Tännesberg: Hochspeicher Rabenleite zieht Schaulustige an
Generator rollt im Schritttempo

So sah der Hochspeicher Rabenleite beim Bau vor über 60 Jahren aus. Ausflüglern bietet sich heute ein ähnliches Bild, da das Wasserreservoir wegen einer Sanierungsmaßnahme leergepumpt ist. Die Aufnahme gehört Heiner Aichingers Schwester Lore Gollwitzer. Repro: tss
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Tännesberg
28.04.2015
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Der Hochspeicher Rabenleite präsentiert sich derzeit Schaulustigen fast wie beim Bau vor über 60 Jahren. Heiner Aichinger erinnert sich noch gut an den Transport des Stromgenerators durch Vohenstrauß zum Werk Tanzmühle um 1956.

Der leergepumpte Hochspeicher bei Trausnitz ist nun mehr denn je ein beliebtes Ausflugsziel. Wie ein Meteoritenkrater liegt er in der Landschaft. Die Maßnahme ist Teil einer viermonatigen Revision der Kraftwerksgruppe Pfreimd. Beim Bau Anfang der 1950er Jahre hat es ganz ähnlich ausgesehen.

241,6 Tonnen Gewicht

Und durch Vohenstrauß rollte damals ein ganz besonderer Schwertransport mit 241,6 Tonnen Gesamtgewicht. Die Ladung kam mit dem Zug am Vohenstraußer Bahnhof an, berichtet Aichinger. Transportfahrzeug (Tiefladebrücke zwischen zwei Schienenrollern) und Lokomotive mussten die Waldnaabbrücke in Neustadt/WN getrennt überqueren. "Die Lok musste ab 1931 bis Anfang der 1960er Jahre den gesamten Güterverkehr auf der Strecke von Weiden nach Eslarn bewältigen. Der Tiefladewagen hatte zwei Fahrwerke mit je fünf oder sechs Achsen, da auf unserer Nebenstrecke der Achsdruck nicht höher als 16 Tonnen sein durfte." Ab Vohenstrauß ging es dann auf der Straße weiter. "Nach dem Umsetzen der Ladebrücke einschließlich Last auf zwei Straßenrollerfahrgestelle wurde in ähnlicher Weise die nur für 65 Tonnen zugelassene Pfreimdbrücke auf der Ostmarkstraße mit dem Seilspill überquert", erzählt Aichinger.

Felsenkeller und Gaststätte Sommer aus Sicherheitsgründen abgestützt

"Aus Sicherheitsgründen wurden vorher die fast bis in Straßenmitte reichenden Felsenkeller beim ,Wursterfriedl' (Friedrichstraße) und Gaststätte Sommer (Wittschauer Straße) abgestützt. Beim Umladevorgang war ich mit meinem Vater am Bahnhof. Nach Ankunft setzte sich die Lok hinter den Wagen, zog in ein Stück zurück und drückte ihn in das Holzverladegleis (heute Netto, Zufahrt/Parkplatz, zugleich Zufahrt zum Sägewerk, jetzt Norma), aber nur soweit, bis das erste Fahrwerk genau auf dem Zuweg zur Ladestraße (heute noch hinter Netto befahrbar) stand."

Dann hoben Hydraulikstempel die Ladebrücke samt Last an, so dass das Schienenfahrwerk weggeschoben werden konnte. Anschließend schob eine Zugmaschine den mindestens 20-rädrigen Straßenroller darunter und die Last wurde wieder abgesenkt. "Dann wurden die Straßenroller soweit auf der Ladestraße nach vorne gezogen, bis auf dem Überweg der hintere Teil des Tiefladewagens zum Stehen kam und man genau wie vorher verfahren konnte. Anschließend ging es im Schritttempo den Marktplatz hinauf. Meiner Erinnerung nach war der Transport auf zwei oder drei Wagen verteilt."

Kraftwerk mit Staumauer

Anfangs wurde das Wasser mit billigem Nachtstrom vom Trausnitzspeicher in den Hochspeicher gepumpt, "um tagsüber teureren Spitzenlaststrom zu erzeugen", weiß der Vohenstraußer. Erst nach Fertigstellung der Tanzmühle war es möglich, dass der Hochspeicher auch über den sogenannten Eulengrundstollen mit Wasser aus der Kainzmühlsperre befüllt wurde. "Dort befand sich auch schon vor dem Zweiten Weltkrieg ein Kraftwerk mit Staumauer."
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