Wettbewerb für mehr Ackerwildkräuter
Frauenspiegel für die Vielfalt

Barbara Ströll, Managerin der Öko-Modellregion, und Richard Lehmeier, Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes Amberg-Sulzbach, warben beim SRZ-Interview für den Ackerwildkraut-Wettbewerb. Bild: Royer
 
Eines der mittlerweile selten gewordenen Ackerwildkräuter ist der Frauenspiegel. Laut Roter Liste in Bayern ist er landesweit gefährdet. Bild: LPV

Mensch, Tier und Pflanze profitieren von der Vielfalt. Sie ist in aller Munde, genießt sogar staatlichen Schutz. Es werden enorme Anstrengungen unternommen, um Biodiversität zu bewahren. Wichtige Mosaiksteinchen darin sind auch die Ackerwildkräuter. Mit einer speziellen Aktion soll in unserer Region nun auf sie besonders aufmerksam gemacht werden.

Ackerwildkräuter bieten Abwechslung in der oft einheitlichen Agrarlandschaft. Sie sind Lebensraum und Nahrung für eine Vielzahl heimischer Tierarten. Dies machten Barbara Ströll und Richard Lehmeier beim Pressegespräch deutlich.

Die Managerin der Öko-Modellregion und der Geschäftsführer des Landschaftspflegeverbandes warben für den Ackerwildkraut-Wettbewerb, zu dem sich auch aus dem Landkreis und der Stadt Amberg konventionell und ökologisch wirtschaftende Betriebe bei der Landesanstalt für Landwirtschaft noch bis 15. April anmelden können.

SRZ: Warum wird jetzt plötzlich um die Ackerwildkräuter so ein Aufhebens gemacht?

Richard Lehmeier: Mit dem Beginn des Ackerbaus vor Tausenden von Jahren haben wir auch Platz für dort vorkommende Wildkräuter geschaffen. Nun geht aber die Vielfalt immer mehr zurück, viele von ihnen gehören inzwischen zu den seltenen und gefährdeten Pflanzenarten. Der Wettbewerb geht auf die Suche nach den Kleinoden unter den Äckern, die Lebensraum für Wildkräuter bieten und damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt leisten.

Wie sieht die Situation bei uns aus? Was bietet hier der Landkreis?

Lehmeier: Gerade die Oberpfalz bietet mit ihren abwechslungsreichen Landschaften und vielfältigen Standorten ein großes Potenzial an wertvollen Ackerlebensräumen. Besonders auf weniger ertragreichen Böden greifen mancherorts bereits Schutz- und Förderprogramme.

Können Sie ein konkretes Beispiel im Landkreis nennen?

Barbara Ströll: Ja, hier wären die Kalkscherbenböden im Jura beziehungsweise im Birgland ein Thema. Werden diese aufgrund erschwerter Bewirtschaftung aufgelassen, bedeutet dies unweigerlich auch den Verlust der auf diesen Untergrund angewiesenen Kräuterarten. Acker-Rittersporn, Frauenspiegel oder Sommer-Adonisröschen verschwinden.

Es gibt also hier eindeutige Wechselbeziehungen. Was aber führt zu diesen Rückgängen?

Lehmeier: Seit gut 60 Jahren belegen zahlreiche wissenschaftliche Studien einen massiven Rückgang der Ackerwildkrautflora. Ursachen dafür sind der Einsatz von chemisch-synthetischen Herbiziden, Vereinheitlichung der Äcker durch mineralische Düngung, Veränderung der Anbauverhältnisse und der Saat- und Erntetechnik sowie Vergrößerung und Vereinheitlichung der Ackerschläge. Auch die Umwandlung ertragsschwacher Flächen, die Saatgutreinigung und das Verschwinden alter Spezialkulturen wirken sich hier negativ aus.

Gibt es nicht auch Unkräuter in den modern bearbeiteten Agrarflächen?

Ströll: Ja, natürlich. Ackerbauliche Maßnahmen wie die Vereinfachung der Fruchtfolge, hoher und stetiger Maisanteil, hohe mineralische Stickstoffdüngung, Mähdrusch und Herbizidanwendung führten zur starken Zunahme von Ackerwildkräutern, die an den zunehmend technisierten Anbau angepasst und zu "Problem-Unkräutern" geworden sind. Im Getreide- und Maisanbau entwickeln bestimmte Arten zunehmend Resistenzen gegenüber Herbiziden.

Diese Situation kann Artenschützer sicher nicht zufriedenstellen?

Lehmeier: Ja, denn die ackerbauliche Revolution führte zwar zu Ertragssteigerungen, aber als Begleiterscheinung auch zum Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und damit zu einem Artenrückgang.

Dann sucht der Wettbewerb der Landesanstalt für Landwirtschaft wohl nach den "heilen Inseln"?

Ströll: Wir wollen die Landwirte stolz machen, die noch solche intakte Flächen bewirtschaften. Sie sollen sich melden und mitmachen. Wir wollen natürlich auch wissen, wo diese bedrohten Arten vorkommen. Hinweise auf entsprechende Förder- und Beratungsmöglichkeiten für Landwirte von uns gehören hier ebenso dazu.

WettbewerbDie Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) schreibt mit dem Bund Naturschutz (BN), dem Deutschen Verband für Landschaftspflege (DVL) und den Bioverbänden zum zweiten Mal einen "Ackerwildkraut- Wettbewerb" aus. Austragungsregion 2016 ist die Oberpfalz. Landwirte können sich dazu für mehr Artenvielfalt auf ihren Äckern anmelden.

Mitmachen kann jeder landwirtschaftliche Betrieb in der Oberpfalz, der solche Arten auf einem seiner Äcker vermutet. Anmeldeformulare liegen bei den Ämtern für Landwirtschaft, den Landschaftspflegeverbänden und den BN-Kreisgruppengeschäftsstellen aus. Die Anmeldung ist auch per Internet möglich unter: www. lfl.bayern. de/Ackerwildkraut-Wettbewerb. Nur die ersten 50 Anmeldungen können berücksichtigt werden.

Bewerbungen sind noch bis zum 15. April möglich. Danach werden die Flächen bewertet und die 15 besten ausgewählt. Konventionelle und Bio-Äcker werden getrennt bewertet. Generell sind alle Landwirte angesprochen. Auch ohne Teilnahme bietet der Landschaftspflegeverband und die Öko-Managerin Beratungen an. (oy)
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