Investitionen in Rohrwerk Maxhütte (RMH)
"Aicher soll investieren"

Mit dem 2. Bevollmächtigten der IG-Metall-Verwaltungsstelle Amberg, Udo Fechtner (Zweiter von rechts) fordern die Belegschaftsvertreter des Rohrwerks Investitionen für das Unternehmen (von links): stellvertretender Betriebsratsvorsitzender Norbert Scharf, Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz König und stellvertretender VK-Leiter Jürgen Schlegel. Bild: Huber
Wirtschaft
Sulzbach-Rosenberg
21.05.2015
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Die Nachbarn rundherum investieren. Unübersehbar stecken Firmen im Umfeld des Rohrwerks Maxhütte (RMH) reichlich Geld in Anlagen und Gebäude. Nicht so bei der Aicher-Niederlassung: IG Metall und Betriebsrat sprechen von Investitionsstau, aber auch von sechsstelligen Verlusten im vergangenen Jahr. Und davon, dass das Unternehmen den Beschäftigten spürbar in die Lohntüte greifen möchte.

Wie es tatsächlich um die aktuelle wirtschaftliche Lage des Rohrwerks bestellt ist, wollen die Metall-Gewerkschafter durch ein unabhängiges Gutachten erfahren, das von ihnen in Auftrag gegeben wurde und Anfang Juni auf den Tisch kommt. Dass das Rohrwerk nicht mehr auf Rosen gebettet ist, wurde spätestens Ende 2014 deutlich, als die örtliche Geschäftsführung - Sprecher Dirk Mahnke, Harry Nimmerjahn, Siegfried Gierl - Veränderungen bei Schichtmodellen und Arbeitszeiten gefordert hatte. Bald darauf sei von einem Minus in sechsstelliger Höhe die Rede gewesen, schildert der 2. IG Metall-Bevollmächtigte aus Amberg, Udo Fechtner, den Ablauf der jüngsten Entwicklungen. Zugleich habe es Begehrlichkeiten seitens der Führung gegenüber der in einem Haus- und Anerkennungstarifvertrag festgezurrten Einmalzahlung von 1700 Euro pro Jahr und Mitarbeiter gegeben. Ein Betrag, der einst als Ersatz für Verzicht auf Weihnachts- und Urlaubsgeld ausgehandelt worden war. Zugleich wollte die Geschäftsführung die für 1. Mai 2015 vereinbarte Tariferhöhung um 1,7 Prozent hinauszögern.

Weitere Variante

Bei einem Treffen zwischen Fechtner und Eigner Max Aicher (Freilassing) brachte der Unternehmensinhaber zudem eine weitere Variante seiner Vorstellungen ins Spiel: Die Rohrwerks-Mannschaft sollte künftig 40 Stunden arbeiten und nur 35 bezahlt bekommen - ohne Zeitausgleich. Schwer verdauliche Kost, wie der 2. Bevollmächtigte sowie Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz König, dessen Stellvertreter Norbert Scharf und der 2. Leiter des IGM-Vertrauenskörpers in der Firma, Jürgen Schlegel, gegenüber Medienvertretern im Brauereigasthof Sperber verdeutlichten. Was dem Quartett gar nicht schmeckte, war, "dass das Rohrwerk in den Zeiten, in denen es gut gelaufen ist, hinsichtlich der Investitionen viel zu wenig gemacht hat". Namentlich zielte Fechtner hier auf Ex-Geschäftsführer Karl Reyzl. Vor dem Hintergrund des angeprangerten Investitionsstaus habe der Aicher-Konzern "über Jahre hinweg gut verdient". Strategien oder Zukunftskonzepte seien nicht zu sehen. Im Gegenteil, klagte Fechtner: "Die einzige Strategie, die wir erkennen können, ist der gewollte Verzicht auf die Einmalzahlung und die Tariferhöhung von 1,7 Prozent."

Verluste zu tragen

Statt das Rohrwerk selbst weiterzuentwickeln, habe die Betriebsstätte in Rosenberg seit Jahren die Verluste der zwei Tochterunternehmen in Polen und Kroatien zu tragen, ebenso wie das Minus des Sportparks samt Hotelbetrieb in Sulzbach. All dies laufe darauf hinaus, dass Aicher einzig von der Belegschaft Zugeständnisse ertrotzen wolle, ohne zu sagen, wie es weitergehe. "Deshalb wenden wir uns jetzt an die Öffentlichkeit", verdeutlichte Fechtner. Und König fügte hinzu: "Wir brauchen Investitionen, um überleben zu können." Aus der Runde heraus war von einem zweistelligen Millionenbetrag die Rede, die man von Aicher erwarte, um die Zukunft des Rohrwerks sichern zu können. Dabei gehe es auch um Perspektiven für die jungen Leute und um die Gewinnung von Nachwuchskräften. Norbert Scharf formulierte dazu den Satz: "Ohne neue Anlagen verliert das Rohrwerk an Attraktivität - das kann zum echten Problem werden." Zusammenfassend empfand es die Runde als positiv, dass die Tariferhöhung von 1,7 Prozent zum 1. Mai unterdessen seitens der Geschäftsführung unterschrieben ist und die Einmalzahlung für 2015 gesichert erscheine. Das sei Gegenwart, es gehe aber um die Zukunft.
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