Unbefristeter Streik im Briefzentrum Amberg sorgt für Unmut
Verdi: Briefe bleiben liegen

Wenn die Zusteller streiken, braucht man keine Postautos. Die dürfen dann am Briefzentrum - schön aufgereiht - einen Ruhetag einlegen. Bild: Huber
Wirtschaft
Sulzbach-Rosenberg
10.06.2015
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Natürlich wird das Briefzentrum Amberg in Schafhof seit Montagabend unbefristet bestreikt. Das lässt sich nicht wegdiskutieren. Doch über die Auswirkungen sind sich die Deutsche Post und die Gewerkschaft Verdi nicht ganz einig.

Der Kunde merke zum Glück noch relativ wenig vom Streik, meint Eva Kirchesch von der Pressestelle der Deutsche Post DHL Group in München. Sie nennt eine Quote von 88 Prozent der Briefe und 93 Prozent der (bundesweit am Mittwoch 4,1 Millionen) Pakete, die derzeit die Empfänger pünktlich erreichten. "Und bei den anderen dauert es halt ein oder zwei Tage länger."

230.000 Briefsendungen pro Nacht

Das Briefzentrum im Industriegebiet Schafhof der Gemeinde Ebermannsdorf bearbeitet für gewöhnlich jede Nacht rund 230.000 Briefsendungen aus dem kompletten Postleitzahlen-Gebiet 92, die Ausgangspost der Regionen Amberg-Sulzbach, Weiden, Schwandorf und Neumarkt. Wie viele davon jetzt während des Streiks erledigt werden können oder wie viele Beschäftigte pro Schicht noch arbeiten, kann Eva Kirchesch nicht sagen. Johann Kreuzer, der Verdi-Betriebsgruppenvorsitzende des Bereichs Amberg, lehnt sich da weiter aus dem Fenster.

90 Prozent der Belegschaft streikt

Er schätzt, dass eine Schicht derzeit bestenfalls ein Viertel der üblichen Stärke hat. Fast 90 Prozent der Leute, die streiken dürften, seien in den Ausstand getreten. Das wirke sich allmählich immer mehr aus, die Rückstände würden größer. Außerhalb des Briefzentrums seien die Zustellerstützpunkte Ebermannsdorf und Schwandorf bereits im Streik. "Und jetzt werden täglich weitere dazugeschaltet, die dann durchgehend streiken." Ähnlich gehe man bei der reinen Paketzustellung vor, die bisher nur in Amberg bestreikt werde.

Dass Beamte sich als Streikbrecher hergäben, fänden die Kollegen nicht okay, sagt Kreuzer. Sie fielen damit den Beschäftigten mit einem geringen Einkommen - davon gebe es im Briefzentrum viele - in den Rücken. Nach sechs Verhandlungsrunden, in denen die Post keine vernünftigen Vorschläge gemacht habe, unterstützten die Beschäftigten zu mehr als 90 Prozent die Vorgehensweise der Gewerkschaft: "Sie finden es richtig, dass so massiv gestreikt wird."
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