"Ohne Erde kann ich nicht sein"

Geistliche Lieder aus Estland brachte das Ensemble "Vaikuse Muusika" unter Leitung von Tonu Sepp (vorne, Mitte) in die Tännesberger Pfarrkirche. Chormitglied Paul Lääne (letzte Reihe, Zweiter von rechts) führte akzentfrei durch das Konzert. Bild: fjo
Lokales
Tännesberg
27.10.2014
0
0

Weit weg von Lärm und Stress bewegte sich die fremdartig klingende Musik aus Estland. Das einzige Konzert von "Vaikuse Muusika" im Altlandkreis Vohenstrauß wollten am Freitagabend dennoch nur ganz wenige Besucher hören.

"Es freut mich, dass doch Einige gekommen sind", meinte Pfarrer Wilhelm Bauer eingangs. Pfarrer Georg Hartl aus Waidhaus und Pfarrgemeinderatssprecher Karl Prell aus Pirk - als Begleiter des Ensembles - fanden sich im Publikum.

Die fröhliche Schar aus einem neuen Stück Europa überraschte mit einer Art von "kleiner Nachtmusik". Liebhaber, die sich für die Dimension der Tiefe und Helligkeit in der Musik begeistern, kamen voll auf ihre Kosten. Vergessen war für die Esten der Trubel vom Vortag mit der Autopanne bei Dresden und dem bangen Warten der jüngeren Sänger mit ihren drei Betreuern, die mit dem Flugzeug die fast 2000 Kilometer Entfernung überwunden hatten.

Facettenreiche Lieder

In akzentfreiem Deutsch erzählte Paul Lääne von Estland, von ihrer Musik und dem Lieblingskomponisten der Gruppe, Landsmann Arvo Pärt, mit Worten, welche ebenso dezent und würdevoll ausfielen wie die facettenreichen Lieder. "Ohne Erde, ohne Boden kann ich nicht sein", kommentierte er zum Gesang von "Ich habe gerufen und gerufen".

Dies war der Auftakt zum ersten Teil, mit dem die 18 Chormitglieder aus Tartu unter Leitung von Tonu Sepp einen kurzen Querschnitt zum christlichen Werdegang ihres Landes nachzeichneten. Kräftige Männerstimmen erfüllten den Kirchensaal mit lupenreinen Tönen. Dazwischen sangen Kinder, Jugendliche und junge Frauen und vergrößerten dadurch das musikalische Spektrum.

Landestypische Instrumente brachte der wesentlich größer wirkende Klangkörper in seine Stücke ein. Darunter waren zum Beispiel eine Maultrommel und ein Knieharfe. Fidel, Dulzian, Psalterium und Flöten - manche davon selbst angefertigt - bereicherten den Gesang. Sehr gut gelang dem Chor der unverfälschte Vortrag von geistlichen Volksliedern, so wie sie ursprünglich in Estland gesungen wurden.

Jede Zeile übersetzt

Die Heimatsprache ermöglichte zudem eigene Arrangements, obgleich bei der Musik die traditionelle Einstimmigkeit der Vorrang galt. Wenn auch vielleicht die Heimatsprache für oberpfälzer Ohren exotisch anmutete, so ließ sich durch das umfangreiche Programmheft mit stolzen 20 Seiten jede Zeile übersichtlich ins deutsche übersetzt nachvollziehen. Außerdem belohnten die estnischen Chormitglieder die empfangene Gastfreundschaft mit eigens einstudierten Strophen auf deutsch zum Beginn von drei Stücken. "Wie wichtig es ist, selbst Klarheit und Wahrheit zu haben, und Fragen an sich selbst zu stellen", erklärte der Ansager als Überleitung zur Musik von Arno Pärt.

Schon der erste Titel "Maria magab taevas" verdeutlichte diese Aussage: Das Lied hallte wie wohldosierte Glockenschläge druch durch die Tännesberger Pfarrkirche. Mit den "Drei Hirtenkindern aus Fatima" endete die ungewöhnliche Kunststunde, bei der noch einmal das Zusammenspiel des Vortrags mit der gewählten Tracht zum Ausdruck kam.
Weitere Beiträge zu den Themen: Oktober 2014 (9310)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.