Im Gänsemarsch durch die Natur

Der Waldlehrpfad "Holzweg" in Eschenbach wird überarbeitet.
Lokales
Tännesberg
06.06.2015
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Von den rund 72 000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten in Deutschland ist jede dritte in ihrem Bestand bedroht. Die Tännesberger stemmen sich dagegen. Sie schützen ihre Natur. Davon überzeugte sich Umweltministerin Ulrike Scharf bei einer kleinen Wanderung durchs Kainzbachtal.

Bevor es aber im Gänsemarsch über die feuchten Wiesen ging, zeichnete die CSU-Politikerin die Biodiversitätsgemeinde als Projekt der UN-Dekade Biologische Vielfalt (Hintergrund) aus. "Die Menschen hier wissen, dass sie in einem Naturparadies zu Hause sind", lobte Scharf. Dabei hob sie den engen Schulterschluss der Kommune mit den Naturschutzorganisationen für das Projekt "Natur.Vielfalt.Tännesberg" hervor.

Projekte mit Signalwirkung

Die UN-Auszeichnung zeige, dass der Artenschutz kein Selbstzweck sei. Der Preis stehe auch im Einklang mit der bayerischen Biodiversitätsstrategie. Allerdings "hapert es in diesem Bereich noch an der Umsetzung". Um das Artensterben zu verhindern, seien gezielte Programme in Kombination mit langfristigen Naturschutzmaßnahmen nötig. In diesem Zusammenhang verwies die Ministerin auf das positive Beispiel Tännesberg. "Und deshalb brauchen wir mehr Menschen wie Sie: Menschen, die vorangehen, und Projekte mit Signalwirkung."

Der Bayerische Naturschutzfonds begleite und unterstütze seit 1995 die Projekte des Markts mit 600 000 Euro. Mit "Natur. Vielfalt.Tännesberg" komme die Kommune auf insgesamt 1,2 Millionen Euro. "Davon hat sich jeder Euro gelohnt", erklärte Scharf mit Blick auf die Entscheidung der UN-Jury. Dieser Erfolg bedeute aber gleichzeitig auch eine Verpflichtung. "Denn die Gemeinde wird durch die Auszeichnung zum Vorzeigeprojekt." Tännesberg stehe beispielhaft für die bayerischen Mittelgebirgsregionen. Die Ergebnisse könnten somit auf vergleichbare Kommunen übertragen werden.

Nach ihrer Rede stieg die Ministerin mit vielen Begleitern in den Bus und fuhr ins Kainzbachtal, um sich die Umsetzung näher anzuschauen. Dort übernahm Projektmangerin Gabriele Schmidt das Kommando. "Mit den Schulklassen gehe ich hier auch immer entlang", sagte die Biologin. Sie erklärte, dass 2000 noch ein Fichtenwald dieses Gebiet bedeckte. Nach einer Rodung sei innerhalb von wenigen Jahren ein reichhaltiges Biotop entstanden. "Ich hätte nicht gedacht, dass sich so ein Lebensraum wieder entwickeln kann", erklärte Schmidt.

Immer wieder stoppte die Expertin die Gruppe und zeigte begeistert auf kleine, versteckte Blümchen. Darunter waren Arnika, Schwarzwurzel, Leinkraut und Kreuzblümchen. Allesamt Arten, die man bis vor Kurzem noch nicht im Kainzbachtal fand. Erst als die Fichtenbewaldung weg war, konnten sich die Samen wieder entfalten. Die UN-Auszeichnung sah die Biologin als Chance, den Artenschutz voranzutreiben und die Öffentlichkeit weiter zu sensibilisieren. Und dabei würden auch Streifzüge durch die Natur helfen, egal ob im Gänsemarsch mit der Ministerin oder das nächste Mal wieder mit einer Schulklasse.
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