Weiter Protest gegen Nordumgehung
Der Kampf geht weiter

Vermischtes
Sulzbach-Rosenberg
31.03.2016
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Sie vertreten die Gegner der Nordumgehung: Von links Peter Zahn (Bund Naturschutz), Ingrid Rösel (Bürgerinitiative gegen Umgehung), Walter Spies (BI Umweltschutz) und Erich Pilhofer (Bauernverband).

Eigentlich sollte sie längst vom Tisch sein, die einstmals geplante Nordumgehung der B 14 zwischen Feuerhof, Seidersberg und Sulzbacher Kreuz. Doch jetzt ist sie wieder drin im neuen Bundesverkehrswegeplan. Die Interessengemeinschaft appelliert jetzt an die Bürger, schriftlich zu protestieren.

Der neue Bundesverkehrswegeplan ist veröffentlicht, er soll bis 2030 Gültigkeit haben. Die B 14-Ortsumgehung ist darin erneut enthalten und unter "Weiterer Bedarf" eingestuft. Es handelt sich um einen ersten Entwurf, der nach Korrekturen in einen endgültigen Entwurf mündet und im letzten Schritt vom Deutschen Bundestag beschlossen werden muss.

Tatsachen unverändert


Doch zunächst läuft noch bis 2. Mai die Öffentlichkeitsbeteiligung, an der sich einzelne Bürger, Initiativen, Verbände und Behörden beteiligen können. Aber nicht alles wird gewertet: "Äußerungen ohne Bezug zur Wirkung des Gesamtplans sowie rein wertende Meinungsäußerungen ohne sachliche Begründung" wird das Ministerium nicht berücksichtigen. Umweltauswirkungen spielten aber durchaus eine Rolle.

Im SRZ-Gespräch konkretisierten die IG-Sprecher ihre Argumente. Man nehme zwar mit Genugtuung die Rückstufung in den Weiteren Bedarf zur Kenntnis, doch das ändere nichts an den Tatsachen: "Durch den Lückenschluss der A 6 hat sich der Fern- und Schwerlastverkehr auf die Autobahn verlagert. Anwohner der B 14 bemerken eine deutliche Verringerung", bemerkte Inge Rösel. Erich Pilhofer erinnerte an die Verkehrszählung 2009. "Diese neue Zählung zeigte große Abweichungen vom bisher zugrunde liegenden Verkehrsgutachten von Prof. Kurzak aus 1999 und dessen Prognose für 2015!" Zudem hätten sich die geschätzten Kosten von früher 5,8 fast vervierfacht auf nun 21,8 Millionen Euro,

Der Personenverkehr, ergänzte Peter Zahn, sei seit 1999 entgegen dem Trend leicht zurückgegangen. Es gebe also keinerlei Anhaltspunkte für eine Verkehrssteigerung, wie sie Prof. Kurzak für 2015 prognostiziert habe. Walter Spies (Umweltschutz-Initiative) meinte: Der Schwerlastverkehr, bisher Hauptbegründung, habe sich seit der letzten Erhebung um 35 Prozent reduziert. "Warum ist eine Sperrung für überregionalen Schwerverkehr woanders möglich, bei uns nicht?", fragte Erich Pilhofer. Lkw sollten die Autobahn nutzen, nicht die B 14. Und ein maßgeblicher Beschluss sei zu berücksichtigen: Wegen der neuen Zahlen habe der Stadtrat am 22. Juni 2010 mehrheitlich beschlossen, das Projekt nicht weiter zu unterstützen.

Flächenverbrauch zu groß


Erich Pilhofer bilanzierte weitere schlagkräftige Argumente: Der Flächenverbrauch von 13,9 Hektar zuzüglich ca. 30 Hektar Ausgleichsfläche für eine Straße von 2,9 Kilometer Länge sei nicht akzeptabel. "Landwirte verlieren wertvolles, hofnahes Ackerland und damit ihre Lebensgrundlage. Flächen werden durchschnitten und für die Bewirtschaftung unrentabel." Dazu komme, so Walter Spies, dass die Bürger ein Naherholungsgebiet verlieren würden. "Die geplante Straße durchschneidet ein Landschaftsschutzgebiet", wandte Peter Zahn ein, "die Lebensräume mit ihren Pflanzen- und Tierarten sind extrem gefährdet." Die Bilanz der vier Sprecher:

Die Eingriffe beschneiden bisher weitgehend unberührte Natur.

Das durch die Renaturierung des Erlbaches entstandene Biotop wird wieder zerstört.

Das Landschaftsbild wird durch extreme Aufschüttungen und Einkerbungen erheblich verändert.

Die Interessengemeinschaft, das machten die Vier unmissverständlich deutlich, spricht sich erneut gegen den Neubau der Ortsumgehung aus und fordert vollständige Streichung aus dem Bundesverkehrswegeplan 2030. "Denn es kann nicht im Interesse des Bundes sein, ein Projekt zu verwirklichen, das vor Ort von Gemeindevertretung, Organisationen und Bürgern abgelehnt wird. Die Umgehung darf nicht in die selbe Kategorie (Weiterer Bedarf) eingestuft werden wie andere Projekte, die Kommunen und Öffentlichkeit fordern." Deshalb sei eine Streichung die logische Konsequenz.

GegenargumenteÜberhaupt nicht einverstanden zeigte sich die Interessengemeinschaft mit den Projektinformationen des Verkehrswegeplans, nämlich der bei Anmeldung zugrunde gelegten Alternativprüfung (fett gedruckt), die zur vorliegenden "Variante 1" führten. Hier ihre Gegenargumente:

"Variante l benötigt keinen aktiven Lärmschutz aufgrund des hinreichend großen Abstands zur Bebauung": Der Abstand zur Bebauung betrage am Katzenberg nur 200, am Lerchenfeld 375 Meter.

"Variante l vermeidet am besten trassierungstechnische Konflikte im Höhenplan": Durch die bestehende Topografie seien Geländeaufschüttungen von 16 Metern am Katzenberg und bei Seidersberg vorgesehen.

"Variante l tangiert nur das Wasserschutzgebiet. " Sie tangiere auch eine nicht sanierte, toxisch hoch belastete Deponiefläche.

"Variante l verursacht keine relevanten Einschränkungen der städtebaulichen Entwicklungsmöglichkeiten. " Beim Abstand von nur 200 Metern zur Bebauung sei eine städtebauliche Entwicklung in diesem Bereich unmöglich. (ge)


KontaktdatenSchriftliche Äußerungen von Bürgern können über ein Online-Formular abgegeben werden, das auf der Internetseite des Bundesverkehrsministeriums unter www.bvwp2030.de bereitgestellt wird. Alternativ kann diese schriftliche Äußerung auch per Post an das BMVI unter der folgenden Adresse geschickt werden: Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, Invalidenstraße 44, Referat G 12, 10115 Berlin, Stichwort "BVWP2030".

Folgende Daten sind bei beiden Möglichkeiten anzugeben: B 14- OU Sulzbach-Rosenberg/Projektnummer: B014-G030-BY, Vor- und Zuname, Adresse, Status (Einzelperson oder Organisation), bei elektronischer Übermittlung zusätzlich die E-Mail-Adresse. (ge)
Landwirte verlieren wertvolles, hofnahes Ackerland und damit ihre Lebensgrundlage.Erich Pilhofer
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