Neues Konzept für Rohrwerk Maxhütte gesucht
115 Arbeitsplätze in Gefahr

Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz König (links) und 2. IG Metall-Bevollmächtigter Udo Fechtner informierten über die Forderungen der Rohrwerk-Geschäftsführung.
Wirtschaft
Sulzbach-Rosenberg
15.02.2016
2148
0

Der Vorschlag der Geschäftsführung: Abbau von 115 Arbeitsplätzen im Rohrwerk. Mit dieser Zahl sehen sich Betriebsrat und Tarifkommission der IG Metall nach der letzten Gesprächsrunde am Rosenmontag konfrontiert. Die Reduzierung der Belegschaft ist aber nur ein Teil der Forderungen der Arbeitgeber, um das angeschlagene "Schiff Rohrwerk" wieder auf Kurs zu bringen.

"Es ist unser erklärtes Ziel, den betriebsbedingten Personalabbau im Rohrwerk so gering wie möglich zu halten", gab Udo Fechtner, 2. Bevollmächtigter der IG Metall, beim Pressegespräch die klare Marschrichtung vor. Geschäftsführer Dr. Stefan Weniger habe die Arbeitnehmervertreter im Zuge der Verhandlungen über den Haustarifvertrag über die Vorstellungen zum Personalabbau und die Forderungen an die IG Metall zur Tarifsituation vor einer Woche informiert.

Investitionen fehlen


Betriebsratsvorsitzender Karl-Heinz König beklagte in diesem Zusammenhang die ausgebliebenen Investitionen beim zur Aicher-Gruppe gehörenden Röhrenhersteller, die den Betrieb für die Zukunft hätten fit machen können.

Hier wäre zum Beispiel die Anschaffung einer neuen leistungsfähigen Presse das Gebot der Stunde, da sonst der gesamte Herstellungsprozess gefährdet sei.

Diese Versäumnisse in den letzten zehn Jahren lasten die Gewerkschafter den Geschäftsführungen an. Den schlechten Bedingungen am hart umkämpften Röhrenmarkt sei man nun schutzlos ausgeliefert. Die Produktion wurde mittlerweile von 90 000 auf 55 000 Jahrestonnen heruntergefahren. "Seit drei Jahren gibt es kein spruchreifes Konzept für das Rohrwerk, auch beim letzten Treffen konnten keine Details vorgestellt werden. Dr. Weniger musste sich deshalb auf die Tarifforderungen beschränken", kritisierte Fechtner.

Über die Vorstellungen der Geschäftsführung wurden die IG-Metall-Mitglieder am Montag per Tarif- info unterrichtet. Diese Forderungen beinhalten die Anhebung der wöchentlichen Arbeitszeit von 35 auf 40 Stunden unter Beibehaltung der Vergütung von 35 Stunden. Vorgeschlagen wird außerdem der Verzicht auf die tarifliche Einmalzahlung in Höhe von 1700 Euro mit Wirkung ab dem Jahr 2016 sowie die Verschiebung der im November 2015 vereinbarten Tariferhöhung auf den Zeitpunkt der nächsten durch die Vertragsparteien in NRW vereinbarten Erhöhung.

Konzept gefordert


Beim Personal fordere die Geschäftsführung den Abbau von 52 gewerblichen Mitarbeitern und 22 Angestellten sowie 41 von derzeit aktuell 56 eingesetzten Leiharbeitern. Das würde den Abbau von 115 Arbeitsplätzen beim renommierten Röhrenhersteller bedeuten.

"Wenn die Belegschaft schon einen personellen und finanziellen Beitrag leisten muss, ist auch die Geschäftsführung verpflichtet, ein zukunftsfähiges Konzept für das Rohrwerk als einen wichtigen Arbeitgeber in der Region vorzulegen", machten König und Fechtner unmissverständlich klar. Die Gewerkschaft werde in jedem Fall darauf drängen, zunächst sämtliche Leiharbeiter abzubauen, um weitere Arbeitsplätze beim Stammpersonal zu erhalten. Würde diesem Ansinnen gefolgt, kämen bei den regulären Arbeitnehmern noch 59 in Frage. Gebe es dann einen Sozialplan oder Interessensausgleich für über 60-Jährige, würde sich der Abbau tatsächlich auf 30 bis 40 Belegschaftsmitglieder auswirken, die sich auf Jobsuche begeben müssten.

Sozialplan gewünscht


Wie die Gewerkschafter angaben, wird der Betriebsrat am heutigen Dienstag Verhandlungen über einen Sozialplan und Interessensausgleich aufnehmen. Geschäftsführer Siegfried Gierl informiert den Betriebsrat über den geplanten, zukünftigen Schichtbetrieb. (Zum Thema)

GeschäftsführungZu ihren Forderungen wollte die Geschäftsführung des Rohrwerks Maxhütte mit Verweis auf die laufenden Verhandlungen zum jetzigen Zeitpunkt keine offizielle Stellungnahme abgeben. Wie Dr. Stefan Weniger schon am Freitag am SRZ-Telefon angab, sei ihm die hohe Bedeutung des Rohrwerks für die Region durchaus bewusst, ein tragfähiges Zukunftskonzept deshalb unabdingbar. Erklärtes Ziel sei auch Transparenz gegenüber Belegschaft und Öffentlichkeit (SRZ berichtete). Die nächste Verhandlungsrunde ist für Donnerstag, 18. Februar, angesetzt. (oy)

Augenmaß statt Kraftprobe

Von Andreas Royer

Seit Monaten geht die Angst um bei der Belegschaft des Rohrwerks. Der drohende Arbeitsplatzabbau liegt vielen Beschäftigten und deren Familien schwer im Magen. Jetzt werden die Existenzen von 115 Menschen in Frage gestellt. Wird es mich treffen, bin ich dabei? Fragen, die sich viele seit einiger Zeit stellen.

Dass Handlungsbedarf geboten ist, wird von den Tarifparteien nicht bestritten. Jede Seite muss ihren Obolus leisten, um den Röhrenhersteller zukunftsfähig zu machen. Aber hier geht es letztlich um Menschen, die durch ihre Arbeitskraft schon immer ihren Anteil eingebracht haben. Deshalb sind Augenmaß und Weitblick gefragt bei den nächsten Tarifrunden. Die Existenzen sind in jedem Falle wichtiger als Kraftproben.

___



E-Mail an den Autor:

andreas.royer@zeitung.org

Zum Thema

Ausbildung weiter fortsetzen

Sulzbach-Rosenberg. (oy) Wie beim Pressegespräch in der IG-Metall-Verwaltungsstelle Amberg deutlich wurde, fordern Betriebsrat und Gewerkschaft ein realistisches Zukunftskonzept für das Rohrwerk. Dazu gehörten auch entsprechende Investitionen. "Die Zugeständnisse der Arbeitnehmer wirken sich nur aus, wenn etwas verändert wird", sagte 2. Bevollmächtigter Udo Fechtner. Andererseits sollten die Einschnitte für die Beschäftigten so gering wie möglich gehalten werden. Eine Personalreduzierung sei sozialverträglich umzusetzen.

Karl-Heinz König und Udo Fechtner machten sich für weitere Ausbildung stark. Künftigem Einsatz von Leiharbeitern bei eventueller Mehrarbeit erteilten sie eine Absage. Zum Schluss sprachen sie der Belegschaft für ihren Einsatz höchstes Lob aus.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.