Markus Schuster wollte Asylbewerberheim in Tännesberg bauen
Aus für menschenwürdiges Heim

Markus Schuster legt die Pläne für eine Asylbewerber-Unterkunft auf den Tisch - und vorerst auf Eis. Bild: Fütterer
Politik
Tännesberg
07.11.2015
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"Was bringt es, sich überwiegend Feinde zu schaffen?" Eigentlich wollte Markus Schuster drei Millionen Euro in ein Asylbewerberheim mit 160 Plätzen investieren. Nach dem Bekanntwerden der Pläne musste der 46-jährige Unternehmer so viele "barsche Reaktionen" einstecken, dass er das Vorhaben aufgibt. Bis auf weiteres.

Tännesberg. (cf) Im Gewerbegebiet des landschaftlich reizvoll gelegenen Marktes Tännesberg im östlichen Landkreis Neustadt besitzt Schuster ein 28 000 Quadratmeter großes Grundstück. Der seit 1998 selbstständige Schreiner fertigt hier mit seinen 17 Mitarbeitern hochwertige, individuelle Möbel-Systeme für den Innenausbau: Tische, Bänke, Stühle, Theken. Neben der Produktion seiner Firma Fenci wäre noch reichlich Platz für die Unterkunft der Asylsuchenden gewesen, samt Lebensmittel-Discounter und Schulbetrieb. Die deutsche Sprache ist bekanntlich die Schlüsselqualifikation. Das Interview führte Clemens Fütterer.

Herr Schuster, was brachte Sie auf den Gedanken, in Tännesberg, einem relativ kleinen Ort mit ländlichem Charakter, ein Heim für 160 Asylbewerber zu bauen?

Markus Schuster: Weil ich gesehen habe, was auf Deutschland zurollt und weil ich den Flüchtlingen mit einer großzügigen, menschenwürdigen Unterkunft helfen wollte. Es war heuer im Sommer, als ich erstmals mit Vertretern der Regierung und der Agentur für Arbeit in Weiden sprach. Später nahm ich noch Kontakt zu den Eckert-Schulen in Regenstauf und zu Nahkauf auf. Mir lag von Anfang an am Dorffrieden, ich wollte sicherlich kein Ghetto schaffen.

Ihnen wird vorgeworfen, dass Sie hauptsächlich der hohen Rendite wegen in das Asyl-Projekt investieren. Von 500 000 Euro Mieteinnahmen im Jahr ist die Rede ...

Schuster: Schön wär's. Tatsächlich bekomme ich etwa 4,30 Euro für den Quadratmeter - die ortsübliche Miete mit einem Aufschlag von 20 Prozent. Es waren 3000 Quadratmeter vorgesehen, da kann sich jeder die Miete ausrechnen. Ich muss die Mieteinnahmen versteuern, die Abschreibung erfolgt über 50 Jahre. Nach 20 Jahren Betriebsdauer könnte ich erst von einem Gewinn sprechen.

Jede Investition muss sich zweifelsohne auch rechnen. Die Rendite war jedoch nicht mein erster Gedanke. Ich betrachte es als meine Pflicht, diesen Menschen zu helfen.

Wollten Sie die Asylbewerber auch als Arbeitskräfte in Ihrem Betrieb einsetzen?

Schuster: Ich habe natürlich an Praktika gedacht. Schließlich ist die Arbeit mitentscheidend für das Gelingen der Integration. Unsere Wirtschaft braucht nicht nur Akademiker, sondern auch fleißige Praktiker. Dazu kommt das demografische Problem. Jetzt besteht die Möglichkeit, die Asylbewerber auszubilden und damit zu integrieren.

Und jetzt? Wie geht es weiter? Sie wollten noch in diesem Jahr den Rohbau erstellen.

Schuster: Ich habe mich tief in die Materie hineingekniet und mir die Sache nicht leicht gemacht. Im Augenblick fehlt mir für das Projekt die Motivation. Dafür kann ich meine ganz Kraft wieder meiner Firma widmen. Schauen Sie, ich lebe in Tännesberg mit meiner Frau sowie dem fünfjährigen Sohn und der zwölfjährigen Tochter. Ich bin mit meiner Familie massiven Kontroversen ausgesetzt. Gegner sind vor allem Menschen in meinem Alter - ich bin 46 -, die noch nie schlechte Zeiten erlebt und meist noch nie persönliche Kontakte mit Asylbewerbern hatten.

Der Unfriede im Ort ist groß. Ich erfahre teils massiven Widerspruch. Tännesberg ist ein christlicher Ort, ich vermisse hier vor allem die Aktivitäten von Pfarrer und Pfarrgemeinde. Da müsste sich die christliche Gemeinschaft stärker gefordert sehen. Wie fast überall in Deutschland ist auch in Tännesberg die anfängliche Hilfsbereitschaft gegenüber Asylsuchenden in eine Welle des Unmuts umgeschlagen.

Viele Bürger sorgen sich, dass sie der anhaltende Zustrom auf Dauer überfordert.

Schuster: Ich weiß, dass nicht nur rechtschaffene Leute nach Deutschland kommen. Aber deutsche Arbeitnehmer sind auch nicht immer ganz einfach (lacht). Ich bin beileibe nicht für eine unbegrenzte Zuwanderung.

Es werden immer wieder die Kosten für die vielen Asylbewerber angeführt: Gibt es in Deutschland nicht viele Beispiele, wo Milliarden sinnlos versenkt werden, etwa in den Berliner Flughafen oder Stuttgart 21?
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