Lebensretter aus der Fankurve

Anja Roith (19) kann seit der Knochenmarkspende im Jahr 2011 ein neues, gesundes Leben führen. Das hübsche Mädchen absolviert eine Ausbildung bei der Agentur für Arbeit. Heute wird sie mit ihrer Familie beim Festabend "15 Jahre Hilfe für Anja" in Kirchenthumbach dabei sein. Bilder: Portner, hfz
Lokales
Teunz
04.09.2015
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Im Alter von zweieinhalb Jahren erhielt Anja Roith (19) die Diagnose "Autoimmunerkrankung (HLH)". Ihr Leidensweg dauerte bis 2011. Großen Anteil an der Spendersuche hatte der Verein "Hilfe für Anja", der im Jahr 2000 gegründet wurde. Zum Jubiläum gibt es einen Festabend und ein Buch - auch über Fußball.

"Mein Mann Reinhard und ich sahen uns an - Chemo? Nein nicht unser Kind!", erinnert sich Mutter Lisa an den 29. Januar 1999. Nach monatelangem Hoffen und Bangen überfiel eine lebensbedrohende Krankheit die junge Familie, die sich gerade ein Haus in Hirschaid bei Bamberg gebaut hatte. Anjas Bruder Matthias, damals vier Jahre alt, verbrachte jetzt viel Zeit bei den Großeltern in der Oberpfalz, bei der Schreinerei Süß in Fuchsberg.

Anja half nur eine Knochenmark-Transplantation. Weder in der Verwandtschaft, noch in der weltweiten Datenbank fand sich ein geeigneter Spender. "Wir wollten den Kopf nicht in den Sand stecken, also mussten wir aktiv werden", sagt Elisabeth Roith und berichtet von einer Welle der Hilfsbereitschaft. Die ersten zwei Typisierungsaktionen fanden am 16. Mai 1999 in Hirschaid sowie in der überfüllten Mehrzweckhalle in Oberviechtach statt. Die Dorfgemeinschaft Fuchsberg steuerte Kuchen bei und in der Folgezeit spendeten viele Vereine Geld für die Kosten der Typisierung. Doch der nervenaufreibende und kräftezehrende Leidensweg dauerte noch bis Dezember 2011.

Weihnachten 1999 wurde der Familie und vielen Leukämiekranken "ein Engel" geschickt - ein Cluberer. Fußballfan Michael Sporrer vom 1. FCN-Fanclub aus Kirchenthumbach suchte einen Empfänger für die jährliche Vereinsspende und stieß im Internet auf die Geschichte der kleinen Anja. Schon ein Jahr später war aus einem Haufen Club-Fans die "Hilfe für Anja" entstanden. Zum 15. Jahrestag erzählt Sporrer in einem Buch die Geschichte dazu. Der Titel: "Lebensretter gesucht - Der gemeinsame Weg in ein neues Leben."

Auf den 200 Seiten kommen auch Gastautoren zu Wort: Lisa Roith beschreibt den Leidensweg ihrer Tochter Anja. Eine zweimalige Knochenmarkspenderin berichtet von der Begegnung mit dem Patienten, dem sie das Leben gerettet hat. Eine junge Frau erzählt, wie es ist, mit 25 zu erfahren, dass man schwer krank ist, und wie froh sie über den Verein "Hilfe für Anja" war.

Gesunde für Kranke. Sporrers Buch startet in der Club-Fankurve. Jeden Samstag zog es ihn und seine Freunde zum FCN, bis ein kleines Mädchen es schaffte, den Fußball an die zweite Stelle zu drängen. Seit dem Jahr 2000 verfolgt der gemeinnützige Verein das Ziel, Leben zu retten. Es gelang, über 38 000 Menschen zu begeistern, sich für die weltweite Datenbank registrieren zu lassen. Sporrer erinnert sich an die Euphorie, plötzlich Gutes zu tun, aber auch daran, ständig mit dem Tod konfrontiert zu sein. Einen Höhepunkt gab es im Jahr 2011, als der ursprüngliche Vereinszweck erfüllt war: Anja hatte einen Spender gefunden (auch dieser kommt im Buch zu Wort).

Doch die Organisation und Finanzierung von Typisierungsaktionen für Knochenmarkspender läuft weiter. "Wir dachten zuerst an einen neuen Namen", sagt Elisabeth Roith, aber der Bekanntheitsgrad habe viele Vorteile. Die Familie engagiert sich weiterhin im Verein, auch wenn dessen Sitz rund 90 Kilometer entfernt liegt. Sie sind auch dabei, wenn heute der Jubiläums-Festabend zum 15-jährigen Bestehen mit Live-Band und vielen Ehrengästen in der Sporthalle von Kirchenthumbach stattfindet. Alleine für Oktober stehen schon vier Typisierungstermine fest und zwar in Auerbach, bei der Deutschen Bahn in Nürnberg, in Hirschaid und deutschlandweit bei der Firma Scheffler, bei der Matthias Roith ein duales Studium absolviert. Das lange Warten auf einen Spender macht mürbe. "Vielleicht sind ja einmal so viele Personen typisiert, dass sofort transplantiert werden kann", wünscht sich Elisabeth Roith. Die Fankurve dagegen lässt sie noch immer kalt - auch wenn sie und ihr Mann mit Michael Sporrer und dessen Cluberern echte Freunde gefunden haben.

Übrigens: Zu beziehen gibt es das Buch zum Preis von 9,90 Euro per Mail-Bestellung bei hilfe-fuer-anja@t-online.de, bzw. Infos auf der Homepage www.hilfe-fuer-anja.de.
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