Milcherzeugergemeinschaft Sulzbach-Rosenberg zieht Bilanz
Beim Milchpreis in Bayern spitze

Einen Spitzenplatz der MeG beim Milchauszahlungspreis sahen Christian Seemüller, der Geschäftsführer der Bayern MeG, und der örtliche Vorsitzende Erich Pilhofer. Bild: bt
Wirtschaft
Sulzbach-Rosenberg
05.03.2016
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Gemeinsam kann man mehr erreichen. Diese Einsicht setzt sich offenbar bei den Milchbauern durch.

Bei der Generalversammlung der Milcherzeugergemeinschaft (MeG) Sulzbach-Rosenberg im Wagnersaal konstatierte deren Vorsitzender Erich Pilhofer, mit dem Milchauszahlungspreis 2015 (inklusive der Nachzahlungsrunde) nehme die MeG innerhalb von Bayern einen Spitzenplatz ein. Damit habe sich das System der Preisverhandlungen bewährt.

Nicht zum Nulltarif


Das ändere aber nichts daran, dass der Milchpreis im Keller sei und man befürchten müsse, dass er noch weiter sinke. Die Auflagen durch den Einzelhandel wirkten sich zusätzlich negativ auf die landwirtschaftlichen Betriebe aus. "Diese Forderungen sind nicht zum Nulltarif zu haben", meinte Pilhofer. Nicht hinnehmbar seien auch die geforderten verstärkten Kontrollen auf den Bauernhöfen: "Werden auch die Betriebe in Bangladesch in gleicher Weise kontrolliert, in denen Textilien unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert werden, die der deutsche Handel verkauft?"

Die heimische Landwirtschaft biete Lebens- und Nahrungsmittel in hervorragender Qualität an. Leider werde dies oft in der Öffentlichkeit, in der immer mehr der Grundsatz "alles billiger" vorherrsche, nicht so gesehen, bedauerte der stellvertretende Landrat Franz Birkl. Dazu komme, dass die Verbraucher für die Ernährung wesentlich weniger ausgäben als für andere Produkte.

BBV-Bezirkspräsident Franz Kustner sagte: "Niedrige Preise und gleichzeitig immer mehr Forderungen sind von der Landwirtschaft nicht realisierbar. Wer mehr Auflagen will, der muss auch die nötigen finanziellen Mittel bereitstellen." Kritisch äußerte sich Kustner zu Untersuchungen über die Verwendung von Pflanzenschutzmitteln. Wer realistische Ergebnisse wolle, müsse neutrale Institute beauftragen.

Ludwig Wild vom Einkauf der Molkerei Zott aus Mertingen erläuterte, ein verarbeitender Betrieb könne die internationalen Rahmenbedingungen nicht ändern, aber er könne versuchen, wirtschaftlich besser als die Mitbewerber zu sein. Darum beschränke sich das Engagement von Zott nicht auf Deutschland und die EU. Man sei in 75 Ländern tätig. Es gebe in einigen Regionen der Welt noch weiße Flecken, in denen keine Zott-Produkte verkauft würden, "doch die werden auch noch rot".

Dass die Milcherzeuger eine ausreichende Bezahlung fordern, sei richtig. "Entscheidend aber ist, dass die Milchprodukte auch vom Verbraucher gekauft werden." Deshalb sollte der Konsument für Milcherzeuger und -verarbeiter immer im Mittelpunkt stehen.

Fast in allen entscheidenden Ländern sei zwischen Februar 2015 und 2016 die erzeugte Milchmenge gestiegen, schilderte der Geschäftsführer der Bayern MeG, Markus Seemüller. In Deutschland um 4,8 Prozent, in Österreich um 8,1, in den Niederlanden um 16,6 und in Irland sogar um 30,3 Prozent. Auf Ebene der EU sei im Vergleich von November 2014 zu 2015 knapp 5 Prozent mehr Milch produziert worden.

Obwohl Ölpreisverfall, politische Unruhen, weniger Bedarf in China und das Russland-Embargo die Nachfrage gedrückt hätten, sei 2015 beim Export von Milchprodukten ein neuer Mengenrekord aufgestellt worden. Kritisch sei aber, dass dabei die Erlöse deutlich nachgegeben hätten.

Mehr Marktmacht schaffen


Ein Problem sei die wachsende Differenz der Milchpreise zwischen Nord und Süd. Deshalb sollte die Vermarktung bei den Milchpreisverhandlungen koordiniert und das Markengeschäft gestärkt werden. Dabei müsse der Grundsatz gelten, "dass der Wurm dem Fisch schmecken sollte und nicht dem Angler". Als Ziele für die Zukunft nannte Seemüller, möglichst viele MEGs unter ein Dach zu bringen, um die Verhandlungsposition der Landwirte zu stärken und somit ein starker Partner der Molkereien zu sein.
Werden auch die Betriebe in Bangladesch in gleicher Weise kontrolliert, in denen Textilien unter menschenunwürdigen Bedingungen produziert werden, die der deutsche Handel verkauft?Erich Pilhofer
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