Geschäftsführer Dr. Stefan Weniger zur Zukunft des Rohrwerks
"Nachhaltig rentabel werden"

Im Rohrwerk Maxhütte, das zur Aicher-Gruppe gehört, wird derzeit an einem neuen Konzept gearbeitet, um das Unternehmen für die Zukunft fit und wettbewerbsfähig zu machen. Basis dafür soll nach Angaben der Geschäftsführung unter anderem der Abbau von 115 Beschäftigten sein. Bild: Gebhardt
Wirtschaft
Sulzbach-Rosenberg
01.03.2016
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Wir versuchen, die Zahl der Kündigungen so gering wie möglich zu halten, indem wir einzelnen Mitarbeitern Aufhebungsverträge mit Abfindungen anbieten.

Die Lage ist angespannt im Rohrwerk. Nach den Vorstellungen der Geschäftsführung sollen 115 Stellen abgebaut werden. Bei einer Belegschaftsveranstaltung standen am Montag Informationen zu geplanten Aufhebungsverträgen im Mittelpunkt. Auch zur künftigen Ausrichtung der Produktion liegen jetzt erste Erkenntnisse vor.

Der mit der Sanierung des Unternehmens beauftragte Geschäftsführer Dr. Stefan Weniger äußerte sich im SRZ-Interview zur Situation, zu den Ursachen der Schieflage und zu den geplanten Maßnahmen, die das Rohrwerk wieder in die Spur bringen und zukunftsfähig machen sollen.

SRZ: Herr Dr. Weniger, wie ist die wirtschaftliche Lage des Rohrwerks aktuell?

Dr. Stefan Weniger: Wir sind in einer Existenz bedrohenden Situation. Die beiden letzten Jahre hat das Rohrwerk einen Verlust von über zwölf Millionen Euro gemacht. Der Fortbestand war nur dadurch gesichert, dass der Gesellschafter das Unternehmen massiv unterstützte.

Wie konnte es zu diesen enormen Verlusten kommen?

Weniger: Der Markt für Rohre ist von zwei Seiten unter Druck. Zum einen gibt es einen erheblichen Preisverfall, mehr als 20 Prozent in den vergangenen fünf Jahren, zum anderen geht die Nachfrage deutlich zurück. Hier betrug das Minus über 30 Prozent. Der Grund liegt darin, dass in Fernost sehr große Produktionskapazitäten aufgebaut wurden. Als weiterer Grund für die aktuelle Lage spielen der Ölpreisverfall und die Energiewende eine Rolle.

Was will das Management tun, um das Unternehmen aus dieser Situation heraus zu führen?

Weniger: Das geht nur gemeinschaftlich. Management, Belegschaft und Gesellschafter müssen an einem Strang ziehen. Wir haben in der Geschäftsführung ein umfassendes Konzept erarbeitet, um das Unternehmen und den Standort zu erhalten. Unser strategischer Ansatz ist es, höherwertige Produkte zu verkaufen, die höhere Margen haben und anspruchsvoller in der Produktion sind.

Dazu werden wir den Vertrieb stärken, aber auch die Produktion umstellen. Es gilt, eine geringere Menge kostenoptimiert zu fertigen. Dazu müssen wir nicht nur intern Kapazitäten abbauen, sondern auch die Produktivität erhöhen. Nur so werden wir nachhaltig rentabel.

Was genau bedeutet das für die Beschäftigten des Rohrwerks?

Weniger: Es wird zwei Einschnitte geben: Die Anpassung der Kapazität und die Reduzierung der Arbeitskosten. Wir müssen insgesamt 115 Stellen abbauen. Derzeit verhandeln wir mit dem Betriebsrat, wie dies sozialverträglich erfolgen kann. Wir versuchen, die Zahl der Kündigungen so gering wie möglich zu halten, indem wir einzelnen Mitarbeitern Aufhebungsverträge mit Abfindungen anbieten. Gleichzeitig müssen wir die Arbeitskosten senken. Wir verhandeln mit der Gewerkschaft über eine Ausweitung der Arbeitszeit auf 40 Stunden bei Bezahlung von 35 Stunden. Nur so können wir die verbleibenden 401 Arbeitsplätze in Sulzbach-Rosenberg erhalten.

Reaktion"Wir werden am Donnerstag, 3. März, für die Belegschaft des Rohrwerks Maxhütte eine Beratung zu den von der Geschäftsführung angebotenen Aufhebungsverträgen anbieten", informierte Udo Fechter von der IG Metall.

Der 2. Bevollmächtigte erklärte nach der Veranstaltung am Montag im Rohrwerk am SRZ-Telefon, dass die Gewerkschaft alles daran setzen werde, um die Zahl der Kündigungen beim Stammpersonal so gering wie möglich zu halten. Hier fordert die IG Metall zunächst den vollständigen Abbau der Leiharbeiter und Werkverträge. "Das bedeutet harte Arbeit, aber wir befinden uns in den Verhandlungen mit der Geschäftsführung auf einem guten Weg", betonte Fechtner. Beim Thema "Sozialplan" gebe es noch keine Ergebnisse. Die nächste Runde zu den Tarifverhandlungen ist am Mittwoch, 9. März, angesetzt. (oy)
Wir versuchen, die Zahl der Kündigungen so gering wie möglich zu halten, indem wir einzelnen Mitarbeitern Aufhebungsverträge mit Abfindungen anbieten.Geschäftsführer Dr. Stefan Weniger
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