Große Leerstände im Liliencenter
Welkt die Lilie bald vor sich hin?

Ein Textilangebot auf riesigen Flächen wartet auf die Besucher in der oberen Ebene. Bilder: Gebhardt (3)
Wirtschaft
Sulzbach-Rosenberg
15.01.2016
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Sie zieht (neben dem Lebensmittler) die meisten Kunden an: Die Postfiliale mit Schalter und Bank wird gut frequentiert.

Der Parkplatz ist voll, im Café herrscht Betrieb, auch sonst überall einige Kunden: Im Lilien-Center herrscht Betrieb, trotz der vielen Leerstände. Wie geht es weiter, was ist mit neuen Mietern, welche Zukunft hat der vor 15 Jahren errichtete Bau? Die Eigentümer halten sich merkwürdig bedeckt.

Im September 2001 eingeweiht, weist das Liliencenter eine Gesamtverkaufsfläche von über 6000 Quadratmetern auf und verfügt über mehr als 300 Parkplätze, verteilt auf drei Ebenen. In dem Gebäudekomplex waren anfangs neben einem Super- und einem Drogeriemarkt die Postfiliale, mehrere kleine Geschäfte und verschiedene gastronomische Einheiten untergebracht.

Doch die Mieter wechselten ständig oder blieben ganz weg. Inzwischen stehe viele Hundert Quadratmeter leer, besonders in der oberen Etage. Nachmieter sind wohl nicht in Sicht. Man hört von relativ teuren Quadratmeterpreisen, und die kleinen Geschäfte sind fast alle verschwunden: Eisdiele, Friseur, Holzartikel, Optiker, Mode etc..

Post geht nicht


Seit einigen Wochen macht ein hartnäckiges Gerücht die Runde: Die Postbank wolle sich verabschieden. Damit wäre der absolute Magnet des Gebäudes verloren. Die SRZ fragte nach und kann nun Entwarnung signalisieren: Sowohl die Pressestelle der Deutschen Post als auch der Geschäftsführer der Eigentümer-Holding Lincoln in Frankfurt, Henning Heinemann, erklärten, es gebe derzeit keine Bestrebungen, diesen Mietvertrag zu kündigen. Wie es denn weitergehe mit dem Lilien-Center, wollten wir von Heinemann wissen: "Das steht noch nicht fest", meinte er, deswegen gebe es wohl auch zur Zeit keine Bestrebungen, den massiven Leerstand zu bekämpfen. Lincoln hatte 2006 das gesamte Einkaufscenter für 7,8 Millionen Euro gekauft. Inzwischen gibt es auch eine "Liliencenter Sulzbach-Rosenberg Projektentwicklung GmbH & Co. KG" mit Sitz in Grasbrunn bei München.

Ihre Aufgabe ist laut Handelsregister "insbesondere die Durchführung einer Projektentwicklung/Revitalisierung eines innerstädtischen Einkaufscenters in Sulzbach-Rosenberg sowie deren Verwertung, Beteiligung an Unternehmen und alle Tätigkeiten, die zur Erreichung dieses Unternehmensgegenstandes dienlich und förderlich sind".

Interesse wäre da


Momentan sind ansässig im Lilien-Center die Firmen NKD, KiK, Mister+Lady Jeans, Deichmann, Netto, Bäckerei/Café Übler, ein Schreibwarengeschäft und natürlich die Post-Filiale. Es herrscht doch einiger Betrieb, zumindest am Vormittag, und eine Belebung durch weitere attraktive Angebote wäre zu begrüßen. Aber der Eigentümer sagt dazu momentan gar nichts.

Quo vadis, Einkaufscenter?
Angemerkt von Joachim Gebhardt

Das klang nicht sehr beruhigend: Es stehe noch nichts fest, meinte der Geschäftsführer der Eigentümer-Holding zur Zukunft des Liliencenters und den großen Leerständen. Das kann viel bedeuten: Das Objekt ist abgeschrieben und wird wieder verkauft, zum Beispiel. Oder es existiert ein neues Konzept, in dem bestehende Branchen keinen Platz mehr haben. Vielleicht gibt es aus steuerlichen Gründen auch gar keinen Anreiz für mehr Mieteinnahmen.

Aber so ein Konzern lässt sich halt nicht in die Karten schauen. Die Stadt steht nach Aussage von Verantwortlichen genauso vor einem Rätsel. Vielleicht spielt ja sogar der Verkauf der alten Storg-Immobilie noch einmal eine Rolle für die Zukunft des Bereichs?

Tatsache ist, dass das Lilien-center schon 2001 planerisch zurückgefahren wurde - der damals avisierte "McDonalds-Turm" kam nie. Fünf Jahre später dann die Zwangsversteigerung, nachdem das Objekt wegen Insolvenz des Erbauers bei weiter laufendem Betrieb unter Zwangsverwaltung stand. Einige einheimische Handwerksbetriebe nahmen damals als Gläubiger erheblichen finanziellen Schaden - man erinnert sich.

32 Millionen Mark hat es seinerzeit gekostet, für 7,8 Millionen Euro wurde es 2006 verkauft, und was jetzt aus dem Liliencenter wird, das weiß niemand. Aber die Lilie ist nicht nur eine Wappenblume, sondern auch eine Heilpflanze. Deren Wirkung wäre jetzt wohl dringend nötig.

joachim.gebhardt@zeitung.org
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