Wohnheim für 160 Asylbewerber stößt in Tännesberg auf Widerstand - Baldige Bürgerversammlung
100 Zuhörer im Marktrat

Investor Markus Schuster (stehend, rechts neben Bürgermeister Max Völkl) stellte sein umstrittenes Projekt im Beisein von Landrat Andreas Meier im Gemeinderat vor. Bild: gi
Politik
Tännesberg
07.10.2015
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Investor Markus Schuster plant im Gewerbegebiet in Tännesberg den Bau eines Bewohnerheimes für 160 Asylsuchende. Die Pläne schlugen am am Montagabend im Marktrat hohe Wogen. Mit Spannung verfolgten rund 100 Zuhörer die Sitzung. Weil es keine Sitzplätze mehr gab, mussten manche die Präsentation auf dem Flur im Stehen verfolgen.

Bürgermeister Max Völkl begrüßte Investor Schuster aus Tännesberg, Landrat Andreas Meier und Dr. Alfred Scheidler vom Landratsamt. Der Rathauschef stellte gleich zu Beginn klar: "Die Zuhörer dürfen keine Fragen stellen und Zwischenrufe von sich geben."

Eckert-Schulen und Edeka

Schuster stellte zunächst sein Drei-Millionen-Euro-Projekt vor. Auf einem Areal von 13 547 Quadratmetern sollen vier Hallen zum Wohnen von 160 Asylsuchenden, ein Sozialtrakt, Verwaltungsräume, ein Schulzentrum der Eckert-Schulen und ein Markthaus (Edeka) entstehen.

Gespräche mit der Caritas und der Kolpingsfamilie werden noch geführt. Die Regierung der Oberpfalz unterstütze das Vorhaben und biete einen Mietvertrag ab Herbst 2016 für die Dauer von zehn Jahren. Hauptsächlich sollen Familien und Jugendliche Aufnahme finden.

Bürgermeister Völkl sprach Nachteile für die vorhandenen Betriebe durch das Wohnheim an. Der Chefjurist beim Landratsamt Dr. Scheidler konnte diese Bedenken zerstreuen, denn es handle sich um Räume mit einem Schutzniveau niedriger als Wohnungen. Er und der Landrat sprachen die gegenwärtige Situation mit derzeit 860 Asylbewerbern im Landkreis an. Man rechne, dass bald weitere 1000 Plätze erforderlich werden. Auch Tännesberg erhalte dann Flüchtlinge. Die 160 des geplanten Wohnheimes würden angerechnet werden. Er sei froh über jede neue Einrichtung. Der Landrat bat um Verständnis, dass die Asylbewerberzahlen das Handeln diktierten. Es gebe aber keinen Verteilerschlüssel für die Kommunen.

Im Verhältnis der Landkreis-Einwohner hielt Bernhard Walter 160 Asylbewerber für Tännesberg für viel zu hoch. Wolfgang Nicklas war dagegen, draußen im Gewerbegebiet zu bauen, wenn im Ort zahlreiche Häuser (beispielsweise die Schule) leer stehen. Er verlangte bei 160 Plätzen einen Integrationshelfer für Tännesberg. Investor Schuster erteilte einer Reduzierung der Wohnheimplätze von 160 auf 40 eine klare Absage.

Die Regierung wollte gar 192 Plätze. Er müsse auch auf eine gewisse Rentierlichkeit achten. Zweiter Bürgermeister Hans-Peter Klünner sah Probleme bei der Infrastruktur: "Muss die Ausstattung der Feuerwehr verbessert werden? Wird ein Gehweg zwischen Wohnheim und Ort erforderlich? Benötigt die Gemeinde weiteres Personal?"

Viele Bedenken

Letzterer Frage erteilte der Landrat eine glatte Absage, denn die Flüchtlinge würden durch Landratsamt und Regierung verwaltet. Alfred Eckl sprach Imagefragen an. Werde Tännesberg dann weiterhin mit der Biodiversität identifiziert, oder denke man dann zuerst an das Asylantenheim? Werde der Wert der Immobilien dadurch gedrückt? Eckl bezweifelte, dass Tännesberg das alles stemmen könne und verlangte eine Bürgerversammlung oder gar einen Bürgerentscheid.

Der Bürgermeister wies zudem auf das im Außenbereich liegende Baugrundstück hin. Der Gemeinderat habe deshalb ein Mitspracherecht. Auch die anderen Gemeinderäte und der Landrat sprachen sich für eine Beteiligung der Bürger aus. Dr. Stefanie Kuchlbauer forderte die Teilnahme der Regierung und der Eckert-Schulen an der Bürgerversammlung. Auch die Größe des Wohnheimes müsse nochmals überprüft werden.

Hans Eckl brachte alles auf einen Nenner: "Wenn die Bürger nicht dafür sind, möchte ich auch nicht dafür stimmen." Laut Schuster "brennt die Angelegenheit allen auf den Nägeln". Er bat um eine baldige Bürgerversammlung. Diese soll nach NT-Nachfrage so schnell wie möglich einberufen werden. Allerdings steht laut geschäftsführendem Beamten Josef Glas noch kein konkreter Termin fest.
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