Golf- und Landklub Königstein: Präsident Klaus Wagner meldet Insolvenz an
Unschuldig in die Insolvenz

Alle Bemühungen verliefen im Sande, weil die KG keine Bilanzen vorlegen konnte.
Wirtschaft
Sulzbach-Rosenberg
04.03.2015
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Er hat den wohl schwersten Schritt gehen müssen, den ein Vereins-Chef nur gehen kann: Klaus Wagner, der Präsident des Golf- und Landklubs Königstein, meldete am 2. März Insolvenz an. Trotz eines respektablen Vermögens sieht sich der GLC unverschuldeten Forderungen von rund 25 000 Euro gegenüber. Und das ist nicht zu schultern.

25 Jahre Bestehen wollte man heuer feiern - daraus wird nun nichts: Bei der letzten Mitgliederversammlung des Clubs zog Klaus Wagner eine bittere Bilanz. Erst vor zehn Monaten war er als Präsident mit dem neuen Vorstand gewählt worden - "weder wir noch die Mitglieder konnten sich damals vorstellen, dass das Ende auch für unseren Golfclub so schnell kommen würde." Noch im Juli, so berichtete Wagner, habe der Verein in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung versucht, eine Möglichkeit zu finden, um eine Insolvenz der angeschlagenen Betreibergesellschaft Königsteiner Golfanlagen KG noch zu verhindern. "Der Versuch scheiterte, da die KG kein zukunftsorientiertes Konzept aufweisen konnte."

Kein Zukunftskonzept

Die Katastrophe begann dann am 1. November 2014, als die Königsteiner Golfanlagen KG Insolvenz anmeldete. Parallel dazu kam, dass der Insolvenzverwalter dem Golfclub die satzungsgemäße Grundlage entzog, indem er am 31. Oktober 2014 den Nutzungsvertrag für die Golfanlage fristlos kündigte. Außerdem wurde der Platz gesperrt.

"Diese beiden Maßnahmen führten dazu, dass wir den Spielbetrieb einstellen mussten", erinnerte Klaus Wagner. "Wir haben noch versucht, mit externer Beratung eine neue GmbH oder eine Genossenschaft zu gründen. Alle Bemühungen verliefen im Sande, weil die KG keine Bilanzen vorlegen konnte."

Erfolglose Anstrengung

Als letzte Möglichkeit kam dann ein Angebot des Golfclubs Gerhelm. Dessen Besitzer hätte die Anlage gerne weiterbetrieben, wenn vom GLC mindestens 220 Mitglieder die geforderten Nutzungsberechtigungsverträge unterschrieben hätten.

"Im Nachhinein", bilanzierte Klaus Wagner, "muss man feststellen, dass auch unsere Mitglieder eine gewisse Verantwortung hatten, denn wenn von 526 nur 170 bereit sind, einen neuen Vertrag zu unterschreiben, ist das Vorhaben zu Scheitern verurteilt." Dazu hätten noch drei Eigentümer ihre Grundstücke nicht mehr weiter verpachten wollen. Daraufhin habe der Vorstand seine Aktivitäten eingestellt.

Erhöhte Verbandskosten

Die Kassenlage dagegen schien zunächst zufriedenstellend: Rund 21 000 Euro lagen auf der Bank. Der Vorstand erhielt fast einstimmige Entlastung. Doch das Vereinsvermögen war durch Personal- und Anwaltskosten bis zur jüngsten Mitgliederversammlung auf rund 10 000 Euro abgeschmolzen. "Durch Unregelmäßigkeiten in der Mitgliederverwaltung des Betreibers", so Wagner, seien erhöhte Verbandskosten entstanden. Der Deutsche Golfverband habe dem GLC den Betrag von 10 000 Euro vorerst gestundet.

Wegen Schließung des Gebäudes in Namsreuth am 1. November 2014 stand dem Verein kein Büroarbeitsplatz mehr zur Verfügung. Trotzdem seien bis Ende Februar noch circa 13 000 Euro Personalkosten zu tragen. "Zusammen mit Abrechnungsbeträgen der Berufsgenossenschaft, einer ausstehenden Beraterrechnung und den gestundeten Vereinsbeiträgen wären für 2015 noch 25 000 Euro aufzubringen. Da es keine Einnahmen mehr gibt (der überwiegende Teil der Mitglieder hat gekündigt), steht dem nur mehr das Vermögen von 10 000 Euro gegenüber", verkündete der Präsident.

Vor Vorwurf schützen

Was war zu tun? Um den Vorstand vor dem Vorwurf einer Insolvenzverschleppung zu schützen, stellte eine Gruppe von Mitgliedern bei der Versammlung den Antrag, die Vereinsführung zu beauftragen, schnellstens Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsunfähigkeit zu stellen. Dies nahmen die Mitglieder fast einstimmig an. Wagner blieb am Ende nur noch, für das Vertrauen in den GLC über die Jahre zu danken.
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