Landwirte schlagen Alarm
„Unerträglicher Machtkampf“

Johann Ertl von der Münchener Geschäftsstelle des Bauernverbandes plädierte dafür, dass Landwirte mehr Werbung in eigener Sache machen und dadurch verlorengegangenes Vertrauen zurückgewinnen sollen. Bild: bt
Wirtschaft
Sulzbach-Rosenberg
24.03.2016
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Landwirte haben es nicht leicht. Viele Preise für ihre Produkte befinden sich im Keller. Zudem haben einige Verbraucher das Vertrauen in die Herstellung von Lebensmitteln verloren. Beides gilt es zu ändern.

Sulzbach-Rosenberg. (bt) "Viele Preise liegen am Boden, befinden sich sogar im Keller", sagte Bauernverbandspräsident und Kreisobmann Franz Kustner bei der Ortsobmännertagung im Kauerhofer Gasthaus Zum Wulfen. Damit das nicht noch schlimmer, sondern besser wird, habe die Konferenz der BBV-Präsidenten eine Reihe von Forderungen aufgestellt. Zu den verlangten Maßnahmen zähle ein Programm zur Existenzsicherung bäuerlicher Familienbetriebe, eine weitere Beitragsentlastung bei der Sozialversicherung und ein Abbau der negativen Auswirkungen des Russland-Embargos. Es dürfe keine neuen Auflagen oder zusätzliche Bürokratie aus Brüssel, Berlin und München geben. Diese müssten stattdessen abgebaut werden.

78 Millionen reichen nicht


Es sei unerträglich, dass der Machtkampf der Handelskonzerne auf dem Rücken der Landwirtschaft ausgetragen wird, kritisierte Kustner. Damit müsse Schluss sein. Zwar wurde ein Programm zur Liquiditätshilfe auf den Weg gebracht und ein Zuschuss von 78 Millionen Euro für die landwirtschaftliche Unfallversicherung erreicht, doch das reiche nicht aus.

Durch eine bessere Öffentlichkeitsarbeit wieder punkten, das forderte Johann Ertl. Er ist Referent für Tierhaltung und Tierschutz in der Münchener Geschäftsstelle des Bauernverbandes. Die Tierhaltung werde immer öfter an den Pranger gestellt. Es existierten auch Bürgerinitiativen, die den Stopp von angeblichen Tierfabriken forderten. Zwar sei es richtig, wenn der Verband dagegen mit Stellungnahmen vorgehe, doch die Landwirte selbst seien die glaubwürdigsten Botschafter. Als Beispiel nannte er Aktionen wie Stallbesuche.

60 Kilo pro Person und Jahr


Der Pro-Kopf-Verbrauch von Fleisch sei lange rückläufig gewesen, habe sich aber seit 2014 stabilisiert und sei im Vorjahr bei rund 60 Kilogramm pro Person gelegen. Während der Verzehr von Rind-, Schweine- und Kalbfleisch weiter rückläufig sei, werde mehr Geflügel gekauft. Die Turbulenzen auf dem Schweinemarkt beinhalten laut Ertl auch, dass die Spanne zwischen Erzeuger- und Verbraucherpreise zugenommen habe. Den Druck vom Schweinemarkt bekommen die Ferkelerzeuger über den Preis und über die verminderte Aufstallbereitschaft zu spüren. Der überregionale Angebotsdruck aus dem Osten und besonders aus den Niederlanden und Dänemark wirkten sich ebenfalls negativ aus, so dass die wirtschaftliche Situation auch in diesem Bereich extrem angespannt sei.

Partner der Politik


Der Bauernverband setze sich dafür ein, von der Politik und dem Handel als Partner betrachtet zu werden. Dies beinhalte auch Diskussionen über das Tierschutzgesetz, über das Veröden der Hornanlage, das Schlachten trächtiger Rinder oder die Ferkelkastration. Bei dieser sollte die Forschung vorangetrieben werden, um einen für das Tier schmerzfreien Weg zu finden. Dann könne der Landwirt kastrieren und gleichzeitig den Anforderungen des Tierschutzes genügen. Soll die bäuerliche Landwirtschaft eine Zukunft haben, müsste Wirtschaftlichkeit und Tierwohl die gleiche Beachtung erfahren.

In einigen Bereichen der Landwirtschaft gehe es beim Preis bereits an die Substanz, gab Landwirtschaftsdirektor Josef Schmid zu bedenken. Deshalb sollte alle Landwirte - unabhängig von der Produktion - zusammenhalten und sich nicht gegeneinander ausspielen lassen.
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