"Blechpest" mit heiterer Note

So manches Schild verbreitet nicht nur nostalgischen Charme, sondern sorgt auch noch für ein Schmunzeln. Viele Besucher nutzten den Eröffnungstag, um gleich einen Blick auf die Exponate zu werfen.
Lokales
Thanstein
12.03.2015
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Dieser Reklame konnte Thanstein nicht widerstehen: Bartwuchsmittel für den Herrn, Entfettungsmittel für die Dame. Was vor Jahrzehnten in der Werbung aktuell war, sorgt heute im neuen Museum der Gemeinde für Heiterkeit.

Jetzt hat auch Thanstein ein Museum. Die kulturelle Einrichtung wurde am Wochenende offiziell durch Bürgermeister Walter Schauer, Sammler Herbert Männer und Ansprechpartnerin Elisabeth Lottner (VG Neunburg) eröffnet. Unter den zahlreichen Ehrengästen befanden sich der Kultur- und Heimatpfleger Johann Wax und die Bürgermeisterkollegen.

Leerstand beseitigt

Die Reklameexponate stammen aus der Zeit zwischen 1880 und 1960. Sie unterscheiden sich deutlich von der heutigen Werbung. Bürgermeister Walter Schauer freute sich, dass mit der Nutzung als Museum der Leerstand in der Thansteiner Grundschule mit Leben erfüllt wird und dankte allen ehrenamtlichen Helfern und Sponsoren. Er lobte auch die Gestaltung des Werbeprospektes durch Sandra und Herbert Männer. Der Flyer zum Reklame-Museum gibt auch Hinweise zur Geschichte, Natur und Kultur Thansteins. Herbert Männer freute sich besonders, dass seine Sammlerleidenschaft, die er als Zehnjähriger mit Zigarettenschachteln begann, so großen Anklang fand. Seine große Leidenschaft galt seit etwa 1940 dem Sammeln von Reklametafeln. Zum Spezialgebiet des Thansteiners gehören aber auch Blechdosen, Büchsen, Aschenbecher, Plakate und andere Gegenstände.

Während der Zeit von 1880 bis 1960 wurde der Begriff "Reklame" verwendet, "heute heißt es Werbung", so Männer bei seiner Begriffsdefinition. "Die hauten ganz schön aufs Blech damals", sagte Männer, als er die Entstehung der Tafeln erklärte. In diesem Zeitraum war die Reklame Bestandteil der Alltagskultur. Durch die Industrialisierung wurden Massenartikel hergestellt, in der Reklame kamen Email- und Blechschilder zum Einsatz..

Für den Kaufrausch

Als schließlich die "Blechpest" überhand nahm, prägten bald Papier-Plakate das Zeitalter. Später wurden Plastikschilder verwendet, um bei der Bevölkerung den Kaufrausch zu wecken. Rasch verschwanden die Reklametafeln aus der Werbewelt. Männer zitierte einige Annoncen aus der Berliner Zeitschrift "Die Woche" von 1908. Zahnpasta, Entfettungsmittel für die Dame und Bartwuchsbeförderer für die Herren sorgten bei den Ehrengästen für Erheiterung. Für die Bevölkerung war das Museum am Sonntag zum ersten Mal geöffnet.

Der enorme Zuspruch überraschte Herbert Männer, der viele Fragen beantworten musste. Nächster Öffnungstermin für das Museum ist Ostermontag, 6. April, ab 14 Uhr.
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