Herberge für Zeit des Abschieds

Mit einer Spende bedankte sich Rosi Krafczyk, die Koordinatorin der Nachbarschaftshilfe Teunz (Zweite von links), bei den Hospiz-Mitarbeitern. Bild: hfz
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Teunz
17.10.2016
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Würdig aus dem Leben gehen: Das wünschen sich viele, wenn der Tod vor der Tür steht. Senioren aus Teunz haben diese Phase nicht verdrängt, sondern sich in einem Hospiz umgesehen.

"Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise, und traulich eingewöhnt, so droht Erschlaffen. Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen. Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde uns neuen Räumen jung entgegen senden, des Lebens Ruf an uns wird niemals enden ..... Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!" Mit diesem Zitat aus "Stufen" von Hermann Hesse geben Angehörige eines im Johannes-Hospiz verstorbenen Familienmitglieds im Gedenkbuch ihrem Schmerz Ausdruck.

Auf Spenden angewiesen


Der Seniorenkreis der Nachbarschaftshilfe Teunz und Pfarrer Herbert Rösl lasen diese Zeilen, als sie das Johannes-Hospiz in Pentling besuchten. Im großen Konferenzraum erwarteten sie Sabine Sudler, die Hospizleiterin der Einrichtung, und Manfred Beer aus Oberviechtach, der schon viele Jahre für den Regensburger Hospizverein ehrenamtlich Sterbende begleitet. Mit einfühlsamen Worten berichten beide von der Hospizarbeit. Das Johannes-Hospiz ist ein Gemeinschaftsprojekt der Johanniter-Unfall-Hilfe und des Hospizvereins Regensburg. Drei Millionen Euro hat es gekostet und wurde im April 2014 eröffnet. Die Kosten für die Betreuung, Pflege und Begleitung der Gäste übernehmen zu 95 Prozent die Kranken- und Pflegekassen. Der Rest wird durch Spenden finanziert. Es bietet Platz für zehn Gäste. Angehörige haben zu jeder Tages- oder Nachtzeit Zutritt zu ihren todkranken Familienmitgliedern und können bei diesen im Krankenzimmer oder in zwei separaten Gästezimmern übernachten. Letzteres ist oftmals wichtig, um Verschnaufpausen zum Auftanken zu bekommen und mal wieder zu sich selber zu finden.

Hospiz bedeutet Herberge, und deshalb werden hier die Patienten als Gäste bezeichnet und auch so behandelt. Es gibt keine festen Zeiten für Pflege und Essenausgabe. Alles richtet sich nach den Wünschen der Gäste. Wenn man länger schlafen will, gibt es das Frühstück oder das Mittagessen eben später. Die Gäste wählen ihr Menu selbst aus oder kochen sich, wenn noch möglich, zusammen mit ihren Angehörigen selbst etwas in der Küche mit angrenzendem Aufenthaltsraum. Alles ist auf das Wohl der Gäste ausgerichtet.

Gemessen an den zehn Betten stehen für jeden Gast durchschnittlich drei Pflegekräfte zur Verfügung, was für normale Krankenhäuser befremdlich erscheinen mag. Aber hier nimmt man sich Zeit für den Menschen, hier geht es um palliative Versorgung, das heißt, der Kranke soll schmerzfrei seine letzten Tage "noch leben" können, um dann, wenn es soweit ist, in Würde gehen zu können. Hier werden seine Wünsche ernst genommen, hier wird ehrlich über die Endlichkeit gesprochen, aber nicht nur darüber.

Umfassende Betreuung


Auf Wunsch wird der Gast auch seelsorgerisch betreut, und bei Bedarf gibt es Physiotherapie.Manchmal kann der Hausarzt die medizinische Versorgung übernehmen, manchmal wird ein niedergelassener Arzt gestellt. Auf die Frage nach der Aufenthaltsdauer im Haus machte Sudler deutlich, dass das sehr unterschiedlich ist. Kein Arzt könne den Todeszeitpunkt voraussagen. Ein Patient sei bereits sechs Stunden nach seiner Ankunft verstorben, ein anderer mit einer Prognose von drei Wochen habe noch 14 Monate hier gelebt.

Die Besucher aus Teunz duften sich bei der Führung durch das Haus selbst ein Bild von den Räumen machen, die alle Zugang zur Gartenterrasse gaben. Auch muslimische oder jüdische Sterbe-Rituale werden hier berücksichtigt, ein Zimmer ist dazu mit der Möglichkeit zu rituellen Waschungen ausgestattet. Innere Ruhe kann man im Raum der Stille finden, wo rund um den kupfernen Brunnen Angehörige beschriftete Steine abgelegt haben. Nach der alljährlichen Gedenkfeier kommen sie an einen anderen, symbolträchtigen Ort. Mit einer Spende bedankte sich Rosi Krafczyk, die Koordinatorin der Nachbarschaftshilfe Teunz, bei den Mitarbeitern, bevor es für die tief beeindruckten Besucher weiter ging zur Einkehr nach Mariaort.
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