Mädchen kentert mit Kanu
Polizeitaucher entdecken Leiche der 14-Jährigen

Vermischtes
Tännesberg
22.07.2016
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  Tännesberg: Kainzmühlsperre |

Es sollte für eine Familiengruppe aus Windischeschenbach ein fröhliches Wochenende und ein unbeschwertes Badevergnügen werden. Doch es kam alles anders.

Aktualisierung: Sonntag, 24. Juli, 17:50 Uhr:
Polizeitaucher entdeckten am heutigen Sonntag die Leiche der 14-Jährigen im See rund 200 Meter vom Wehr entfernt. An dieser Stelle hatte die Einsatzkräfte bereits am Vortag gesucht. Die geringe Sichtweite unter Wasser verhinderte aber ein früheres Auffinden. Mittlerweile konnten die Angehörigen im Beisein von Pfarrer und Notfallseelsorger Abschied von dem Mädchen nehmen.

"Das Auffinden des toten Mädchens beendete einen dreitägigen Einsatz zwischen Hoffen und Bangen für alle Beteiligten und brachte traurige Gewissheit", berichtet Polizeisprecher Rudolf Gesierich. Die weiteren Ermittlungen zum genauen Unfallhergang und zur Todesursache übernimmt die Kriminalpolizei Weiden.

Was bisher geschah


Am Samstagabend um 20 Uhr nahmen die Wasserwacht- und Tauchgruppen des BRK erneut die systematische Suche auf, nachdem der Wasserspiegel in enger Absprache mit dem Eigentümer der Kraftwerksgruppe, der GDF Suez, in den zurückliegenden Stunden exakt zwei Meter gesenkt worden war, ohne die Stromerzeugung zu gefährden.

Während sich ein vierköpfiger Tauchertrupp Schritt für Schritt an der Uferböschung entlang tastete, fuhren die Rettungsboote der Wasserwachten mit den Tauchern wieder auf den See hinaus. Wolfgang Heibl von der BRK-Einsatzleitung Wasserrettung übernahm das Kommando. Vor Ort sind Gruppen aus dem Landkreis Cham, Amberg-Sulzbach, Tirschenreuth, Schwandorf sowie vom Kreisverband Weiden und Neustadt/WN. Außerdem sind die DLRG-Gruppen aus Amberg und Cham an der Kainzmühle im Einsatz. Als die Abendsonne hinter den Wäldern verschwindet, ist die Ruhe, die sich über den Stausee senkt, kaum auszuhalten.

Rund 150 Einsatzkräfte waren am Freitag während der Nacht im Einsatz. Notfallseelsorger und mehrere Kriseninterventionsteam aus dem gesamten bayerischen Raum sind vor Ort. Auch die Betreuung der Einsatzkräfte verlangt dem Betreuungsteam viel Kraft ab. Notarzt Werner Duschner ist fast rund um die Uhr am Einsatzort.

„Heute waren es zwischen 80 und 90 Einsatzkräften, die sich immer wieder ablösten“, berichtete Einsatzleiter, Erster Polizeihauptkommissar Martin Zehent von der Polizeiinspektion Vohenstrauß, der die Helfer zusammen mit den Einsatzleitern der jeweiligen Organisationen koordiniert. „Jede Stunde ist eine Lagebesprechung, wie weiter verfahren wird.“ Allerdings mobilisiere jede Organisation seine eigenen Kräfte und entscheide, wann die nächste Abordnung zum Einsatz kommt, informierte Zehent. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, will er noch nicht aufgeben.

Die Situation ist vor allem für die Familienangehörigen und die Freunde, die vor Ort betreut werden, höchst belastend. Die derzeitige Wassertemperatur des Stausees beträgt um die 20 Grad Celsius. Zu Kämpfen haben die Einsatzkräfte auch mit ganz anderen Plagegeistern – den Mücken, die sich surrend und stechend über die Helfer hermachen. Das BRK versorgt die Kräfte mit entsprechenden Abwehrmitteln, um die Attacken wenigsten etwas abzumildern. Die feucht-schwülen Temperaturen und die regelmäßigen Niederschläge förderten die Stechfreudigkeit der Blutsauger zusätzlich.

Zehent berichtete, dass während der Nacht Einsatzkräfte am Stausee bleiben. Schon am Sonntagmorgen setzte die Helfer die Suche fort. Die Betreuungsdienste des BRK aus Vohenstrauß, Eschenbach, Pressath, Rothenstadt und Windischeschenbach haben vor Ort eine Art Feldküche zur Versorgung der Rettungskräfte aufgebaut.

Bilanz der Polizei Insgesamt waren in den drei Tagen des Einsatzes mehr als 250 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, Technischen Hilfswerks, Rettungsdienste aus der gesamten Oberpfalz, Taucher, Bergwacht zum Einsatz. Polizeisprecher Rudolf Gesierich bilanziert: "Die Einsatzkräfte aller Organisation gingen während des Einsatzes zum Teil bis an die Grenzen der körperlichen Belastbarkeit. Mustergültig und reibungslos funktionierte die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Organisationen unter der Gesamteinsatzleitung der Polizeiinspektion Vohenstrauß."

Kriseninterventionsteams aus der gesamten Oberpfalz und Oberfranken betreuten die Angehörigen und Freunde der Vermissten rund um die Uhr.

Auch die Betreiberfirma des Stausees stand während der gesamten Einsatzdauer jederzeit zur Verfügung, um einen gefahrlosen Einsatz der Such- und Rettungskräfte gewährleisten zu können.


HintergrundDas 14-jährige Mädchen befand sich am Freitagabend mit vier Freunden bei einer Kanufahrt auf dem Stausee bei der Kainzmühlsperre auf der Pfreimd. Im Boot saßen drei Buben und zwei Mädchen, im Alter zwischen 14 und 17 Jahren. Die 14-Jährige trug keine Schwimmkleidung, sondern hatte ganz normale Straßenbekleidung an. Laut Polizeiangaben kenterte etwa 50 Meter vom Ufer entfernt das Boot. Vier der fünf Jugendlichen schwammen ans rettende Ufer. Auch die 14-Jährige befand sich zunächst unter den übrigen Schwimmern, plötzlich sei sie aber verschwunden gewesen. Gegen 21 Uhr wurden die Hilfskräfte alarmiert und rückten umgehend an. Taucher suchten den Stausee nach dem Mädchen ab.

Der Kainzmühlspeicher ist als Teil der Kraftwerksgruppe Jansen das Unterbecken des Pumpspeicherwerks Reisach-Rabenleite bei Großenschwand. Das Absperrbauwerk der Kainzmühlsperre an der Pfreimd wurde 1955 erbaut. Der Speicherraum des Stausees umfasst eine Million Kubikmeter Wasser und ist rund 22 Meter tief. Die Kronenlänge beträgt 120 Meter.
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