DGB-Ortskatell und Verdi-Ortsverein diskutieren über Methoden von Arbeitgebern, Betriebsarbeit ...
Mit Betriebsrat produktiver und weniger krank

"Um die Gründung eines Betriebsrates zu verhindern oder die Tätigkeit unliebsamer Mitglieder des Gremiums zu behindern, setzen Arbeitgeber gelegentlich härtere Bandagen ein." Zitat: Frank Leibig
Wirtschaft
Sulzbach-Rosenberg
11.06.2016
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Ein Vertrauensverhältnis soll zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat herrschen. So steht es im Betriebsverfassungsgesetz. Die Wirklichkeit sieht in manchen Betrieben aber anders aus.

Gewerkschaften zerschlagen, Betriebsratstätigkeit be- oder verhindern: "Das gehört noch immer nicht der Vergangenheit an", erklärt der ehemalige Verdi-Gewerkschaftssekretär Frank Leibig. Bei einer Informationsveranstaltung des DGB-Ortskartells und des Verdi-Ortsvereins im Gasthof Bayerischen Hof schilderte er Methoden, die von manchen Arbeitgebern angewandt würden.

Nicht nur im privaten Sektor


In Betrieben, die gewerkschaftlich gut organisiert sind, gehöre die Zusammenarbeit zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat zum guten Ton und Firmenimage, das gepflegt werde, sagte der DGB-Ortskartellvorsitzende Wolfgang Berndt einleitend. Leider sei das aber nicht überall der Fall. "Behinderungen und Einschränkungen der Betriebsrats- und Personlratstätigkeit sind nicht auf den privaten Sektor beschränkt", ergänzte der Verdi-Ortsvereinsvorsitzende Manfred Weiß.

Zum eigenen Nachteil


Der eine oder andere Arbeitgeber habe enorme Schwierigkeiten damit, wenn Arbeitnehmervertreter mitreden oder gar mitentscheiden wollten. Ein Grund dafür könnte der "Herr-im-Haus-Standpunkt" sein. Der Chef, der darauf pocht, handle mitunter aber zum eigenen Nachteil, meinte Leibig.

So liege die Produktivität in Betrieben mit Betriebs- und Personalräten im Vergleich zu anderen Firmen und öffentlichen Einrichtungen erheblich höher. Gleichzeitig registrierten sie einen niedrigeren Krankenstand. Dennoch würden Argumente wie "Um Probleme zu lösen, brauchen wir keinen Betriebsrat" in Umlauf gebracht, um Belegschaften von einer Wahl abzuhalten.

"Um die Gründung eines Betriebsrates zu verhindern oder die Tätigkeit von unliebsamen Betriebsräten zu behindern, setzen Arbeitgeber gelegentlich auch härtere Bandagen ein", kritisierte Frank Leibig. Er nannte den Einsatz von Detektiven, die das Privatleben sogenannter "Rädelsführer" ausschnüffeln. Lasse sich die Wahl auch mit solchen Mitteln nicht verhindern, würden die Einschüchterungen auch schon mal auf die gesamte Belegschaft ausgedehnt. Zur Palette gehöre beispielsweise das laute Nachdenken über eine Verlagerung oder Schließung des Betriebes.

Da wo es Betriebsräte gibt, gestalte sich die Zusammenarbeit nicht wie immer so, wie es sich das Gesetz vorstellt. Informationen über personelle, soziale und wirtschaftliche Angelegenheiten würden vorenthalten oder erst so spät mitgeteilt, dass der Betriebs- oder Personalrat darauf nicht mehr reagieren könne. Ziel sei es, ihn von der Belegschaft zu isolieren, das Gremium zu spalten und zur freiwilligen Aufgabe zu bewegen.

Geld- oder Haftstrafen


Die Methode, Betriebsräte wegen angeblicher Pflichtverletzung mit Klagen zu überziehen und beim Arbeitsgericht ihre Amtsenthebung zu erwirken, habe Vorbilder in den USA. Dort werde das "Union Busting" genannt, was übersetzt "Gewerkschaften zerschlagen" bedeute. "Die Behinderung der Wahl eines Betriebsrates oder seiner Tätigkeit ist kein Kavaliersdelikt", wies Frank Leibig auf empfindliche Geldbußen oder sogar Haftstrafen hin, die das Gesetz dafür vorsehe.

Um die Gründung eines Betriebsrates zu verhindern oder die Tätigkeit unliebsamer Mitglieder des Gremiums zu behindern, setzen Arbeitgeber gelegentlich härtere Bandagen ein.Frank Leibig
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