Das sei aus dem Leben genommen, war sich Hellauer sicher.

Weihnachten wolle unsere Herzen ergreifen und verwandeln. "Weihnachten wird es nur, wenn in unserem Herzen Christus, der Heiland, aufs Neue geboren wird, um uns innerlich froh und reich zu machen." Es solle ein Tag sein, an dem wir auch an die Vielen denken, die wie Maria und ihr Kind wohnungslos sind und auch an diesem Tag einsam und auf der Flucht. In St. Johannis Rosenberg predigte Pfarrer Uwe Markert an Heiligabend über die Krippe, in der Flüchtlinge, Araber, Palästinenser, Juden und Afrikaner stehen. Alle beieinander. "Nimmt man die weg, dann bleiben nur noch Ochs und Esel und ein paar Schafe übrig. Diesen Perspektivwechsel vollziehe ich, weil Gott auch seine Perspektive gewechselt hat. Mit Jesus liegt er jetzt in der Krippe und schaut die Welt von unten, aus dem Blickwinkel der kleinen Leute an." Nur mit den Augen des Gegners ließen sich Konflikte konstruktiv lösen.

In der Christuskirche begann die Reihe mit einem Familiengottesdienst am Nachmittag des Heiligen Abends. "Gott glaubt an uns", diese Botschaft stand dann im Mittelpunkt der Predigt von Pfarrer Dr. Kurz am Heiligen Abend um 22 Uhr in der Christuskirche. Der Kirchenchor sang drei Sulzbacher Weihnachtslieder. Zu diesen hatten das heuer verstorbene Gemeindemitglied Elisabeth Pirner den Text geschrieben und Kantor Gerd Hennecke Melodie und Satz verfasst.

Zweig der Hoffnung


Pfarrer Wolfgang Bruder brachte zu seiner Predigt am 1. Weihnachtsfeiertag (und am Heiligen Abend schon in St. Barbara und Hahnbach) einen Barbarazweig mit auf die Kanzel, allerdings waren dessen Knospen nicht aufgegangen. An diesem Zweig könne deutlich werden, dass gerade in der Adventszeit viele Menschen ihre enttäuschten Erwartungen spürten, die erstorbenen Hoffnungen.

Aber die Begegnung mit dem Kind in der Krippe könne wie jede Begegnung mit einem Kind den Menschen verändern. Der Posaunenchor unter der Leitung von Doreen Deyerl intonierte "Es ist ein Ros entsprungen".

Den Reigen der Weihnachtsfeiern der Christuskirche beschloss der musikalische Gottesdienst am 2. Feiertag. Die Sulzbacher Kantorei mit Gerd Hennecke und das Weidener Kammerorchester brachten Teile des "Messias" und das gemeinsame "O du fröhliche".

Nicht nur von Krisen redenDie Christvesper in der vollen Christuskirche mit Dekan Karlhermann Schötz stand unter der Überschrift: "Herberge finden". An Weihnachten gehe es darum, dass Gott in seinem Sohn Jesus Christus bei uns Unterkunft findet, aber auch, dass wir anderen Menschen Herberge geben, so wie das in vielfältiger Weise in den letzten Monaten in Deutschland geschehe. Mitwirkende waren der Posaunenchor Christuskirche mit Doreen Deyerl, Mitglieder der Sulzbacher Kantorei, die Engel Kathrin Wanninger, Verena Herbst, Amelie Trösch, Mirjam Deyerl, Katja Lehnerer; Leitung und Orgel Dekanatskantor Gerd Hennecke, Mesner Klaus Rösel, Helmut Eisenhut, Rainer Pickel, Lektorin Heidemarie Kotz, Liturg und Prediger Dekan Karlhermann Schötz. Er gab zu bedenken: "Menschen auf der Flucht sind bei uns angekommen und aufgenommen worden, haben Herberge, Sicherheit und Zuflucht gefunden, auch in Sulzbach-Rosenberg."

Unzählige Menschen hätten mit ihrem Einsatz für Flüchtlinge Deutschland in der Welt zu einem freundlichen Deutschland werden lassen. "Auch das soll gesagt sein und nicht nur immer von einer Krise gesprochen werden!" (ge)
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