Heulen mit den Rocker-Wölfen

Klaus Eberhartinger (links) trägt beim "Ba-Ba-Banküberfall" stilecht schwarze Mütze und einen verwegenen grauen Mantel. Die Erste Allgemeine Verunsicherung spielt noch viele weitere bekannte Hits. Leider ist wegen eines Unwetter nach etwas über einer Stunde Schluss. Bild: doz
Kultur
Tännesberg
28.06.2015
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Eine der ersten Textzeilen ist gleich eine Drohung: "Wer nicht mit den Wölfen heult, wird gepfählt und gevierteilt." Die Erste Allgemeine Verunsicherung (EAV) hat noch immer Biss, obwohl sie schon etliche Jahre auf dem Buckel hat. Oder wie Sänger Klaus Eberhartinger es ausdrückt: "Als wir angefangen haben, hatte Dracula noch Milchzähne."

Die Musiker haben genug Erfahrung, um binnen weniger Minuten das Publikum des zehnten Oberpfalz-Festivals in Tännesberg für sich zu gewinnen. Die Rezeptur: Stücke aus dem Anfang des Jahres erschienenen neuen Album "Werwolf-Attacke - Monsterball ist überall" und bekannte Hits wie "Ba-Ba-Banküberfall", "Küss die Hand Herr Kerkermeister", "Sandlerkönig Eberhard" oder "Der Wein von Mykonos".

Unwetter unterbricht Fest

Dabei vergisst Eberhartinger nie, verbal zuzubeißen. Er ätzt gegen die Flüchtlingspolitik der EU, die er mit dem "Ding Dong"-Refrain verknappt darstellt: "Mach nie die Tür auf, lass keinen rein." Er schießt gegen die Energie-Politik und lässt sogar einige Zuschauer nicht ungeschoren davonkommen. Er singt "Auf Tantiemen wird gebrunst" und meint wohl all jene, die ihre mit dem Smartphone aufgenommenen Videos auf Youtube stellen. Einige stecken daraufhin verschämt ihre I-Phones in die Tasche zurück.

Mit der Ersten Allgemeinen Verunsicherung (EAV) sowie der Spider Murphy Gang wurden zwei Hochkaräter der Guten-Laune-Musik verpflichtet. Vier Stunden Party, mitsingen und tanzen ließen den Samstagabend in Tännesberg wieder zu einem Veranstaltungs-Höhepunkt in der Oberpfalz werden. Bilder von Christopher Dotzler.



EAV hätte wohl noch weiter fleißig ausgeteilt. Nach 69 Minuten ist allerdings abrupt Schluss. Die Organisatoren unterbrechen die Veranstaltung für rund eine Stunde, weil der Deutsche Wetterdienst eine Unwetterwarnung rausgibt. Über 3500 Festival-Besucher drängen unter strömenden Regen und hell aufleuchtenden Blitzen in das nahegelegene Schulhaus, ins Schützenheim, die nahe gelegenen Wirtshäuser und sogar den Backstage-Bereich. Es ist die größte kollektive Pinkel- und Kaffeepause, die Tännesberg je erlebt hat. Andere warten im Auto. Einige wenige fahren nach Hause. "Maximal fünf bis zehn Prozent", verrät Fred Eckl, Vorsitzender des Fördervereins "Volltreffer", am Sonntag.

Mir tut mein Herz so weh

Die meisten kehren auf das Gelände zurück. Im VIP-Bereich tummeln sich doppelt so viele Männer und Frauen wie vor der Unterbrechung. Das alles trotz anhaltenden Regens. Viele behelfen sich mit Ponchos. Die Kälte und die Nässe sind aber auch dank des fulminanten Starts der Spider Murphy Gang schnell vergessen. Kein Vorgeplänkel, kein Gezeter. Die Musiker liefern sofort feinsten Rock und halten das Tempo bis zum Schluss.

Ein Hit bringt den zweistündigen Auftritt auf den Punkt. Es ist ein "Rock-'n'-Roll-Rendezvous". Eines mit extrem charmanten und coolen Musikern. Gerhard Gmell alias Barny Murphy klemmt sich immer wieder eine Zigarette zwischen Gitarrengriff und Saiten. So glutrot wie die fast zu Ende gerauchte Fluppe ist sonst nur sein Outfit. Feurig und temporeich sind auch seine Gitarrensoli. Sänger Günther Sigl haut einen Klassiker nach dem anderen raus: "Skandal im Sperrbezirk", "Pfüati Gott, Elisabeth", "Schickeria", "Sommer in der Stadt". Gut, dass die Spider Murphy Gang verspricht, ihre Rock-'n'-Roll-Schuah auch in den nächsten Jahrzehnten (!) nicht auszuziehen. Es ist kurz vor 23 Uhr. Die Band hat nach ihrer zweiten Zugabe nur noch wenige Textzeilen, bis das Jubiläums-Festival endet. Günther Sigl singt "Mir tut mein Herz so weh." Über 3000 Zuschauern geht es ebenso. Sie heulen mit den alten Rocker-Wölfen.
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