Neuer Glanz für Jakobi-Kirche

Kirchenmaler Karl-Heinz Meier retuschiert den heiligen Jakob, der in der Empore-Darstellung den jungen Grafen von Taufkirchen im Türkenkrieg beschützt.
Lokales
Teunz
06.03.2015
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Viele Firmen und Hilfskräfte aus Fuchsberg haben bei der Renovierung der Jakobi-Kirche mitgewirkt. Gefördert werden die Maßnahmen auch durch "Leader Plus". Jetzt sind die Wochen der Kirchenmaler gekommen und an der Empore der Wallfahrtskirche leben die Türkenkriege auf.

Seit 2014 erfährt die bekannte Jakobi-Kirche von Fuchsberg eine umfassende Renovierung. Zur Zeit ist das Gotteshaus völlig "ausgeräumt" - die Figuren, Gemälde und Votivbilder befinden sich im Atelier des Kirchenmaler-Unternehmens Fromm in Parsberg. Die übrige Einrichtung ist an verschiedenen Orten in Fuchsberg eingelagert.

Szenen der Entstehung

Verwaist ist das historisch bedeutsame Kirchlein am Jakobsweg von Prag nach Nürnberg aber dennoch nicht. Die beiden Kirchenmaler Karl-Heinz Meier und Magdalena Schulz des Parsberger Unternehmens arbeiten vor Ort an der Brüstung der Empore, wo die historisch und kunstgeschichtlich aufschlussreichen Szenen zur Entstehungslegende der Kirche dargestellt sind. "Das Restaurieren dieser Bilder vollzieht sich in einem Dreischritt", klärt Kirchenmaler Karl-Heinz Meier die Schülerinnen des Presseseminars am Ortenburg-Gymnasium auf, die sich mit Seminarleiter Georg Lang auf den Weg zur Kirche gemacht haben, um sich auch mit einem Thema auseinanderzusetzen, das nicht unmittelbar mit der Schule zu tun hat. Ein erster Schritt ist das Reinigen der Bilder, dann werden Kittungen von Abplatzungen vorgenommen und schließlich erfolgt das fachmännische Retuschieren.

Die Arbeitsabläufe haben ganz viel auch mit einer künstlerischen Tätigkeit zu tun, auch wenn die beiden Kirchenmaler in ganz bescheidener Manier das Handwerkliche herausstreichen. Fachmännisches Wissen über den Einsatz der natürlichen Materialien, wie beispielsweise der aus der Fischblase des Störs gewonnene Leim, gehören dazu. Aber auch ein Gespür für Farbgebung und Perspektive und natürlich eine ruhige Hand sowie viel Geduld bei der diffizilen Feinarbeit an den historischen Gemälden, die sich inhaltlich auf die Türkenkriege beziehen. Die glückliche Heimkehr des jungen Grafen von Taufkirchen, dessen Familie die Hofmark von Fuchsberg inne hatte, veranlasste die Eltern zum Bau der jetzigen Jakobi-Kirche.

Kirchenmaler Karl-Heinz Meier ist gerade dabei, den heiligen Jakob selbst zu restaurieren, der in der Entstehungslegende als Beschützer neben dem jungen Grafen von Taufkirchen im Krieg mitreitet. Magdalena Schulz arbeitet auf der anderen Seite der Brüstung an der Restaurierung der mittelalterlichen Schlacht von Clavigo. Entgegengesetzt zur Empore hängt in der Apsis bereits der restaurierte Rahmen des Hochaltarbilds vom heiligen Jakobus mit Muschel und Wanderstab, das aber noch im Parsberger Atelier restauriert wird. Dort befinden sich auch die zahlreichen Votivbilder, die unter der Empore ihren festen Platz hatten. Diese kleinformatigen Malereien auf Holz sind historisch recht aufschlussreich, weil die Motive auch einen Bezug zum Entstehungsanlass herstellen, etwa zum Taufkirchen-Schloss in Fuchsberg oder zum glimpflichen Ausgang der napoleonischen Kriege in Teunz und Fuchsberg, den die Votanten dem heiligen Jakob und dem heiligen Nepomuk zuschrieben.

Kalkanstrich fertig

Neben den derzeitigen filigranen Restaurierungen sind die grundlegend gröberen Renovierungsmaßnahmen der Kirche bereits 2014 erfolgt. Kirchenpfleger Ulrich Wohlgemuth dankt hierbei neben den Firmen auch zahlreichen Fuchsberger Hilfskräften. Sie haben beispielsweise beim Ausbau der Beton-Bodenplatte geholfen oder beim Abschlagen des Innenputzes. Als neuer Unterbau kam ein Einkornbeton bis zu einer Stärke von 40 Zentimeter in die Kirche, wobei jeglicher Kontakt zum Mauerwerk unterbunden wurde. Bei der Anbringung des Sanier- und Kalkputzes wurden von der Firma Reim alle Restaurierungsauflagen eines historischen Gebäudes eingehalten.

Dasselbe gilt für die bereits erfolgten Kalkanstriche durch die Firma Fromm, die nach einem ausgewählten Farbkonzept die entsprechenden Kalklasuren aufgetragen hat. Die Decke ist in lichtem Grau gehalten, die Hohlkehle in Rosa und die Seitenwände sind weiß gestrichen. Die Bleiverglasungen der Fenster wurden gereinigt und ausgebessert. In absehbarer Zeit erfolgt der Einbau der Holzpodeste, des Kirchengestühls und des Altarunterbaus, bevor die restaurierten Objekte aus Parsberg zurückkommen.

Bis in den Frühsommer werden alle Arbeiten abgeschlossen sein, die zu einem nicht unerheblichen Teil in der aktuellen Förderphase von Leader Plus (2013 bis 2015) finanziell unterstützt wurden. Die Gestaltung des Kirchenzugangs, die bilinguale Infostelle am Jakobsweg und die Jakobswidmungen in der Kirche selbst profitieren vom Förderprogramm.
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