Was passiert mit den Leiharbeitern der MHT aus dem Rohrwerk?
Die Opfer der Sanierung

Sie sehen die Unterbringung der 50 MHT-Leiharbeiter in anderen Arbeitsverhältnissen als gemeinsame Aufgabe an: Berater Karl Reyzl, Geschäftsführer Wolfgang Eichenseer und Betriebsrats-Chef Andreas Bauer (von links).
Wirtschaft
Sulzbach-Rosenberg
02.06.2016
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Die Arbeit im Rohrwerk ist schwer und sicher auch nicht ungefährlich. Bisher halfen rund 60 Leiharbeiter der MHT mit an den Produktionsanlagen. Seit gestern ist das anders. Bilder: Gebhardt (2)

Es war ein schwerer Gang: Am Mittwochmorgen kamen alle in die Firmenzentrale, um zu erfahren, ob und wo sie Arbeit haben. Die rund 50 Leiharbeiter der Maxhütte Technologie im Rohrwerk sind seit 1. Juni dort nicht mehr tätig, das Sanierungskonzept hat ihre Arbeitsplätze gestrichen. Aber es geht vorerst weiter für sie.

"Das ist eine ganz blöde Situation": Betriebsratsvorsitzender Andreas Bauer spricht Klartext beim SRZ-Besuch in der Firmen-Zentrale. Jahrelang hat die MHT im Zuge der Arbeitnehmer-Überlassung Leiharbeiter ins Rohrwerk geschickt, um dort Produktionsspitzen auszugleichen. Viele arbeiteten dort schon jahrelang, Dutzende MHT-ler wurden im Laufe der Jahre auch in die Rohrwerk-Stammbelegschaft übernommen. "Und dann erfährt man zwei Tage zuvor, dass es am Mittwoch vorbei ist", kritisiert Bauer. "Keine Anerkennung, kein Abschied, man ist nur ein Bestandteil der 111 Stellen, die dort abgebaut werden müssen." Es seien sehr gute Leute, die im Rohrwerk eingesetzt waren, bestätigt auch Geschäftsführer Wolfgang Eichenseer, flexible Facharbeiter, die ihren Mann standen in der Röhrenproduktion.

Was geschieht nun mit ihnen? Wir haben einen Großteil vorerst auf eine eigene Baustelle nach Fürth geschickt, auch in Brandenburg und anderen Gebieten können sie eingesetzt werden", schildert Eichenseer. Aber das sei nur der erste Schritt. Wie es weitergehe, müsse man sehen. Bisher habe es jedenfalls keine betriebsbedingten Kündigungen aus Arbeitsmangel gegeben beim 123-Personen-Dienstleister MHT.

Zukunft im MH-Gelände


"Gesellschafter Max Aicher hat erklärt, man versuche alles, um die Leute weiter zu beschäftigen", erklärt Berater Karl Reyzl die "bedauerliche Situation der Marktanpassung" im Rohrwerk. Aber er sieht die MHT langfristig als Dienstleister vor allem im alten MH-Gelände gefordert. Hier könne sie mit Rangierdiensten, Elektroarbeiten, Klimatechnik, Transport, Metallbearbeitung und vielem mehr die Firmen unterstützen, die sich hier ansiedeln werden.

Plan B existiert


Er versteht die momentane Situation als weitere Herausforderung in der Aufbruchstimmung, die seit zehn Jahren in der MHT herrsche. Es gelte, neue Geschäftsfelder zu erschließen, auf neuen Märkten die Umsätze zu stabilisieren und auszubauen. Hier sah Betriebsrats-Chef Andreas Bauer auch die Aufgabe, die Mitarbeiter jetzt verstärkt weiter zu qualifizieren.

Ein neu eingestellter Vermittler für Fachkräfte habe hier eine lohnende Aufgabe, Geschäftsführung und Betriebsrat täten alles, um die Betroffenen zu halten, aber auch, um ihnen bei einem angestrebten Wechsel zu helfen. Sogar einen Plan B gibt es im Betriebsrat: "Wir haben mit der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) einen Interessensausgleich als Sicherheitsmaßnahme verhandelt", verrät Bauer. Der Sozialplan liege aber noch in der Schublade und werde hoffentlich nie gebraucht.

Nach wie vor unverständlich ist für Bauer, dass die Leiharbeiter nie ein Thema waren in der ganzen Sanierungsdiskussion im Rohrwerk. Es seien ja auch Leiharbeiter vom Rohrwerk übernommen worden: "Das sind doch keine Handlanger, sondern hochflexible Facharbeiter in verantwortungsvollen Positionen!" Leider zwinge das geltende Arbeitsrecht die Arbeitgeber dazu, dass bei Personalmaßnahmen zuerst die Leiharbeiter abgebaut würden und dann erst die eigenen Mitarbeiter.

Hier verwurzelt


Die Leute seien ja schließlich auch Teil der örtlichen Kaufkraft, hier in der Heimat verwurzelt und müssten nun teils enorme Strecken zur Arbeit pendeln. Im übrigen sei die Arbeitnehmer-Überlassung tariflich geregelt, im Rohrwerk habe es sogar gleiche Bezahlung gegeben.

Fazit des Gesprächs: Vorerst haben alle Verbliebenen weiterhin Arbeit, wenn auch auswärts. Und die MHT will alles tun, sie zu halten, zu qualifizieren und mittelfristig auch wieder neue Kollegen einzustellen. Dass sie dazu in der Lage ist, hat die Firma in 21 Jahren schon oft bewiesen.

Keine Anerkennung, kein Abschied, man ist nur ein Bestandteil der 111 Stellen, die dort abgebaut werden müssen.Andreas Bauer


Gesellschafter Max Aicher hat erklärt, man versuche alles, um die Leute weiter zu beschäftigen.Karl Reyzl
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