Verstoß gegen Naturschutzgesetz
Äste regelrecht abgefetzt

Die Arbeiten entlang der Straße von Weinrieth nach Tanzmühle erfolgten außerhalb der gesetzlich erlaubten Fristen und offenbar auch noch mit falschem Gerät. Bild: hfz
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Tännesberg
16.06.2016
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Eine Fräse hat entlang der Straße von Weinrieth nach Tanzmühle auf einer Länge von mehreren Hundert Metern eine Spur der Verwüstung hinterlassen (wir berichteten). Naturschützer sind entsetzt. Der Gemeinde könnte die Aktion noch teuer zu stehen kommen.

Bürgermeister Max Völkl sprach von einem "Kommunikationsfehler zwischen Bauhof und dem ausführenden Firmenfahrer". Toni Wolf, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe, und auch die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt hatten die Kommune jedoch darauf hingewiesen, dass das nicht erlaubt ist. Eine Rodung war sogar ausdrücklich verboten. Wolf hatte auch eine "naturverträgliche Maßnahme" vorgeschlagen und wollte "im Winter die Bäume markieren, die herausgenommen werden sollten".

Ähnliche Fälle


Damit stieß er aber offenbar auf taube Ohren. "In den vergangenen Jahren gab es auch schon ähnliche Fälle, aber die Gemeinde ließ sich nicht von dieser Praxis abbringen." 2015 sei bei Kleinschwand ähnlich gehandelt worden. 2014 wurden außerhalb der gesetzlichen Fristen am 15. April zwei große Ahornbäume auf dem Weg zur St.-Jodok-Kirche gefällt. Ein zugeschnittener Baumtorso steht noch. Damals brüteten Stare in den installierten Vogelkästen. Untere Naturschutzbehörde und Bezirk waren über diese Aktion benachrichtigt worden.

Wie aus gut informierten Kreisen weiter zu erfahren war, erfolgten die Arbeiten im aktuellen Fall nicht nur außerhalb der gesetzlich erlaubten Fristen, sondern offenbar auch noch mit falschem Gerät. Die Äste wurden regelrecht abgefetzt. Derzeit brüten viele Vögel oder haben Jungtiere in den Nestern, die solchen Maßnahmen zum Opfer fallen. Darüber hinaus werden Amphibien und Reptilien getötet, die sich an solchen Böschungen aufhalten. "Das verträgt sich nicht mit der Modellgemeinde Biodiversität", sagt Wolf.

Von der Unteren Naturschutzbehörde gab es dazu folgende Auskunft: "Hecken in der freien Natur dürfen nicht gerodet oder auf sonstige Weise erheblich beeinträchtigt werden. Zulässig sind jedoch bestandserhaltende Pflegemaßnahmen, die auch ein abschnittsweises auf den Stock setzen mit dem Ziel eines möglichst dichten Wiederaustriebs beinhalten können. Die Schnittmaßnahmen sind aus Artenschutzgründen jedoch im Zeitraum vom 1. Oktober bis Ende Februar durchzuführen. In den Sommermonaten sind schonende Form- und Pflegeschnitte zur Beseitigung des Zuwachses oder Maßnahmen zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit, die nicht zu anderer Zeit möglich sind, zulässig. So wurde dem Markt Tännesberg von der Unteren Naturschutzbehörde während der Sommermonate nur ein vorsichtiger Schnitt einzelner überhängender Äste von Hecken per Hand zugestanden. Die aktuell zwischen Weinrieth und Tanzmühle in deutlich größeren Umfang durchgeführten Arbeiten stellen daher einen klaren zeitlichen Verstoß gegen Naturschutzrecht dar. Inwieweit in den Bestand eingegriffen wurde oder ein Wiederaustrieb möglich ist, bleibt abzuklären."

Bis zu 25 000 Euro Strafe


Wegen dieser Rechtslage hat das Landratsamt vor, zunächst eine Verwarnung auszusprechen, informierte Pressesprecher Reinhard Schmid. Bei Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen des bayerischen Naturschutzgesetzes kann aber auch eine Geldbuße bis zu 25 000 Euro fällig werden.

Das verträgt sich nicht mit der Modellgemeinde Biodiversität.Toni Wolf, Vorsitzender der Bund-Naturschutz-Ortsgruppe

Von Thorsten Schreiber

Rund um Tännesberg wird viel für den Natur- und Artenschutz getan, keine Frage. Dafür rühmt sich die Kommune zu Recht öffentlichkeitswirksam als erste Modellgemeinde für Biodiversität in Deutschland. Im völligen Widerspruch dazu steht die Rodungsaktion entlang der Straße von Weinrieth nach Tanzmühle. Dies ist nicht nur ein klarer Verstoß gegen das bayerische Naturschutzgesetz, für den es eine saftige Geldbuße geben kann, sondern vor allem eine Schande für die Artenvielfalt-Vorzeigekommune. Was noch schlimmer ist: Es war nicht der erste Vorfall dieser Art. Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt sollte sich daher genau überlegen, ob es mit einer Verwarnung noch getan ist.

thorsten.schreiber@derneuetag.de
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